Kommentar

Klimawandel im Kreistag

von Redaktion

Andreas Winhart blickte am Sonntag sogar mal kurz verärgert drein. Der bekannteste Politiker der AfD im Landkreis Rosenheim scheiterte am Ziel, in die Stichwahl ums Amt des Landrats zu gelangen. Überhaupt: Bei der Kommunalwahl ergatterte die AfD keinen prominenten Posten. Was die zunächst schlechte Laune am Wahlabend erklären dürfte.

Wer darüber frohlockte, freute sich zu früh. Denn in den Tagen nach der Wahl gewannen die Ergebnisse erst richtig Kontur. Man kann es so zusammenfassen: Die AfD verzeichnet im Landkreis Rosenheim große Geländegewinne.

AfD verdoppelt Zahl der Sitze

Vor allem im Kreistag. In diesem 70-köpfigen Gremium schnellt die Zahl der AfD-Kreisräte von vier auf zehn empor. Mit der Gruppe muss man rechnen. Nicht nur, was Politik, sondern eventuell auch was den Stil angeht.

Politischer Klimawandel: Seit ihrem Einzug in den bayerischen Landtag fällt die AfD durch Pöbeleien und Grenzüberschreitungen auf. Droht das nun dem Kreistag? Das wird auch von der CSU abhängen. Sie ist mit 25 Politikern vertreten, ist die stärkste Kraft, auch was das Profil ihrer Vertreter betrifft.

Nun hat die CSU besondere Verantwortung

Die CSU hat als stärkste Partei überhaupt mehr Verantwortung als andere Fraktionen. Auch was ihren guten Draht zur Landes- und Bundespolitik betrifft. Die AfD zehrt nicht von Anerkennung für konstruktive Arbeit, sie lebt vom Misstrauen gegen den Gesetzgeber. Etwa wegen Zumutungen wie dem Heizungsgesetz der Ampel.

Dazu kommt Bürgerfrust wegen Staatsversagens. So wie es sich im Niedergang der Bahn und der Verlotterung der Infrastruktur zeigt. Und im Verhältnis zu Städten, Gemeinden und Landkreisen, denen Bund und Länder in den vergangenen Jahren zu schwere Lasten aufgebürdet haben. Ob sich der Vormarsch der AfD im Landkreis Rosenheim fortsetzt, wird auch in München und Berlin entschieden.

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