Mit Fuchsbandwurm infiziert

von Redaktion

Der Fall einer alleinerziehenden Mutter aus Marquartstein sorgt für Aufsehen. Samantha Krause hat sich mit dem Fuchsbandwurm infiziert und steht vor einer lebensbedrohlichen Operation. Der Vorfall wirft Fragen auf, wie groß die Ansteckungsgefahr in der Region tatsächlich ist.

Marquartstein – Samantha Krause tauscht sich in einer privaten Whatsapp-Gruppe mit anderen Betroffenen über das Thema Fuchsbandwurm-Infektion aus. Über 30 Menschen aus Deutschland und Österreich sprechen dort über die Probleme mit dem Parasiten, der alveoläre Echinokokkose auslöst. Unerkannt kann die Krankheit das Leben kosten, mit starken Medikamenten kann sie derzeit aufgehalten, aber nicht geheilt werden. „Viele in der Gruppe sind inoperabel“, erzählt Samantha Krause. So gesehen hat die alleinerziehende Mutter der kleinen Lina (3) noch Glück, dass die Ärzte im Universitätsklinikum Regensburg eine Operation für möglich halten (wir berichteten). Nur so kann der Infektionsherd mit Fuchsbandwurm-Larven im Körper dauerhaft beseitigt werden. Die Leber von Samantha Krause ist in jedem Fall vom Parasiten angegriffen, dazu eine Vene, die ins Herz führt. Ins Gehirn hat es der böse Eindringling offenbar nicht geschafft, auch das passiert in einigen Fällen.

Natürlich hat sich Samantha Krause genau wie alle anderen Menschen in ihrer Fuchsbandwurm-Whatsapp-Gruppe gefragt, wie der Parasit in ihren Körper gelangen konnte. Eine verlässliche Antwort darauf hat sie nicht gefunden. „Bis die Leute etwas bemerken, kann es fünf bis 15 Jahre dauern. Es bleibt oft unerkannt, bis die Leute teils lebensbedrohliche Probleme bekommen“, erzählt Krause den OVB-Heimatzeitungen. Vielleicht sei es bei ihrer Ausbildung auf der Landwirtschaftsschule passiert, vielleicht einfach in ihrer Kindheit.

„Ich bin ein Wald- und Wiesen-Kind aus Reit im Winkl. Natürlich haben mir meine Eltern gesagt, dass ich im Wald nichts essen soll, was auf dem Boden wächst“, so die 29-Jährige. Infiziert hat sie sich trotzdem, auch wenn sie nicht im Forst oder der Landwirtschaft arbeitet, wo Infektionen wahrscheinlicher sind. Die Experten sind sich immer noch nicht komplett einig, wie genau die Übertragung vom Fuchs auf den Menschen funktioniert. Der Fuchsbandwurm ist ein maximal vier Millimeter großer Wurm, der im Darm seines Wirtstieres Fuchs lebt. Dort produziert das Tier permanent mikroskopisch kleine Eier, die Meister Reineke mit seinem Kot ausscheidet. Die Eier sind sehr kälteresistent und bleiben im Freien mehrere Monate überlebensfähig. Zur weiteren Entwicklung braucht es nun einen Zwischenwirt, der die Eier zum Beispiel über kontaminiertes Obst oder Futter aufnimmt. Oft sind das Mäuse oder andere kleine Säugetiere. Im Körper entwickeln sich die Eier dann zu Larven, die vor allem Leber, Lunge und Gehirn befallen. Genau das kann aber auch einen Menschen betreffen und lebensbedrohliche Probleme auslösen. (Quelle: leberhilfe.org)

Ob mit Fuchsbandwurm-Eiern kontaminiertes Essen die Hauptursache ist oder möglicherweise der enge Kontakt zu Katzen oder Hunden, die infizierte Mäuse verspeist haben, ist unklar. Sicher ist aber, dass die Zahl der Infektionen vor allem im Alpenraum auf niedrigem Niveau steigt. Etwa 40 bis 70 Infektionen jährlich sind es in Deutschland derzeit, die Dunkelziffer könnte deutlich höher liegen. Betroffen sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg – dabei steigt statistisch das Risiko, je mehr Füchse in der jeweiligen Region leben.

Muss man also in der Region Angst haben, das gleiche Schicksal wie Samantha Krause zu erleiden? Eine klare Antwort ist schwierig. Generell ist die statistische Gefahr einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm sehr gering, zudem wehrt das Immunsystem von gesunden Menschen den gefährlichen Erreger in den meisten Fällen ab. Generell ist es aber empfohlen, auf dem Boden wachsende Früchte – also zum Beispiel auch Zucht-Erdbeeren von den ab Mai viel bevölkerten Feldern zum Selberpflücken – vor dem Genuss zu waschen. Regelmäßig Hände waschen ist wichtig und darauf achten, dass kleine Kinder in Wald und Garten nicht ihre Hände in den Mund stecken. Als weitere Vorsichtsmaßnahme sollte man die Entwurmung seiner Haustiere nie vergessen. Angst ist aber sicher keine Option: Auch Samantha Krause hat einen Hund.

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