Gerüchte um Spritknappheit

von Redaktion

Die Fahrt zur Tankstelle ist derzeit teuer. Seit dem Wochenende sind die Preise für Benzin und Diesel in der Region Rosenheim stellenweise um bis zu 20 Cent gestiegen. Viele Autofahrer überlegen daher, ob sich die Fahrt zum Tanken ins benachbarte Österreich lohnt.

Rosenheim – Der Blick auf die Tankanzeige verhieß nichts Gutes. Seit Anfang der Woche sank der Benzinstand im Auto der Frau aus Kolbermoor Strich für Strich immer weiter nach unten. „Es war klar, dass ich jetzt dann bald tanken muss“, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. Der Blick auf die Preise an den Tankstellen sei allerdings ein Schock gewesen. „Der Sprit ist so teuer geworden, der ist permanent am Steigen“, sagt die Kolbermoorerin. Da sie ihr Auto jeden Tag für die Fahrt zur Arbeit in Rosenheim braucht, musste eine Lösung her.

Viele Rosenheimer
tanken nun in Österreich

Spätestens am Dienstagabend, 3. März, da war der Tank fast vollständig leer. Nach der Arbeit habe die Frau zusammen mit einem Freund den Entschluss gefasst, nach Österreich zu fahren – dort könnte der Sprit ja noch etwas billiger sein. Gegen 19 Uhr seien sie an einer kleinen Tankstelle in Kufstein angekommen. „Wirklich viel los war aber nicht“, sagt die Kolbermoorerin. Ungefähr zehn Autos habe sie gezählt. Eines sei aber sofort aufgefallen: „Die hatten ausschließlich ein Rosenheimer Kennzeichen“, sagt die Frau am Telefon.

Bei den Preisen sei das kein Wunder. „Für den Liter Benzin habe ich dort 1,69 Euro gezahlt“, erzählt die Kolbermoorerin. Zur gleichen Zeit in Rosenheim: Preise über 1,85 Euro pro Liter. Vereinzelt sogar jenseits der 1,90 Euro. „Als wir wieder nach Hause gekommen sind, lag der Preis bei unserer Tankstelle daheim bei 1,94 Euro“, sagt die Frau. Bei über 20 Cent pro Liter mache das einen deutlichen Unterschied – vor allem für ihren Geldbeutel.

Kein Rückgang
an den Tankstellen

Die Frau aus Kolbermoor scheint aber nicht die Einzige zu sein, die einen Tankausflug in den vergangenen Tagen gemacht hat. Die Beobachtung hat auch Simon Dettendorfer, Bereichsleiter Kraftstoff bei der Spedition Dettendorfer, machen können. Das Unternehmen betreibt sowohl in Raubling als auch in Kufstein eine Tankstelle – also auf beiden Seiten der Grenze. „Auf deutscher Seite haben wir seit Anfang der Woche ungefähr die gleichen Abgabemengen wie sonst, bei der österreichischen Station ist es ein bisschen mehr geworden“, sagt Dettendorfer.

Hamster- oder gar Panikkäufe habe es noch nicht gegeben. Es sei aber schon feststellbar, dass die Autofahrer noch genauer auf den Tankpreis schauen und kontrollieren, wo es gerade billiger ist, berichtet Simon Dettendorfer. Insbesondere, da am Donnerstag, 5. März, der Literpreis in der Früh im Landkreis Rosenheim fast überall bei oder über zwei Euro lag.

Preise könnten
noch weiter steigen

Ein paar Stunden später – gegen 9.30 Uhr – lag der Preis für einen Liter Benzin in Rosenheim einem Sprit-Vergleichsportal zufolge im Schnitt fast überall über 1,95 Euro. Bei einer Tankstelle in der Kufsteiner Straße wurden zwei Euro fällig, 1,96 Euro an einer Zapfsäule in der Ebersberger Straße. Diesel war mit einem Preis zwischen 1,99 und 2,06 Euro sogar noch teurer in der Stadt. Bei den Tankstellen im Landkreis – das gleiche Bild.

Das Ende könnte allerdings noch nicht erreicht sein, glaubt Simon Dettendorfer. „Je länger der Konflikt in Nahost dauert, umso teurer wird das Öl“, sagt er. Der ausschlaggebende Punkt ist im Moment die Straße von Hormus – eine schmale Stelle im Persischen Golf, die an die Küste Irans grenzt. Dort müssen die Schiffe passieren, um zu den Ölhäfen Kuwaits, Katars, des Iraks, Bahrains oder der Vereinigten Arabischen Emirate zu kommen. „Wenn die Schiffe dort nicht durchkommen, dann ist natürlich weniger Produkt am Markt und der Preis steigt“, erklärt Dettendorfer.

