Rosenheim/Landkreis – Es war ein erbitterter Wahlkampf. In sechs Städten und Gemeinden kam es am 22. März zur Stichwahl. Und auch bei der Landratswahl Rosenheim ist eine Entscheidung gefallen. Und der Wahlabend war an Spannung wohl kaum zu überbieten. Denn in der Region zeichneten sich einige Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Und ein paar riesige Überraschungen – zum Leidwesen der CSU.
Der größte Schmerzpunkt dürfte wohl die Oberbürgermeisterwahl in Rosenheim sein. Denn dort unterlag der bisherige Amtsinhaber Andreas März von der CSU seinem SPD-Gegenkandidaten Abuzar Erdogan. Ein historischer Sieg, den März so nicht habe kommen sehen, wie er am Abend seiner Niederlage zugab.
Erdogan hingegen zeigte sich überwältigt von seinem Sieg, den er mit 53,4 Prozent der Stimmen holte. Nach über 60 Jahren hat sie SPD nun den Chefsessel im Rosenheimer Rathaus wieder inne. Es sei ein „großartiger Mannschaftserfolg“, freute sich Erdogan.
Auch in Bad Aibling gibt es nach einem engen Rennen eine Neuerung an der Spitze – und auch dort musste sich der amtierende CSU-Bürgermeister Stephan Schlier (47,9 Prozent) geschlagen geben.
Die Siegerin Kirsten Hieble-Fritz (FW/ÜWG, 51,8 Prozent) zeigte sich überwältigt von ihrem Ergebnis. „Ich freue mich wahnsinnig über das Ergebnis und die große Unterstützung“, sagte Kirsten Hieble-Fritz, die zugleich dem bisherigen Amtsinhaber Respekt zollen wollte. Der Wähler habe den Wunsch nach einem Richtungswechsel kundgetan und werde diesen nun bekommen, sagte sie. Sehr eindeutig gegen den CSU-Kandidaten entschieden haben sich auch die Kolbermoorer.
Denn dort holte Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) mit 78,1 Prozent der Stimmen den ganz deutlichen Sieg. Damit wurde der 41-Jährige seiner Favoritenrolle gerecht und sorgte für eine weitere CSU-Niederlage, die dort sein Gegner Leonhard Sedlbauer einstecken musste. Rothmayer, erleichtert und sichtlich berührt.
„Mich freut besonders, dass ich wirklich so einen Zuspruch bekommen hatte“, so der künftige Bürgermeister. Sedlbauer zeigte sich ob des Auszählungsergebnisses „absolut entspannt“, nachdem „ich mit diesem Ergebnis ja schon gerechnet habe“.
In die CSU-Verliererliste reihte sich auch Hubert Estner aus Brannenburg ein. Er verlor in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt zwar gegen Christian Zweckstätter (Junges Dorf Brannenburg, 55,6 Prozent), nimmt die Niederlage aber durchaus gelassen an. „Das passt schon so“, bilanzierte Estner direkt nach der Bekanntgabe der Ergebnisse. Der Sieger gab sich erleichtert, dass die stressige Wahlkampfzeit nun vorbei sei: „Ich bin froh, dass es nun entschieden ist.“
Froh, dass es nun entschieden ist, dürfte auch Franziska Pfaffenhuber (Freie Wähler) sein. Sie konnte das Rennen in Raubling recht deutlich für sich entscheiden. Und das, obwohl sich im ersten Wahlgang eigentlich eine sehr knappe Entscheidung angedeutet hatte.
Beim ersten Wahldurchgang bekam Linnerer 1615, Pfaffenhuber 1614 Stimmen. Für beide Kandidaten, die damit auf jeweils 44,5 Prozent aller Stimmen kamen, war damit im Vorfeld alles offen. Doch bei der Stichwahl ergab sich ein vollkommen anderes Bild. Pfaffenhuber sammelte 3.412 (61,6 Prozent), Linnerer lediglich 2.129 (38,4 Prozent) aller abgegebenen Stimmen. Somit hat Raubling zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Gemeinde. Eine Wende – ebenfalls zum Leidwesen des CSU-Kandidaten – gab es in Rimsting. Christian Moser (UWG) schlug im Finale mit 52,9 Prozent der Stimmen Thomas Schuster (CSU), der auf 47,1 Prozent kam.
Zwei Wochen zuvor hatte Schuster wegen eines Vorsprungs von über neun Prozentpunkten (45,4 Prozent zu 36,1 Prozent) noch wie der sichere Sieger in diesem Duell ausgesehen. Aber in Rimsting herrschte nach dem Abschied von CSU-Bürgermeister Andreas Fenzl ganz offenbar der Wunsch nach Veränderung.
Patricia Huber