Rosenheim – In dieser Tragödie war der dringend Tatverdächtige schnell ermittelt: Der 54-jährige Mann alarmierte am frühen Morgen des 26. Februar telefonisch selbst die Polizei. Es war gegen 3 Uhr in der Früh, als er anrief. Man möge eine Streife schicken.
Auf die Frage nach dem Grund sagte er: Das werde man dann schon sehen. Als die Beamten an der angegebenen Adresse, bei einer Wohnung in der Nähe des Rosenheimer Bahnhofs, eintrafen, fanden sie eine 89-Jährige tot in ihrem Bett – es war die Mutter des Anrufers.
Der Mann gab gegenüber den Streifenbeamten an, seine Mutter getötet zu haben, wurde daraufhin vorläufig festgenommen und der Kriminalpolizei übergeben. Noch in der Dunkelheit des frühen Morgens begann die Spurensicherung ihre Arbeit. Die Staatsanwaltschaft ordnete außerdem eine Obduktion der Verstorbenen an. Der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl wegen Mordes. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Die Sache scheint also so weit klar zu sein. „In dem genannten Fall hat der Beschuldigte den Sachverhalt weitgehend eingeräumt“, sagt auch Gunther Scharbert von der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim. Erledigt ist die Arbeit der Kripo aber noch lange nicht. „Der genaue Ablauf der Tat und die Hintergründe sind natürlich noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, sagt Scharbert. Brachte der Mann seine Mutter um, während sie schlief und sich nicht wehren konnte? Hatte er die Tat von langer Hand vorbereitet? Polizei und Staatsanwaltschaft gehen zumindest davon aus, dass die 89-Jährige mit keinem Angriff gerechnet hatte. Des Weiteren halten sich die Ermittler mit Informationen zurück; es geht darum, mögliches Täterwissen nicht mit Informationslecks zu verderben. Nur so viel: Der Ermittlungsrichter gab im Haftbefehl für den 54-Jährigen das Mordmerkmal der Heimtücke an. Ob sich der Vorwurf erhärten lässt, erst recht, ob das Gericht dem folgt: alles noch offen.
Die rechtliche Einordnung sei noch Gegenstand des laufenden Verfahrens, sagt Scharbert. „Es ist damit zu rechnen, dass die Ermittlungen noch einige Monate in Anspruch nehmen werden.“ Gutachten müssen noch abgewartet werden.
Michael Weiser