Bad Aibling – „Demo(kratie) gratis?“ – unter diesem Titel veranstaltete die LAG Mangfalltal-Inntal einen Wettbewerb für bürgerschaftliches Engagement.
Die LAG ist ein Zusammenschluss von 22 Gemeinden, die unter Beteiligung der Bürgerschaft und der lokalen sowie regionalen Akteure eine gemeinsame lokale Entwicklungsstrategie erarbeitet haben und diese nun unter Nutzung von Leader-Fördermitteln umsetzen.
Demokratie, Empathie und soziale Verantwortung
Für den Wettbewerb waren Projekte zu einem gemeinsamen demokratischen Verständnis für das Engagement in den LAG-Gemeinden gesucht. Gewonnen haben zwei Bad Aiblinger Projekte, die das Thema Demokratie, Empathie und soziale Verantwortung in den Mittelpunkt rücken. Es handelt sich um die Projekte „Kirchencafé der St.- Georg-Mittelschule“ und „Redeprojekt @unsichtbare_welt der evangelischen Kirche Bad Aibling“. Zur Preisverleihung im kleinen Sitzungssaal des Aiblinger Rathauses hieß Bürgermeister Stephan Schlier neben den Preisträgern auch seine Amtskollegen Stefan Adam (Schechen), Simon Hausstetter (Rohrdorf) und Matthias Jokisch (Brannenburg) sowie Aiblings Altbürgermeister Felix Schwaller willkommen.
„Die Demokratie hat uns als Regierungsform seit 80 Jahren Frieden und Wohlstand gebracht. Sie wird als selbstverständlich wahrgenommen, ist sie aber nicht“, konstatierte der Rathaus-Chef und führte weiter aus: „Sie ist auf der unteren Ebene unter Druck geraten.“ Dabei sollte das Engagement der Gemeinde- und Stadträte geschätzt werden. In seiner Laudatio stellte der LAG-Vorsitzende Simon Hausstetter fest: „Als LAG bekommt man vieles mit. Einiges ist gemeinde-spezifisch und manches zieht sich über alle Gemeinden hinweg.“ Es würden immer mehr Stimmen laut, die über einen Rückgang von ehrenamtlichem Engagement oder fehlende soziale Verantwortung klagten. So sei die Idee entstanden, mit einer positiven Botschaft nach außen zu treten und ein Zeichen für die Demokratie zu setzen. „Wir haben hier zwei ganz besondere Projekte, bei denen sich alle Beteiligten mit viel Herzblut und Engagement für ein gemeinsames demokratisches Verständnis einsetzen“, so Hausstetter. Die Jury konnte sich nicht entscheiden, welches der Projekte besser war, daher gibt es zwei erste Projekte.
Im Projekt „Kirchencafé der St.-Georg-Mittelschule Bad Aibling“ organisiert die Klasse VK 1 monatlich ein Frühstück im Gemeindesaal für die Gemeindemitglieder, die den Mittwochsgottesdienst besuchen. „Das Ziel dieses Projekts ist, Demokratie im Alltag zu üben. Das bedeutet, dass wir unsere Ideen einbringen, darüber sprechen, gemeinsam abstimmen und Kompromisse finden. Außerdem lernen wir, Verantwortung zu übernehmen und als Team zusammenzuarbeiten. So erfahren wir, wie man gemeinsam Entscheidungen trifft. Eine Demokratie funktioniert nur dann gut, wenn verschiedene Gruppen in der Gesellschaft miteinander reden und sich austauschen“, hieß es in der Beschreibung. Beim „Redeprojekt @unsichtbare_welt der evangelischen Kirche Bad Aibling“ möchte die Initiative #VerständigungsOrte der Kirche und der Diakonie „das Zusammenkommen der Verschiedenen“ ermöglichen. Sie möchte Raum schaffen, um sich über gesellschaftliche Themen auszutauschen – also Raum für gelebte Demokratie. Mit dem Projekt werden Akzente gegen Einsamkeit gesetzt. Jeder ist willkommen, jeder darf sprechen.
„Miteinander reden
heißt Brücken bauen“
Unterstützt wird das Projekt vom „Historischen Verein Bad Aibling und Umgebung“. Ort der „Handlung“ ist das Lichtspielhaus Bad Aibling, in dem zu Themen wie „Wie gehe ich mit Widersprüchen um?“, „Rechte, Grenzen und ihre Bedeutung (Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit)“ und „Warum ein Stück Tradition zurückkehren sollte“. Das Ziel: „Miteinander reden und zuhören heißt Brücken bauen“. Stadtpfarrer Markus Merz (evang. Kirche) regte gar ein künftiges „Joint venture“ zwischen den beiden Projekten an.
Übergeben wurden die mit jeweils 500 Euro dotierten Preise von Simon Hausstetter und Felicitas Leinfelder (beide LAG) an Lilly Unterseher und Resul Morina (St.-Georg-Mittelschule in Anwesenheit weiterer 15 Schüler und der Konrektorin Anabel Metz) und an Stadtpfarrer Markus Merz und Anneliese Wittkowski (Historischer Verein).