Kommentar

Kaum Protest, viel Vertrauen

von Redaktion

Corona-Jahre, Flüchtlingswelle, Vertrauensverlust in die Politik – die vergangenen sechs Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Profiteur dieser Entwicklung: ganz klar die AfD, die mit viel Populismus landauf, landab Boden gutmachen kann. Nicht so in Stadt und Landkreis Rosenheim: Die Region hat bei Landrats- und Bürgermeisterwahlen vielerorts klare Kante gezeigt – und den AfD-Kandidaten so gut wie keine Chancen eingeräumt. Insbesondere im Rennen um das Amt des Landrats zeichnete sich am Wahlabend schnell ein „Duell“ zwischen Otto Lederer (CSU) und Sepp Hofer (Freie Wähler) ab, die sich nun in zwei Wochen zur Stichwahl gegenüberstehen werden.

Vergleichsweise abgeschlagen auf Platz drei landete AfD-Kandidat Andreas Winhart, auf Augenhöhe mit Alexandra Burgmaier, die der lange Zeit so gebeutelten Landkreis-SPD mit einem Achtungserfolg neues Leben eingehaucht hat.

Für AfD-Spitzenkandidat Winhart, der mit seinem Abgeordneten-Bonus in die Stimmenjagd gegangen war, muss die Klatsche der heimischen Wähler besonders bitter sein – hatte sich doch die AfD sicher auf der Überholspur gewähnt. Nun scheint es, als ob all die Wortgefechte, Handgreiflichkeiten und Anschuldigungen rund um die Infostände in Rosenheim der AfD keine Plus-Punkte verschafft haben – ganz im Gegenteil: Womöglich hat sich inzwischen der ein oder andere Protestwähler, der noch bei Landtags- und Bundestagswahlen der AfD sicher war, eines Besseren besonnen. Um lieber, wenn er schon die CSU abstrafen wollte, sein Kreuz bei den Freien Wählern um Sepp Hofer zu machen. Wobei das Bedürfnis nach Protest in der Region überschaubar blieb: Trotz sechs Gegenkandidaten konnte Amtsinhaber Otto Lederer stattliche 45 Prozent auf sich vereinen. Ein komfortabler Vertrauensbeweis, mit dem es sich nun gut in die Stichwahl gehen lässt.

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