Hofübergabe als Schicksalsfrage für Landwirte

von Redaktion

Thema zog bei der Mitgliederversammlung des Maschinenrings zahlreiche Bauern an – Bilanz und neue Angebote

Rosenheim – Eigentlich sollten laut Anmeldeliste nur 140 Landwirte und Ehrengäste zur Mitgliederversammlung des Maschinenrings Rosenheim kommen, dann mussten aber der Nebenraum des Saals im Gasthofs „Höhensteiger“ geöffnet und zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden, um den rund 200 Besuchern Platz zu schaffen.

Grund für den Andrang war der Vortrag von Dr. Werner Pauker von der Anwaltskanzlei „Labbé und Partner“, wie aus den Gesprächen zwischen den Gästen hervorging. Der Rechtsanwalt sprach über ein Thema, das alle Landwirte zwar nur zweimal in ihrer Berufslaufbahn betrifft, dafür aber entscheidend für ihre Zukunft ist – die Hofübergabe.

Wichtigste Entscheidung
im Leben eines Landwirts

Diese hat laut Pauker „ein einfaches Ziel“, ist aber gleichzeitig die wichtigste Entscheidung im Leben eines Landwirts. Dabei gebe es nicht nur zwei Beteiligte, den Übergeber und den Übernehmer, sondern „viele Beteiligte mit Eigeninteressen“. Es sei daher wichtig, dass alle „die anderen verstehen“. Dafür müsse man sich gedanklich „in die Situation des anderen begeben“.

Wenn das ganze Vermögen oder ein Großteil davon übertragen wird, müsse zuerst eine genaue Bestandsaufnahme gemacht werden. Es sei schon vorgekommen, dass Teile davon, etwa Grundstücke oder Solaranlagen, vergessen worden sind, so der Experte.

Noch wichtiger ist laut Pauker die Festlegung der Gegenleistung, denn „hier spielt schon eher die Musik“. Es müsse klar geregelt sein, welche Wohnung der Übergebende künftig hat, wer Nebenkosten und Instandhaltung bezahlt und wie viel Geld er erhält. „Was passiert, wenn der Übergebende ausziehen will oder muss“, sei eine weitere Frage, die geklärt werden müsse, ebenso, ob der Verkauf von Grundstücken zulässig ist und ob der Erlös aus einem Verkauf in den Betrieb investiert werden muss. Auch die Abfindung weichender Erben müsse geregelt sein. Nicht zuletzt müsse ein Rückforderungsrecht gesichert werden, etwa für den Fall, dass etwas nicht Vorhersehbares eintritt, das eine Rückgabe sinnvoll erscheinen lässt. Gerade an das zum Zeitpunkt der Übergabe Undenkbare müsse gedacht werden, betonte der Experte, und es müsse sorgfältig geregelt werden, damit es nicht irgendwann zu Problemen komme, die den Bestand des Hofs gefährden.

Im Alltag der Landwirte steht die Düngeverordnung derzeit ganz oben auf der Liste der Prioritäten. Dies zeigt die Statistik der Beratungsabteilung des Maschinenrings. Diese hatte im abgelaufenen Jahr 441 Kunden. Gefragt ist auch Beratung zum digitalen Agrarbüro „MeinAcker“. Deshalb bietet der Maschinenring nun Schulungen an, an der Landwirte unabhängig von ihrem Kenntnisstand teilnehmen können. Eine Steigerung der Nachfrage verzeichnet auch der Abrechnungsservice. 2025 wurden 21.232 Abrechnungen für Landwirte gemacht, knapp 500 mehr als im Vorjahr.

Neu im Angebot der Betriebs- und Haushaltshilfe des Maschinenrings ist eine Alltagsbegleitung mit Betreuungs- und Entlastungsleistungen für pflegebedürftige Personen. Diese umfasst unter anderem die Begleitung beim Einkaufen und bei Spaziergängen, Vorlesen und Gespräche führen. Pflege- und Putzarbeiten gehören hingegen nicht zum Angebot. Insgesamt verzeichnete die Betriebs- und Haushaltshilfe im vergangenen Jahr 488 Einsätze, 35 mehr als im Vorjahr. Zur Bewältigung des steigenden Arbeitsvolumens sucht der Maschinenring, der derzeit sieben hauptberufliche und zwei nebenberufliche Arbeitskräfte hat, weitere Mitarbeiter. Sechs neue Dorfhelferinnen konnten bereits gewonnen werden.

Positiv entwickelt hat sich auch der Verrechnungswert der Leistungen. Er stieg in den vergangenen drei Jahren von 14,6 Millionen Euro auf knapp 16,5 Millionen Euro. Die Zunahme der Geschäftszahlen liegt laut Maschinenring-Geschäftsführer Florian Hötzelsperger allerdings zum Teil an Preissteigerungen.

Mitgliederzahl
ist gesunken

Trotz der steigenden Nachfrage nach Leistungen weist die Statistik auch eine negative Entwicklung auf. Die Mitgliederzahl ist in den vergangenen drei Jahren um 78 auf 2.652 gesunken, was einer Abnahme um knapp ein Prozent pro Jahr entspricht. Dies liegt laut Hötzelsperger am Strukturwandel in der Landwirtschaft: Es gebe immer weniger Höfe. Zur Stabilisierung der Mitgliederzahl können ab sofort „Austragler“ im Verein bleiben und Fördermitglieder eintreten.

Heuer plant der Maschinenring Rosenheim als Mitgliederreise einen Rad-Ausflug vom 11. bis 14. Juni über den Brenner zum Gardasee. Interessenten sollten sich bald anmelden, da maximal 34 Personen teilnehmen können. Weiter stehen in der Terminliste unter anderem eine Tagesfahrt zum Thema „Soziale Landwirtschaft“, der Besuch eines Freizeitparks und eine Studienreise nach Georgien und Armenien.

Nähere Infos dazu gibt es im Terminportal unter mr-ro-termine.de. Alfred Schubert

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