Jetzt geht es an die Vorbereitungen für die Landrats-Stichwahl

von Redaktion

Lederer und Hofer im Duell – Ergebnis in Rott zeigt, wie das Resultat noch gedreht werden könnte

Rosenheim – Eines der auffälligsten Ergebnisse der Kommunalwahl 2026 in der Region Rosenheim ist das von Rott am Inn. Wie nirgendwo sonst zeigte sich in der 4.000-Einwohner-Gemeinde, wie sehr ein Thema die Kommunalpolitik dominieren kann. Im Fall von Rott ist das der Streit um eine Flüchtlingsunterkunft. Viele Rotter nahmen Landrat Otto Lederer eine aus ihrer Sicht fehlgeleitete Verteilungspolitik übel.

AfD bleibt hinter
Erwartungen zurück

Ihr Vorwurf: Mit einer großen Unterkunft überlaste das Landratsamt das kleine Rott. Am Sonntag erteilten sie dem Landrat die Quittung: Nur 18 Prozent wählten den CSU-Kandidaten, 44,4 Prozent dagegen den Freie-Wähler-Kandidaten Sepp Hofer. Ziemlich genau eine Umkehr des Gesamtergebnisses, das für Otto Lederer 45,1 Prozent und für den Zweitplatzierten Sepp Hofer 18 Prozent aufweist.

Auffällig auch, dass die AfD vom Streit über Migration in Rott nicht in dem Maße profitieren konnte wie von ihr wohl erhofft. Landratskandidat Andreas Winhart holte mit 18,7 Prozent dort zwar sein bestes Ergebnis, blieb aber insgesamt weit vom Ziel „Stichwahl“ entfernt. Und Sepp Hofer wusste am Tag nach der Wahl sehr wohl, was er den Parteifreunden in Rott zu verdanken hatte – die Freien Wähler kanalisierten das Missvergnügen der Rotter an der Flüchtlingspolitik wirkungsvoller als die AfD. Erst im Februar 2025 sei der Ortsverband gegründet worden, sagte Hofer. Und zwar in enger Verbindung mit dem Protest gegen das Flüchtlingsheim: Der Rotter FW-Vorsitzende Nepomuk Poschenrieder sei auch bei der Initiative „Rott rottiert“ aktiv. „Die haben einen guten Job gemacht und sind in einem positiven Sinne überparteilich“, sagte Hofer.

Das eine große Thema für alle Gemeinden gibt es kaum bei einer Kommunalwahl, politische Grundsatzprogramme zählen weniger als bei anderen Wahlen. Wichtig sind die Themen vor Ort – und die Persönlichkeit des Kandidaten. Otto Lederer profitierte sicherlich vom Vertrauensvorschuss des Amtsinhabers. In Zeiten wie diesen eine Leistung, findet CSU-Kreisvorsitzender Klaus Stöttner. „Die Amtszeit war von schwierigen Situationen geprägt“, sagte er, von Problemen wie Corona, hohen Zahlen von Geflüchteten und der Diskussion über den Brenner-Nordzulauf.

Lederer wirbt für
Interesse an Stichwahl

Nicht nur vor diesem Hintergrund sei ein Ergebnis von 45 Prozent bei sieben Kandidaten hervorragend. „Ein super Vorsprung nach einem hervorragenden Wahlkampf“, sagte auch die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, die sich später beim Wahlabend im Landratsamt eingefunden hatte.

In seiner Heimatgemeinde Tuntenhausen gelangte Otto Lederer sogar auf 59,4 Prozent – ein Wert, mit dem er nach der Stichwahl am 22. März sicherlich gut leben könnte. Was die erste Runde angeht, äußerte er sich zufrieden. Die 45 Prozent bei so vielen Gegenkandidaten interpretiere er so, „dass der Weg, den wir mit allen Höhen und Tiefen der letzten sechs Jahre gegangen sind, schon der richtige war und auch von den Wählerinnen und Wählern so goutiert wird“. Man werde versuchen, insbesondere in den Stichwahl-Kommunen nochmals präsent zu sein und überhaupt für das Thema Landratswahl zu werben. Es sei schade, wenn die Beteiligung bei Kommunalwahlen geringer ausfalle als bei der Bundestagswahl, sagt Lederer. „Weil doch eigentlich die Kommunalpolitik das ist, was die Menschen vor Ort unmittelbar erleben.“

Sepp Hofer zog es nach dem Wahlabend in die Heimatgemeinde Halfing, wo er im Gemeinderat sitzt. Dort habe man noch gefeiert. Jetzt gehe es aber in die Vorbereitung auf die Stichwahl. Persönlich sei er ohnehin viel unterwegs, „aber wir wollen weiter auf Social Media präsent sein und Themen setzen“, sagt er. Einfach abwarten ist für keinen der beiden Stichwahlkandidaten eine Alternative. Schließlich ist die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl in der Regel schwächer. Wer da seine Wähler besser mobilisiert, hat am Ende die Nase vorn. Michael Weiser

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