Enges Rennen um Posten und Sitze

von Redaktion

Hochspannung in der Region Rosenheim: Bei der Kommunalwahl am morgigen Sonntag geht es um Bürgermeisterposten, Sitze in Gemeinde- und Stadträten sowie um den Kreistag. In einigen Gemeinden sind enge Wahlen zu erwarten – auch im Rennen um das Rathaus in Rosenheim und um das Amt des Landrats.

Rosenheim – Morgen gilt’s: Dann sind in Stadt und Landkreis Rosenheim gut 260.000 Wahlberechtigte aufgerufen, für ihre Kandidaten für den Job des Bürgermeisters, Stadt- oder Gemeinderat sowie den Kreistag zu stimmen. Abzustimmen ist auch über die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters von Rosenheim und des Landrats. Wir informieren über Trends und Einschnitte, über Favoriten und Außenseiter, Wahlbegeisterung und Wahlfrust.

Die Hälfte wählt
aus der Ferne

Briefwahl ist in: In Rosenheim sind 47.262 Wahlberechtigte registriert. Bis Freitagmorgen (6. März) waren für 14.717 von ihnen Wahlscheine ausgestellt worden. 2020 waren es noch 12.372 Briefwähler gewesen, bei 46.442 Wahlberechtigten. Der Anteil der Briefwähler ist größer, als er aussieht. Schließlich hatten in Rosenheim 2020 überhaupt nur 47,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bedeutet: So gut wie jeder zweite Wähler sparte sich für die Stimmabgabe den Urnengang und setzte auf die Briefwahl.

„Grüne Welle“ von 2020
führte zu einer Stichwahl

Grüne Welle: 2020 war das Jahr der Grünen in der Region Rosenheim. 2020, wenngleich es bei einem Bürgermeisterposten blieb: Georg Reinthaler in Eiselfing. Doch im 70-köpfigen Kreistag sowie in vielen Stadt- und Gemeinderäten wurde ab 2020 mehr grüne Politik gemacht. In der Wahl ums Amt des Oberbürgermeisters zwang Franz Opperer von den Grünen Andreas März (CSU) in die Stichwahl, in der er unterlag. Im Kreistag wuchs die Fraktion der Grünen bei einem Stimmenanteil von fast 20 Prozent von neun auf 14 Sitze. Dagegen hielt im Kreistag die Talfahrt von CSU und SPD an. Mit knapp 37 Prozent und nur noch 26 Sitzen fiel die CSU auf ein historisches Tief, ebenso wie die SPD mit knapp sieben Prozent und fünf Mandaten.

Was ist heuer zu erwarten? Wenn es nach der U18-Wahl ginge, wäre eine Überraschung denkbar. Dort landete Andreas Winhart von der AfD auf Platz zwei, hinter Landrat Otto Lederer von der CSU. Lederer hatte zwar mit 36 Prozent einen satten Vorsprung von 20 Prozent – in die Stichwahl müsste er dennoch. Allerdings ist das bei insgesamt sieben Kandidaten ohnehin nicht auszuschließen. Was die OB-Wahl in Rosenheim angeht: 36 Prozent der jungen Wähler gaben CSU-Bewerber Andreas März ihre Stimme. Abuzar Erdogan von der SPD ist ihm demnach mit 23 Prozent auf den Fersen.

Kommunalpolitik ist oft Männersache: Bürgermeisterinnen sind in der Region Rosenheim eher selten. Zuletzt konnten sich Irene Biebl-Daiber (CSU) in Bernau, Regina Braun (CSU) in Halfing und Susanne Grandauer (CSU/FWG) in Nußdorf für den Chefposten im Rathaus empfehlen. Sicher dabei ist Susanne Grandauer als einzige Kandidatin in Nußdorf, sicher nicht mehr Regina Braun – sie hört auf.

Hier geht es nur um den Gemeinderat: In der Gemeinde Eggstätt steht am Sonntag ausschließlich die Wahl des Gemeinderats an. Eine Bürgermeisterwahl ist turnusgemäß erst wieder 2029 vorgesehen. Hintergrund ist der Rücktritt von Bürgermeister Christian Glas (FBE) im April 2023. Zu seinem Nachfolger wurde am 8. Oktober 2023 Christoph Kraus (FBE) gewählt. Auch in Bad Feilnbach und in Feldkirchen-Westerham haben die beiden außerhalb des Turnus gewählten Bürgermeister Max Singer (ÜW) und Johannes Zistl (OLV) einen ruhigen Wahlsonntag vor sich.

