Durch die Umbaumaßnahmen im Pfarrhaus und meine neue Stelle als Polizeiseelsorgerin für das Präsidium Oberbayern Süd bin ich im letzten Jahr mit meinem Büro zweimal umgezogen. Zweimal einpacken und auspacken der Umzugskartons hat Zeit, Energie und auch Nerven gekostet. Erst so wurde mir bewusst, wie viele Bücher, Dokumente und Materialien sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben. Vieles, vielleicht sogar das meiste davon, brauche ich nicht mehr. Es landete im Aktenvernichter. Die Regale sind schmal geworden. Für die wirkliche Arbeit mit den Menschen benötige ich ohnehin doch nur ein offenes und hörendes Herz. Die Umzüge wurden zu einem Lernprozess. Loslassen von lieb gewordenen Gegenständen und einer vertrauten Umgebung fällt nicht immer leicht. Das neue Büro lässt mich aber mittlerweile befreit arbeiten und auf das Wesentliche konzentrieren. Mich zu reduzieren, fühlte sich am Ende an wie das Öffnen eines Fensters in einem stickigen Raum. Plötzlich kommt Luft hinein. So ist es auch mit der Fastenzeit: Weniger ist in den meisten Bereichen des Lebens mehr. Auf einmal eröffnen sich ganz von selbst neue Freiheiten: bewusster zuhören, sich selbst freundlicher begegnen. Vielleicht auch einen alten Streit loslassen oder jeden Tag einen kleinen Moment der Stille wagen. Die Fastenzeit ist keine graue Zeit des Mangels. Sie ist eher wie das Aufräumen vor dem Frühling. Man schafft Platz – und entdeckt dabei neu: Gott wartet nicht am Ende perfekter Vorsätze. Er möchte uns jetzt schon mitten im Alltag begegnen. Aber dafür müssen wir auch Platz für ihn haben.