Chiemsee – Es war eine ungewöhnliche Sitzung des Wahlausschusses der Gemeindeverwaltung Breitbrunn. Am Montagabend tagte der Ausschuss, um über den Ausgang der Wahl des Bürgermeisters der Gemeinde Chiemsee und das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Es muss ein aktiver
Rücktritt erfolgen
Amtsinhaber Armin Krämmer hatte als einziger Kandidat nicht die nötige 50-Prozent-Mehrheit erhalten. Dafür wurden insgesamt 56 handschriftliche Namen auf die Stimmzettel geschrieben. Die Genannten erhielten insgesamt fünf Stimmen mehr als Krämmer. Mit 23 Nennungen wurde der Name von Michael Lanzinger am häufigsten auf die Stimmzettel geschrieben. Wie es die Paragrafen vorschreiben, hat er nun die Möglichkeit, gegen Krämmer bei einer Stichwahl am Sonntag, 22. März, anzutreten.
„Herr Lanzinger ist am Montag von uns telefonisch unterrichtet worden und im Anschluss auch schriftlich. Er hat die Möglichkeit, bis heute 24 Uhr (Anm. der Red.: 10. März) von der Stichwahl zurückzutreten“, teilte Thomas Wagner, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, am späten Dienstagnachmittag den aktuellen Stand mit. Meldet sich Lanzinger nicht zurück, können Wagner und sein Team direkt die Stimmzettel drucken. Es muss also ein aktiver Rücktritt erfolgen. Rührt sich Lanzinger nicht, tritt er zur Wahl an.
Die Paragrafen schreiben auch vor, dass der Rücktritt nicht formlos per Mail erfolgen kann, sondern per Brief. Eine Hürde, wenn man wie Lanzinger auf der Fraueninsel lebt und der Briefkasten der Verwaltungsgemeinschaft, zu der die Gemeinden Breitbrunn, Chiemsee und Gstadt gehören, auf dem Festland ist.
Tritt Lanzinger von der Stichwahl zurück, muss das Landratsamt Rosenheim innerhalb von drei Monaten einen komplett neuen Wahltermin für den Bürgermeisterposten der Gemeinde Chiemsee festlegen.
„Für uns ist die Situation komplett neu, wir sind im Austausch mit dem Landratsamt Rosenheim und entscheiden Schritt für Schritt, wie es weitergeht“, erklärte Wagner gestern. Die Gesetze hatten Wagner und sein Team aber auch nicht alle im Kopf: „Natürlich schauen wir genau nach, was zu tun ist. Es ist alles in der Wahlordnung und dem Wahlgesetz geregelt.“ Auch das Medieninteresse ist groß, ein Fernsehteam verfolgte die Wahlausschusssitzung.
Lanzinger selbst von den
Nennungen überrascht
Laut Wagner war Lanzinger überrascht darüber, dass er in diese Situation geraten ist. Mehr konnte Wagner aus dem Gespräch mit dem möglichen Stichwahlkandidaten nicht herauslesen. „Noch hat er ja ein paar Stunden Zeit“, so der Verwaltungsleiter.
Im Gespräch mit dem OVB machte Lanzinger gestern klar, dass er sich noch nicht entschieden hat, ob er antritt oder nicht. „Ich habe bis 24 Uhr Zeit, die Zeit möchte ich mir nehmen“, sagte er am Telefon. Er versprach, am heutigen Mittwoch ausführlich mit der Redaktion zu sprechen. Bei Redaktionsschluss war es also noch spannend: Es stand noch nicht fest, ob ein Brief in der Nacht auf Mittwoch bei der Gemeinde eingegangen ist.