Rosenheim – „Vielen Dank, dass ich zu Ihnen kommen darf.“ Alexander Dobrindt sagt das mit einem fröhlichen Lachen, man nimmt ihm die gute Laune ab, obschon er eine lange Fahrt hinter sich hat. Gerade noch war er in Rheinland-Pfalz, bayerische Politiker sind zunehmend auch wieder in anderen Bundesländern gefragt.
Mit der Dienstlimousine
und nicht mit dem Flieger
Dobrindt hat dort für Gordon Schnieder getrommelt, der hat gute Chancen, für die Konservativen Ministerpräsident zu werden. Der Weg hinunter nach Rosenheim war ein weiter. Pilotenstreik, nichts war’s mit Fliegen. Dobrindt ist mit der Dienstlimousine gekommen. Auch in Rosenheim will er werben. Für Oberbürgermeister Andreas März, für Landrat Otto Lederer. Beide stellen sich am 22. März der Stichwahl: März gegen den SPD-Herausforderer Abuzar Erdogan, Lederer gegen den Freien Wähler Sepp Hofer. Politik für die, „die unser Land nach vorne bringen“ – deswegen steht Dobrindt nun im „Franz am Wiesntor“ auf dem Podium. Der Bundesinnenminister verschanzt sich nicht hinter dem Rednerpult, er steht ganz vorn, an der Kante. Fast fürchtet man ums Gleichgewicht des Gastes. Doch der macht seinen Standpunkt schnell klar. „Der Andi und der Otto, die stehen auf der richtigen Seite“, sagt er. Die richtige Seite, das ist für Dobrindt Politik für diejenigen, „die unser Land nach vorne bringen, das sind der Mittelstand, die Handwerker, die Selbstständigen.“
Er preist den Wert des Machens. „Morgens aufstehen, Ärmel hochkrempeln, sich um die Arbeit kümmern, nachher um die Familie – nur so kriegt man Probleme gelöst.“ Dobrindt erhält viel Beifall. Für seine Ansage an Terror und Hetze, gleich welcher Couleur: „Jeder Extremist ist Mist.“ Ebenso für seine Ansage an Gesetz und Ordnung. „Humanität und Ordnung, das ist der Maßstab, mit dem wir Politik machen wollen“, sagt er. Doch sei die Ordnung in den vergangenen Jahren schlicht nicht mehr gegeben gewesen. „Deswegen legen wir Wert darauf, die Ordnung wiederherzustellen.“ Andererseits wäre es auch überraschend, wenn Dobrindts Botschaft hier nicht ankäme. Die allermeisten Menschen im Saal – 120 werden es sein – hatte die CSU selbst eingeladen. Dobrindt kann sich kurzfassen, weil er weiß, dass hier niemand überzeugt werden muss. Vielleicht nur aufgerüttelt, weil er den CSU-Sieg in der Stichwahl für einen Selbstgänger hält. „Am Schluss hängt alles an der Mobilisierung“, sagt Dobrindt, der nicht müde wird, die beiden CSU-Amtsinhaber aus Rosenheim zu loben. Dobrindt ist eine gute Wahl für eine Endspurtparty. Seine Sympathiewerte sind gut, einige seiner Themen interessieren in Rosenheim nicht weniger als in Berlin. Die illegale Integration sei stark zurückgeschraubt, das Aussetzen des Familiennachzugs bei subsidiär Geschützten und das Ende der Turbo-Einbürgerung nennt er als weitere Leistungspunkte. Rechtsbeistand für Leute in Abschiebehaft, wie unter der vorigen Regierung eingeführt? Widersinnig. Was Landrat Lederer, zusammen mit Andreas März für die finale Talkrunde von der Rosenheimer Bundestagsabgeordneten und Dobrindts Staatssekretärin Daniela Ludwig aufs Podest gebeten, dankbar aufnimmt. „Das ist nicht so besonders human, was wir da machen“, habe er sich gedacht, sagt Landrat Lederer über die Enge in den Sporthallen, in denen die Flüchtlinge untergebracht wurden. „Deswegen bin ich so gottfroh, dass die Zahlen zurückgegangen sind.“
Auch Andreas März kann sich an die Zeit der vielen Geflüchteten erinnern, sieht Kommunen an der Grenze der Leistungsfähigkeit: „Das kann mit Migration so nicht funktionieren.“ Auch sein zentrales Thema scheint bei Dobrindt gut aufgehoben – Sicherheit. „Das Fundament unserer Lebensqualität sind Sicherheit und Ordnung und wirtschaftliche Stärke“, sagt März. Wenn man Sicherheit und Ordnung nicht gewährleisten kann, „dann geht die Lebensqualität runter.“
Es haben beide geliefert, sagt Daniela Ludwig am Ende, als sie Dobrindt um ein paar letzte Worte bittet; beide hätten die Wiederwahl verdient. Dobrindt spricht also nochmals. Vom Menschlichen in der Politik, vom guten Kontakt zu Daniela Ludwig und den Landtagsabgeordneten in Rosenheim. „Politiker sollten sich durch etwas auszeichnen, das man nicht überall findet“, schließt er.
Verlässlichkeit
als Haltung
„Es geht viel um Haltung.“ Die Haltung von März und Lederer vermittle Verlässlichkeit. „Da kann ich mich darauf verlassen, da sind ein Oberbürgermeister und ein Landrat, die mein Bestes wollen.“ Es ist ein engagierter Appell gewesen. Ob die Wähler von ihm gehört haben, werden sie am 22. März zeigen.
Michael Weiser