Marquartstein – Schon als Daniela Maier mit ihrem Auto auf dem Platz vor dem Marquartsteiner Rathaus vorfuhr, übermannten sie die Gefühle. Die Olympiasiegerin im Skicross lächelte glücklich beim Aussteigen, als sie die große Menschenmenge für ihren Empfang sah. „Ich muss mich beherrschen, dass ich nicht weine“, sagte Maier zu Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck, der sie empfing.
Langes Spalier und Jubel
für die Olympiasiegerin
Dann ging sie mit ihrer Goldmedaille von den Winterspielen in Italien um den Hals durch ein langes Spalier von Kindern. Die Kinder vom örtlichen Skiclub hatten ihre Latten mitgebracht, unter denen die Olympiasiegerin hindurchlief. Die Grundschüler aus Marquartstein wedelten mit bunten Tüchern und auch die kleinen Fußballer des Ortes waren mit von der Partie. Die Musikkapelle spielte, für alle Besucher standen Häppchen und Getränke bereit. Die mehrere Hundert Menschen große Menge klatschte begeistert Beifall – und viele vorbeifahrende Autofahrer hupten. Es herrschte Ausnahmezustand in Marquartstein. „Ich bin überwältigt. Und es macht mich besonders glücklich, dass so viele Kinder da sind. Geht raus, habt Freude an der Bewegung, kämpft immer wieder und gebt nicht auf“, sagte die sichtlich gerührte Maier auf der kleinen Bühne vor dem Eingang zum Rathaus.
Seit fünf Jahren wohnt die gebürtige Schwarzwälderin jetzt in Marquartstein und hat die Region in ihr Herz geschlossen. Ihr Arbeitgeber ist die Bundespolizei in Bad Endorf, viele Trainingseinheiten finden im Großraum Rosenheim statt und ihr Skitechniker wohnt ein paar Kilometer entfernt hinter der Grenze im österreichischen Kössen.
„Wir haben das erste Mal in der Geschichte eine Olympiasiegerin in der Gemeinde. Auch große Träume können in einer kleinen Gemeinde wie Marquartstein wahr werden. Vielleicht steht ja ein künftiger Olympiasieger unter Euch“, rief der stolze Bürgermeister Scheck den Kindern zu.
Dann ging es ins Rathaus, wo sich Maier ins Goldene Buch eintrug. „Wer den ersten Schritt wagt, kann Großes erreichen“, schrieb die Olympiasiegerin. Danach beantwortete sie die ersten neugierigen Fragen von Gemeinderatsmitgliedern. Warum sie denn auf den Bildern nach dem Olympiasieg mit einer roten Zunge zu sehen gewesen sei? „Ich hatte ein Halskratzen und habe Neo-Angin gelutscht“, erzählte Maier. Jeder wollte ihre etwa 500 Gramm schwere Goldmedaille anfassen. „Sie ist aber nur zu einem Prozent aus Gold, der Rest ist Silber“, verriet sie.
Zurück auf der Bühne wurde Daniela Maier mit Geschenken überhäuft. Zunächst gab es einen Präsentkorb der Gemeinde, in dem zu ihrem Entzücken auch eine Flasche ihres liebsten Feiergetränks Aperol war. Dann gab es zu Maiers großer Überraschung goldene Ski von ihrem Schweizer Ski-Ausrüster Stöckli. Und schließlich einen Liegestuhl vom Achental-Tourismus, damit sich die Olympiasiegerin auch mal in der Wahlheimat ausruhen kann.
Wintersportler werden
im Sommer gemacht
Dann endlich durften die Kinder der Grundschule Marquartstein ihre Fragen an die Goldheldin stellen. „Die haben die Kinder in den letzten Tagen selbst entwickelt. Die Begeisterung war riesengroß“, erklärte Lehrerin Katrin Entfellner. Leni (8) hatte einen Zettel mit der Frage: „Machen Sie auch andere Sportarten?“ in der Hand. Emelie (7) wollte wissen, wer die größte Konkurrentin von Maier bei Olympia war.
Die Olympiasiegerin beantwortete auf der Bühne geduldig all diese Fragen. Auch die, wie alt sie eigentlich ist. „Ich bin 29, aber morgen ist mein Geburtstag, dann bin ich 30“, sagte Maier mit Blick auf den Mittwoch, 4. März. Sie erzählte, dass sie mit nur drei Jahren zum ersten Mal auf Ski stand und ein Jahr später schon ihr erstes Rennen fuhr. Dass ihr Papa sie zum Skicross brachte, als sie eigentlich mit ihrer Alpin-Karriere aufhören wollte. Das Höchsttempo beim Skicross könne durchaus „100 Sachen“ betragen. Als Hobbys nannte die Olympiasiegerin neben Skifahren und Freunde treffen auch „Radfahren, Berg gehen, Bouldern“. Wintersportler würden wegen der Fitness-Grundlage im Sommer gemacht, zum Beispiel mit hartem Training im Kraftraum oder auf dem Radl.
Vom Nervenkitzel und
einem befreienden Gefühl
Wie das Gefühl beim Springen ist? „Die Anfahrt ist Nervenkitzel, man sieht nur die Kante und Himmel. Dann ist es ein befreiendes Gefühl, wenn man durch die Luft fliegt“, antwortete Maier. Nach der Zieldurchfahrt beim Olympiasieg sei sie einfach nur „überwältigt“ gewesen: „Es war ein schönes Gefühl, als meine Teamkollegen zu mir gesprintet kamen und mich umarmt haben.“ Und dann kam da noch die Frage des Moderators, ob Daniela Maier in Sachen Liebe schon vergeben sei.
„Das ist eine sehr private Frage. Aber ich bin noch allein“, verriet Maier nach einigem Zögern. Und fügte dann als kleine Warnung für mögliche aufdringliche Bewerber hinzu: „Ich will nur sagen: Ich bin bei der Bundespolizei.“ Die Menge reagierte auf diese witzige Antwort mit großem Jubel. Dann kommentierte Maier noch einmal ihren auf einer Leinwand eingespielten Sieglauf zu Olympia-Gold und schrieb deutlich über eine Stunde Autogramme, mit persönlicher Widmung. Spätestens bei diesem Empfang hatte sie auch die Herzen einer ganzen Region gewonnen.