Rosenheim/Westerndorf St. Peter – Moderne Milchviehhaltung und ein breites Weiterbildungsangebot haben die Versammlung des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung im Gasthaus Höhensteiger geprägt. Josef Grandl, Vorsitzender des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung, begrüßte dort zahlreiche Ehrengäste aus Politik und aus den landwirtschaftlichen Verbänden im Landkreis, wie aus einer Mitteilung hervorgeht.
Weiterbildung als Pflicht
und Verantwortung
Landrat Otto Lederer hob in seinem Grußwort hervor, Rosenheim könne im Bereich der Land- und Hauswirtschaft nicht nur eine funktionierende Berufsschule, sondern auch eine gute Landwirtschaftsschule vorweisen. Die Weiterbildung sah er als Pflicht. Dafür gebe es mit dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung eine eigene Organisation, die die Fortbildung für ihre Mitglieder organisiere und die Studierenden in der Ausbildungszeit unterstütze. Dafür bedankte er sich nach eigenen Angaben ausdrücklich, auch im Namen des Landkreises. Der Landtagsabgeordnete Sepp Lausch, selbst ehemaliger Landwirtschaftsschüler, gratulierte dem Verband zu seinem „tollen“ Programm.
Behördenleiterin Anna Bruckmeier stellte in ihrer Funktion als Geschäftsführerin die letztjährigen Aktivitäten des Verbandes vor. Neben Großveranstaltungen wie Milchviehtag, Pflanzenbautag, Almtag und der traditionellen Betriebsbesichtigung am Kirchweihmontag, 20. Oktober, organisierte der Verband mehrere Lehrfahrten im In- und Ausland, unter anderem eine Flugreise nach Portugal und eine Fahrt in die Schweiz. Eintageslehrfahrten, Diskussionsabende in der Landwirtschaftsschule und zwei große Bälle rundeten das Programm ab.
Der Kassier Thomas Stacheter erläuterte die Finanzen des Vereins. Bei dem vielfältigen Angebot des Verbandes seien die bisherigen zehn Euro Jahresbeitrag nach seinen Angaben nicht mehr kostendeckend. Der Vorsitzende Sepp Grandl begründete die geplante Erhöhung des Mitgliedsbeitrags zudem mit der Verdoppelung der Abgaben an den Landesverband. Die Versammlung folgte dem Vorschlag und sprach sich einstimmig für die Erhöhung des Beitrages von zehn auf 15 Euro aus.
Höhepunkt der Versammlung war der Bericht der Studierenden Katharina Lechner aus Unterlaindern, Magdalena Gilg aus Aßling und Thomas Bacher aus Reischenhilgen über die Lehrfahrt „happy cows – happy farmer“ im vergangenen November in die Schweiz, die vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung organisiert worden war. Mit dem Milchkuhexperten Christian Manser, der sich selbst als Fachmann für Kuhsignale bezeichnet, besichtigten sie neun Milchviehbetriebe im Kanton St. Gallen. Bei der Beurteilung des Kuhkomforts in einem Stall wurden die Studierenden mit zwei Leitfragen konfrontiert: Wie kommt die schwächste Kuh im Stall zurecht und möchten Sie Mitarbeiter auf diesem Betrieb sein. Auffällig war nach Angaben der Referenten, dass nur noch total offene Außenklimaställe empfohlen werden und im Sommer Lüfter zur Abkühlung eingesetzt werden. Auch die Kälber fühlten sich draußen wohl, das Jungvieh werde meist an spezialisierte Aufzuchtbetriebe abgegeben. Die Summe aus vielen Kleinigkeiten entscheide darüber, ob sich die Kuh im Stall wohlfühle. Die Tiere liegen in komfortablen Boxen meist auf einer Strohmist-Matratze, um den unterschiedlichen Maßen der Tiere gerecht zu werden, sind flexible Abtrennungen im Einsatz. Eine Kuh müsse möglichst viel Freiheit beim Fressen, Gehen und Liegen haben. Großer Wert werde auf eine ausgefeilte Technik gelegt.
Automation ist im Stall
derweil Standard
Automatisches Füttern, Melken und Misten sei in den besichtigten Betrieben zum Standard geworden. Zur Gesundheit der Tiere gehöre zudem eine schonende Klauenpflege, die mehrmals im Jahr durchgeführt werde. Die Leiter der jeweiligen Betriebe wurden laut Bericht als visionär, technikbegeistert, wissenschaftsorientiert, innovativ und ökonomisch ausgerichtet beschrieben.
Die Betriebe hielten zwischen 16 und 75 Milchkühe mit einer durchschnittlichen Herdenleistung der milchbetonten Rassen zwischen 9.000 und 13.000 Kilogramm. Meist verfügten sie über mehrere wirtschaftliche Standbeine.
Der Vortrag der Studierenden wurde im Saal intensiv diskutiert. Besucher, die vor Kurzem selbst einen Stall gebaut hatten, bestätigten die geschilderten Erfahrungen aus der Schweiz. Nach Einschätzung der Versammlung wird die Lehrfahrt die Arbeit mancher Milchviehhalter im Landkreis nachhaltig beeinflussen.
Zum Abschluss der Veranstaltung ehrte der Verband mehrere Mitglieder für 40 Jahre treue Mitgliedschaft.
Wolfgang Hampel