Mit einer Knappheit
ist nicht zu rechnen

Dass der Sprit knapp wird, damit rechnet der Tankstoff-Experte bislang nicht. „Wir haben jetzt dennoch nochmal zusätzliche Mengen gekauft“, betont er. Das Öl stamme größtenteils aus Amerika und Kanada, die Ware aus Nahost gehe meist in asiatische Länder. Wie die Tanksituation genau weitergeht und bis wohin die Preise am Ende steigen könnten, könne aber auch er nicht vorhersagen. „Das ist ein bisschen wie in eine Glaskugel zu schauen“, sagt Dettendorfer.

Diese Unsicherheit macht sich scheinbar immer mehr an den Zapfsäulen in Rosenheim bemerkbar. „Bei uns wird seit Beginn der Woche viel weniger getankt“, teilt Familie Reinhard von der Allguth-Tankstelle auf OVB-Anfrage mit. Am Wochenende, 28. Februar/1. März, seien noch viele Autofahrer an der Tankstelle an der B15 gewesen, um vollzutanken. Da seien mittlerweile aber spürbar weniger geworden.

Zapfsäulen in Bad Aibling weiter gut besucht

Ein wenig anders scheint die Lage in Bad Aibling zu sein. Dort herrschte auch in den vergangenen Tagen reger Betrieb an den Zapfsäulen. Daran änderten auch die gestiegenen Spritpreise nichts. Hier lag der Liter-Preis ebenfalls um die Zwei-Euro-Marke. Dass es also Effekte auf die Treibstoffpreise gibt, daraus macht auch Philipp Arner, Mitglied im Vorstand der Benzin-Kontor AG (BK), die auch eine Tankstelle in Aiblings Innenstadt führt, keinen Hehl.

„In den vergangenen Tagen sind die Preise zwischen 20 und 30 Cent nach oben gesprungen“, sagt Arner auf OVB-Anfrage. Dies sei den Entwicklungen des Produktpreises geschuldet. Allerdings habe dies nicht dazu geführt, dass die Menschen ihr Auto deshalb lieber in der Garage stehen lassen – im Gegenteil. „Die Leute haben in den vergangenen Tagen getankt wie die Wahnsinnigen, wir hatten lange Schlangen“, sagt Arner.

Kurzzeitiger Stopp
bei Benzin oder Diesel

Aus Sorge, dass die Preise noch weiter steigen, hätten viele sicherheitshalber gleich mal vollgetankt. Auch gehe die Angst um, dass der Treibstoff ganz ausgehen könnte. So machte in Bad Aibling sogar zwischenzeitlich das Gerücht die Runde, dass der Sprit an einer Tankstelle in der Stadt ausgegangen sei. Da möchte Arner genauso wie Simon Dettendorfer beruhigen: „Es ist überhaupt nicht mit Leerständen an den Tankstellen zu rechnen“, sagt er. Knappheit könne, wenn überhaupt, nur durch massive „Hamsterkäufe“ entstehen.

So hätten an der Aiblinger Tankstelle Anfang der Woche tatsächlich Autofahrer für ein paar Stunden auf eine Spritsorte verzichten müssen. „Hier musste die nächste Tankladung einfach erst wieder durchkommen, aber es ist alles da“, versichert Arner. Und ergänzt: „Es gibt überhaupt keinen Mangel an den Produkten bei uns in Bayern.“ Er blickt deshalb recht gelassen auf die kommenden Wochen. Und ob bei weiter steigenden Preisen der ein oder andere Autofahrer vielleicht doch lieber aufs Fahrrad umsteigt, sei freilich auch nicht auszuschließen.

Tank-Ausflug alleine
lohnt sich nicht

Während sich andere Tankstellen-Konzerne gar nicht oder nur knapp zur aktuellen Situation äußern wollten, steht für die Frau aus Kolbermoor fest: Wenn die Spritpreise so bleiben, wird sie auch weiterhin fürs Benzin nach Österreich fahren. „Nur fürs Tanken lohnt es sich nicht, aber wenn man es mit einem Spaziergang verbindet, bietet sich das doch an“, sagt sie.

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