Frasdorf – Vor zwei Jahren gab die Regierung von Oberbayern grünes Licht für den sechsstreifigen Ausbau der A8 Rosenheim-Salzburg im Abschnitt zwischen Achenmühle und Bernauer Berg. Der Bund Naturschutz klagte gegen den Planfeststellungsbeschluss. Jetzt steht der Termin am Bundesverwaltungsgericht (BVG) fest: Am 25. August wird die Klage der Umweltorganisation in Leipzig verhandelt.
Klimaschutz zu
wenig berücksichtigt?
Bereits im Planfeststellungsverfahren nahmen Umweltvereinigungen zu Eingriffen in Natur und Landschaft sowie Gewässer- und Immissionsschutz Stellung. Ihre Einwände wurden geprüft – und soweit möglich – berücksichtigt. Für den Bund Naturschutz zu wenig: Der Klimaschutz werde nicht in der gebotenen Weise behandelt, hieß es in der Klagebegründung. Es werde „keinerlei Rücksicht auf den Flächen- und Klimaschutz genommen“. Der geplante Ausbau der A8 sei das „klimaschädlichste bayerische Projekt im Bundesverkehrswegeplan“, das noch nicht umgesetzt sei. Der Bau „solch überdimensionierter Straßenbauprojekte“ müsse gestoppt werden. Die Fahrbahnerweiterung auf sechs Spuren stelle „eine Katastrophe für die Tier- und Pflanzenwelt und den Flächen- und Gewässerschutz“ dar.
Genau diese Einwände werden nun in Leipzig überprüft. Für den 25. August ist die mündliche Verhandlung anberaumt. „Im Normalfall wird noch am Tag der mündlichen Verhandlung eine Entscheidung getroffen und verkündet“, erklärt eine Sprecherin des Bundesverwaltungsgerichts unter Vorbehalt, denn erst während der mündlichen Verhandlungen könnten sich eventuelle Fortsetzungstermine oder auch Verkündungstermine herauskristallisieren. Wird der Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern bestätigt, könnte der Ausbau der A8 also schon 2027 starten. Zum sechsstreifigen Ausbau des Abschnitts zwischen Achenmühle und Bernauer Berg gehören unter anderem auch der Umbau der Anschlussstelle Frasdorf und der Neubau der Prientalbrücke. Und alles genau zu der Zeit, in der die Deutsche Bahn die Strecke zwischen Rosenheim und Salzburg generalsaniert. Ist das Verkehrschaos in der Region damit vorprogrammiert?
Josef Seebacher, Sprecher der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH, beruhigt: „Der Verkehrsfluss auf der A8 soll während der Bauarbeiten sichergestellt werden.“ Zudem beginne jede Baumaßnahme mit umfassenden Vorbereitungen, unter anderem Baustelleneinrichtungen und Rodungen, um Baufreiheit zu schaffen. Die Besonderheit in Frasdorf: Die Autobahn soll im Ortsbereich weg von der Bebauung und weiter in den Berg gerückt werden. Zudem soll sie abgesenkt werden sowie in einem 590 Meter langen Tunnel – einer grünen Einhausung – verschwinden. Dieses Bauwerk soll so eingegrünt werden, dass es aus dem Ort kaum mehr wahrnehmbar ist, so Seebacher: „Das ist das Ergebnis des Planungsdialogs, die beste Lösung für Frasdorf und etwas Einmaliges.“ Um die „grüne Brücke“ in offener Bauweise erstellen zu können, müssen bei Ginnerting und östlich der Anschlussstelle Frasdorf zuerst Behelfsbrücken gebaut werden. Sie ist die zentrale Baumaßnahme, in deren „Windschatten“ alle anderen Arbeiten erfolgen. „Gegenwärtig finden die Baugrunduntersuchungen statt, um die genaue Dimensionierung der Gründung zu ermitteln“, so Seebacher. Pro Fahrtrichtung werden allein für den 590 Meter langen Tunnel etwa vier Jahre Bauzeit veranschlagt. Zuerst werde im Bereich des heutigen Waldstücks die Fahrbahn Richtung München neu gebaut, so der Autobahn-Sprecher. Während dieser Zeit könne der Verkehr auf der bestehenden Autobahn ungestört fließen. „Nur an den Übergangsbereichen könnte es zu zeitlich begrenzten Einschränkungen kommen.“ Ist die Fahrtrichtung München fertig, wird der gesamte Verkehr auf die neue Trasse verlegt und die Fahrtrichtung Salzburg gebaut.
