Von Generation zu Generation

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Auf dem Heimweg vom freien Wochenende entdecke ich bei einer Einkehr in der Altöttinger Gnadenkapelle das Gemälde der heiligen Anna. Der Legende nach ist sie die Mutter von Maria und damit die Großmutter des Jesuskindes gewesen. Die innige Darstellung lässt mich in diesem Moment an meine eigenen beiden Großmütter denken. Zwei starke Frauen, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Die eine hat in harten Notzeiten mit Liebe und viel Fantasie elf wunderbare Kinder großgezogen. Die andere hat die traumatische Vertreibung ihrer Familie aus dem Sudetenland und den mittellosen Anfang in der neuen Heimat mit einem unerschütterlichen Gottvertrauen gemeistert. Sie hat in meiner Kindheit dadurch auch meine ersten Urerfahrungen im Glauben grundgelegt. Nun darf ich selber bereits vierfache Großmutter sein. Beim Blick auf das Gemälde der heiligen Anna beschäftigt mich die Frage, welche Erinnerungen meine Enkelkinder einmal haben werden. Die Erinnerung an eine Oma, deren Weg in mancher Hinsicht oft anders verlaufen ist? Die Großmutter Anna auf dem Bild in Altötting reicht Maria und dem Jesuskind einen Korb mit Brot für die symbolischen Grundbedürfnisse unseres menschlichen Lebens. Es ist Weitergabe des Lebens, der brotgewordenen Hingabe und die gegenseitige Hilfestellung von Generation zu Generation als bleibende Aufgabe. Meine Hoffnung ist, dass mir diese Weitergabe immer wieder gelingt und alle Kinder und Enkelkinder dieser Erde aus der Kraft dieser Erfahrungen leben dürfen: aus Hoffnung, Vertrauen und bedingungsloser Liebe.

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