Wanderer zwischen
den Kommunen

Wechselzone: Anton Wallner (CSU) wurde 2024 in Bad Feilnbach abgewählt, nun greift er in Großkarolinenfeld an. Dort hört der langjährige Rathauschef Bernd Fessler (ÜWG) auf, der seit 2001 im Amt ist. Wallners Gegenkandidat ist Josef Baumann von den Freien Wählern. Wird das der Transfer der Saison? Jedenfalls trifft in diesem Match ein Routinier auf den Mann mit Heimvorteil.

Zurück zu den Wurzeln: Den längsten Weg zum Arbeitsplatz hätte im Falle eines Wahlerfolges sicherlich Julia Baumann. Die Rosenheimerin kandidiert in Marktredwitz, nahe der tschechischen Grenze, gelegen im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel. Sie tritt als parteifreie Kandidatin für die SPD gegen den amtierenden Oberbürgermeister Oliver Weigel (CSU) an. Die Kandidatin ist trotz 300 Kilometern Anreise weniger weit hergeholt, als man zunächst denken könnte: Baumann hat Wurzeln in „Rawetz“ – sie ist dort geboren.

Jeder vierte Bürgermeister
in der Region hört auf

Großer Schichtwechsel in den Rathäusern der Region: Jeder vierte Bürgermeister im Landkreis tritt nicht mehr an, genau sind es elf von 46. Neben den bereits genannten Regina Braun und Bernd Fessler sind dies (in alphabetischer Reihenfolge der Gemeinden) Josef Huber (CSU) in Babensham, Mathias Jokisch (CSU) in Brannenburg, Josef Murner (Parteifreie) in Höslwang, Peter Kloo (SPD) in Kolbermoor, Olaf Kalsperger (CSU) in Raubling, Andreas Fenzl (CSU) in Rimsting, Georg Huber (ÜPW) in Samerberg, Georg Weigl (ÜWG/CSU) in Tuntenhausen und Michael Kölbl (SPD) in Wasserburg.

Stichwahl-Spannung: Andreas März (CSU) würde gerne die zweite Amtszeit als Oberbürgermeister in Rosenheim antreten. Auf dem Weg dorthin muss er sich mit sechs Gegenkandidaten auseinandersetzen. Eine so große Konkurrenz macht eine Stichwahl nicht unwahrscheinlich. Es dürfte spannend werden, wie schon bei seinem Debüt, als er (siehe oben) erst im zweiten Wahlgang siegte – da dann aber deutlich mit 61,5 Prozent.

Wir erinnern uns auch an die Wahl 2020 in Bad Aibling. Auch dort gab es sieben Kandidaten und eine Stichwahl mit knappem Sieger: Am Ende setzte sich Stephan Schlier (CSU) durch. Ob es auch in Bad Endorf wieder spannend wird? Dort war 2020 die vierte Stichwahl in Folge vonnöten gewesen. Heuer machen zwei Kandidaten Alois Loferer (CSU) das Amt streitig, eine erneute Stichwahl wäre schon so etwas wie Bad Endorfer Tradition.

Ein Quintett will den Dino beerben: Peter Kloo war 24 Jahre lang Bürgermeister von Kolbermoor, zuletzt mit über 89 Prozent der Stimmen in einer Großgemeinde sogar so etwas wie der Stimmenkönig im Landkreis. Nun hört er auf, und ein Quintett ringt um seine Nachfolge: Leonhard Sedlbauer (CSU), Christian Demmel (AfD), Christian Morgenroth (SPD), Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) und Johanna Bössl (Die Linke). Fünf Kandidaten: Das ist der Höchstwert im Landkreis. Auch dort dürfte es spannend werden.

Große und die Kleinste: Gleich drei Kommunen im Landkreis gelangen bei der Zahl der Wahlberechtigten in den fünfstelligen Bereich: Bad Aibling (15.574) ist die größte Gemeinde, vor Kolbermoor (15.150) und Bruckmühl (13.600). Die Stadt Wasserburg landet mit 9.938 Wahlberechtigten nur auf Platz vier. Die kleinste Gemeinde Bayerns wartet mit 154 Wahlberechtigten auf: die Gemeinde Chiemsee mit 154 Wählern. Die dürften sich erneut auf Armin Krämmer als Bürgermeister einigen.

Rosenheim und Wahlen:
Starkes Engagement

Schnelle Zähler: Wenn am Sonntag schon kurz nach der Schließung der Wahllokale gegen 18 Uhr die ersten Hochrechnungen vorliegen, liegt das an den vielen Helfern. In Rosenheim zum Beispiel sind laut Julia Kositzki von der Stadtverwaltung 200 Wahlhelfer in den Briefwahllokalen und 384 Wahlhelfer in den regulären Wahllokalen beim Auszählen im Einsatz.

Alle Infos, einen Live-Ticker, die Ergebnisse und Reaktionen finden Sie morgen, Sonntag, auf ovb-online.de/kommunalwahl

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