Bruckmühl – In der Straße „Am Eichpold“ zwitschern Vögel, die ersten Knospen sprießen in den umliegenden Gärten. Nur ein letztes Überbleibsel lässt erahnen, welch dramatische Szenen sich dort am Wochenende abgespielt haben. Ein rot-weißes Absperrband der Polizei hängt noch an einem Zaunpfosten an der Einfahrt zum Anwesen eines ehemaligen Ehepaares. Die 71-jährige Frau wurde tot in einem Bach gefunden – der Mann gefesselt und schwer verletzt in einer Münchner Wohnung.
Großaufgebot
von Ermittlern
Von dem Großaufgebot an Polizei, SEK, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Wasserwacht bekamen am Samstag zwar nicht alle Bruckmühler etwas mit, die Gewalttat ist aber Gesprächsthema. Zwar reagieren alle Bewohner sehr zurückhaltend, niemand möchte sich äußern, sie zucken mit den Schultern oder schauen betreten weg. Dennoch ist spürbar, wie sehr das Geschehen die Menschen beschäftigt. Ganz unausgesprochen bleibt das Thema allerdings nicht. Beim Bäcker etwa sorgt der Fall durchaus für Gesprächsstoff, bestätigt eine Verkäuferin. Der Tenor der Kunden sei dabei meist derselbe: „Dass so etwas bei uns in Bruckmühl passiert.“
Dass der Mordfall die Menschen im Ort bewegt, bekommt auch Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter mit. „So etwas bei uns im beschaulichen Bruckmühl“, sagt er. Die Straße liegt auf seiner täglichen Fahrradstrecke. Dort habe er diese Woche mit den Anwohnern über das Geschehen gesprochen. Zwar habe niemand geweint, doch spüre man deutlich, wie sehr der Fall die Menschen mitnehme. „Die Leichtigkeit im Ort ist dahin“, so Richter. Das Paar habe er weder persönlich gekannt noch vom Sehen oder aus Vereinen.
Am Samstag, 7. März, hatten sich Nachbarn des Paares bei der Polizei in Bad Aibling gemeldet. Sie berichteten, dass sie die 71-Jährige und ihren 82-jährigen Ex-Mann schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hätten. Daraufhin überprüften Beamte das Anwesen der beiden Senioren. Dabei entdeckten sie im Triftbach, der unmittelbar am Grundstück vorbeifließt, eine weibliche Leiche. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um die 71-jährige Bewohnerin des Hauses handelte.
Da die Einsatzkräfte Geräusche aus dem Haus wahrnahmen und eine mögliche Gefährdung nicht ausschließen konnten, wurden Spezialeinsatzkräfte angefordert. Im Gebäude selbst fanden die Beamten weder den 82-Jährigen noch andere Personen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, stammten die Geräusche letztlich von einem eingeschalteten Fernseher. Am Sonntag, 8. März, rückten Spezialeinsatzkräfte schließlich zu einer Wohnung im Münchner Stadtteil Ramersdorf aus. Dort trafen die Beamten auf den 82-jährigen Bruckmühler – gefesselt und schwer verletzt. Der Senior wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der behandelnden Ärzte hat sich sein Zustand inzwischen stabilisiert. Eine Vernehmung war bislang jedoch noch nicht möglich. Der 42-jährige Wohnungsinhaber gilt als dringend tatverdächtig und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.
Wohl kein
Verwandtschaftsverhältnis
Zur weiteren Aufklärung der Tat hat die Kriminalpolizei Rosenheim die Sonderkommission „Bach“ eingerichtet. Zu einem möglichen Motiv äußern sich die Ermittler bislang nicht. Bekannt ist lediglich, dass der Tatverdächtige und das frühere Ehepaar einander gekannt haben sollen – eine familiäre Beziehung bestand jedoch offenbar nicht.