Ähnlich ist der Ablauf an der Prientalbrücke. „Während eine neue Brücke in Fahrtrichtung München gebaut wird, kann der Verkehr auf der alten Trasse fließen“, so Seebacher. Sie wurde 2025 für fünf Millionen Euro „zwischensaniert“, um die Autobahn am Leben zu halten. Im Zuge des Autobahnneubaus wird auch dieses Bauwerk neu gebaut. Der Ersatzneubau der Autobahnbrücke bei Seehaus hat im Einvernehmen mit dem Bund Naturschutz schon 2025 begonnen.
Notoperationen an der alten Autobahn waren 2025 auch an der Eisenbahnbrücke bei Rohrdorf nötig. In diesem Jahr muss die Brücke über die Rohrdorfer Achen saniert werden. Für den Schutz des Chiemsees wurden Rückhaltesysteme am Bernauer Berg gebaut. „Wir bemühen uns darum, die Autobahn zu halten“, verdeutlicht Josef Seebacher den kritischen Zustand des 90-jährigen Bauwerks. Auf dem Abschnitt von München bis Rosenheim seien es primär die Bahnbrücke in Holzkirchen sowie die Brücken und der Stauknotenpunkt am Irschenberg, die Sorge bereiten.
An den grundlegenden Ausbauplänen im Abschnitt zwischen Achenmühle und Bernauer Berg hat sich seit 2024 nichts geändert. Die neue Trasse soll doppelt so breit wie die bestehende Autobahn werden. Zu den zwei Fahrstreifen pro Richtung kämen je eine weitere Fahrspur und ein Standstreifen hinzu. Die bisherige Breite pro Fahrtrichtung steigt von neun auf 14,50 Meter. Neu und großräumig gestaltet wird die Anschlussstelle Frasdorf.
„Die Lebenszeit dieser Autobahn ist abgelaufen. Baurecht für einen weiteren Neubau innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erhalten, ist nicht realistisch“, sagt Josef Seebacher. „Die Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiträume wären länger als die Restlebenszeit der Autobahn. Wir müssen die Probleme jetzt lösen.“
Dass die A8 künftig nur noch repariert werden könnte, lehnt die IHK Oberbayern ab. „Die Wirtschaft braucht beides: Laufende Reparaturen sichern den Betrieb der Autobahn und gewährleisten die Erreichbarkeit unserer Betriebe“, betont IHK-Verkehrsexperte Dr. Korbinian Leitner. Allerdings belasteten Gewichts- und Geschwindigkeitseinschränkungen die Qualität des Wirtschaftsstandortes, weil Transporte länger benötigten oder Umwege in Kauf nehmen müssten, was die Fahrtkosten in die Höhe treibe.
„Es braucht den
Neubau der A8“
Um den Standort attraktiv zu halten, brauche es den Neubau. Die Bundesautobahn A8 zwischen München und der Bundesgrenze bei Salzburg müsse auf acht oder sechs Fahrstreifen ausgebaut sowie fehlende Seitenstreifen ergänzt werden, so die klare Forderung der IHK. Der Lärmschutz müsse erweitert und Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität errichtet werden. „Die Wirtschaft in Bayern setzt auf das neue Infrastruktur-Zukunftsgesetz“, betont Leitner. Das Gesetz dürfe nicht aufgeweicht, sondern müsse zügig verabschiedet werden. „Der Ausbau der Autobahn ist für uns nicht verhandelbar, deswegen müssen die Verfahren dazu reformiert und vor allem vereinfacht werden.“ Dann könne zügiger geplant und früher gebaut werden.