Rosenheim – Sei es nun der Brenner-Nordzulauf oder die Unterbringung von Geflüchteten im Landkreis: Auch in den kommenden sechs Jahren wird der künftige Rosenheimer Landrat anspruchsvolle Themen vor der Brust haben. Doch womit wollen sich die beiden Kandidaten, die am Sonntag, 22. März, zur Stichwahl stehen, als Erstes beschäftigen? Und was ist ihnen wichtiger: der Schutz der Heimat oder die Region als Wirtschaftsstandort? Das beantworten der amtierende Landrat Otto Lederer (CSU) und sein Herausforderer Sepp Hofer (Freie Wähler). Beiden wurden die gleichen drei Fragen gestellt.
Wenn Sie morgen Ihr Amt antreten würden: Welches konkrete Projekt im Landkreis Rosenheim setzen Sie innerhalb der ersten 100 Tage um?
Hofer: Die ersten 100 Tage sind Analyse-Tage. In dieser Zeit verschaffe ich mir einen klaren Überblick über Strukturen, Finanzen und laufende Projekte im Landkreis. Mir ist wichtig, dass Entscheidungen im Landratsamt nicht über die Köpfe der Gemeinden hinweg getroffen werden. Deshalb würde ich sofort feste Austauschformate etablieren – persönlich und digital – mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Stadt- und Gemeinderäten. Genauso wichtig ist mir der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern: regelmäßige Bürgersprechstunden und Bürgerversammlungen. So erfahre ich schnell, wo vor Ort der Schuh drückt, bekomme einen realistischen Überblick über die Lage im Landkreis – und kann auf dieser Grundlage klare und nachvollziehbare Entscheidungen treffen beziehungsweise mein zukünftiges Handeln danach ausrichten und Projekte priorisieren. Die Bürgerinnen und Bürger werden schnell merken, dass sie gehört werden und Entscheidungen aus dem Landratsamt dadurch nachvollziehbarer, näher an den Menschen und besser für die Realität vor Ort ausgerichtet sind.
Lederer: Das Amt des Landrats ist kein 100-Tage-Sprint, sondern ein Marathon. Ich führe unseren Landkreis mit Weitblick und werde deshalb auch in den ersten 100 Tagen an meine bewährte erste Amtszeit anknüpfen: zukunftsweisende Investitionen in unsere Schul- und Bildungslandschaft, beste medizinische Versorgung, verbesserte Verkehrsbedingungen, eine starke Wirtschafts- und Landwirtschaftspolitik. Zudem soll unser Landkreis der sicherste in der Region bleiben. Dafür möchte ich in den nächsten sechs Jahren mit ganzer Kraft arbeiten.
Was hat für Sie im Zweifelsfall Vorrang: der kompromisslose Schutz unserer Heimat und Landschaft oder der Ausbau der Infrastruktur, um Rosenheim als starken Wirtschaftsstandort zu sichern?
Lederer: Ich denke, mich zeichnet aus, dass ich immer versuche, beide Seiten bestmöglich unter einen Hut zu bekommen. Natürlich müssen wir weiter daran arbeiten, unsere Infrastruktur stetig den sich ändernden Bedürfnissen anzupassen. Dazu gehört aber auch, bei Projekten wie dem Brenner-Nordzulauf dafür zu kämpfen, das Bestmögliche für die Menschen und die Region zu erreichen. Was wir sicher brauchen, ist ein starker Wirtschaftsstandort, damit die Menschen bei uns vor Ort attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze haben und es ihnen gut geht. Das alles muss aber im Einklang mit unserer einzigartigen Natur und der Bewahrung unserer Heimat erfolgen. Das macht uns und unsere Lebensqualität im Landkreis Rosenheim aus.
Hofer: Beides gehört zusammen. Wirtschaftliche Entwicklung darf nicht gegen unsere Heimat ausgespielt werden. Mein Ansatz ist: Infrastruktur mit Augenmaß ausbauen und gleichzeitig unsere Landschaft schützen. Wir müssen vorhandene Strukturen besser nutzen, modernisieren und gezielt ausbauen, statt immer neue Flächen zu verbrauchen. Unser Landkreis ist stark, weil Wirtschaftskraft und Lebensqualität zusammenkommen – genau dieses Gleichgewicht müssen wir erhalten. Es muss in meinen Augen immer geprüft werden, ob der Bedarf seitens der Bürgerinnen und Bürger tatsächlich vorhanden ist, ob die Kosten-Nutzen-Analyse stimmt und ob es kostengünstigere und umweltschonendere Alternativen gibt, die den Bedarf besser decken. Das Beispiel Brenner-Nordzulauf zeigt das deutlich: Der Bedarf ist bis heute nicht überzeugend nachgewiesen. Gleichzeitig würde der Bau von Gleis 3 und 4 rund 1200 Fußballfelder unserer Heimat zerstören. Landwirte verlieren Flächen und damit ihre Existenzgrundlage, während die Kosten in Milliardenhöhe liegen. Würde man stattdessen die Bestandsstrecke München – Mühldorf – Freilassing nach Neubaustandard modernisieren und ausbauen, könnten wir zusätzliche Kapazitäten schaffen, den Güterverkehr bewältigen und den Brennerkorridor entlasten – ohne neue Schneisen durch Landschaft, Landwirtschaft und Ortschaften.
Was unterscheidet Sie in Ihrem Führungsstil am stärksten von Ihrem Mitbewerber – und warum ist genau dieser Stil jetzt der richtige für den Landkreis?
Hofer: Ich höre zuerst zu – bei Bürgern, Gemeinden, Städten und Fachleuten – und treffe dann klare und transparente Entscheidungen, für die ich Verantwortung übernehme. Dabei bin ich offen für neue Ideen, und regelmäßiges Feedback ist mir wichtig. Gerade Themen wie Asylpolitik oder der Brenner-Nordzulauf zeigen: Unser Landkreis braucht jetzt mehr Bürgernähe, mehr Transparenz und praktische Lösungen – statt Politik aus der Distanz und Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg. Als Landrat verstehe ich mich nicht als One-Man-Show, sondern als jemand, der gemeinsam mit den Verantwortlichen in Städten und Gemeinden unseren Landkreis weiterentwickelt und voranbringt. Das funktioniert nur auf Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Bürgernähe basiert.
Lederer: Der Führungsstil von Sepp Hofer ist mir nicht genau bekannt. Mein Führungsstil ist stets sachlich, geprägt von Fachwissen und langjähriger Erfahrung als Bürgermeister, Landtagsabgeordneter und Landrat. Ich will die Verwaltung weiterentwickeln und die Digitalisierung im Amt ausbauen. Mir ist es wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie aktiv mitzunehmen und letztlich klare und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen.
Patricia Huber