CSU-Bastionen im Landkreis wanken

von Redaktion

Die CSU muss nach der Kommunalwahl im Landkreis Rosenheim ihre Wunden lecken. Es hätte für die Partei sogar noch schlimmer kommen können. Denn die Stichwahl um das Amt des Rosenheimer Landrats verlief enger als erwartet – mit auffälligen Ausreißern in der Statistik.

Rosenheim – Die Erleichterung bei der Rosenheimer CSU war am Sonntagabend gegen 19 Uhr hörbar: Mit 53,4 Prozent der Stimmen hatte Amtsinhaber Otto Lederer in der Stichwahl fürs Amt des Landrats die Nase vorn. Auf 46,6 Prozent kam sein Herausforderer, Vize-Landrat Sepp Hofer von den Freien Wählern. Ein nicht gerade deutlicher, aber doch komfortabler Vorsprung. Oder?

Hofer machte einen
Riesensatz nach vorn

Beim genaueren Blick auf das Zahlenwerk jenes bemerkenswerten Wahlabends fällt auf, wie knapp das Ergebnis tatsächlich war. Kurz gesagt: Sepp Hofer gelang von der Verfolgerposition aus ein Riesensatz nach vorn. Er konnte in manchen Gemeinden sein Ergebnis nicht nur einfach steigern – er vervielfachte den Anteil der Stimmen mancherorts. Etwa in Aschau. Die Freien Wähler hatten in der ersten Runde dort 15,3 Prozent geholt. Nach der Stichwahl hatte sich ihr Anteil verdreifacht – auf 48 Prozent.

Ein Spitzenwert
für Hofer in Rott

In 19 von 46 Gemeinden des Landkreises erzielte Sepp Hofer mehr Prozent als der Amtsinhaber. Und in einigen Gemeinden musste er sich nur knapp geschlagen geben – etwa in Breitbrunn (49,5 Prozent). Am 8. März hatte er lediglich in Rott am Inn mehr Prozente geholt als Lederer. Seinen Vorsprung dort baute er in der Stichwahl kräftig aus, und zwar auf 82,7 Prozent – Spitzenwert in dieser Stichwahl! Mit 17,2 Prozent landete Otto Lederer nochmals 0,8 Prozent unter dem Resultat von der ersten Wahlrunde am 8. März.

Denkbar wäre, dass in Rott vor allem AfD-Wähler in Ermangelung ihrer Alternative auf Sepp Hofer umgeschwenkt sind. Jedoch reichen die 14 Prozent vom AfD-Kandidaten Winhart aus dem ersten Wahlgang nicht, um die insgesamt über 38 Prozent Zuwachs für den Freien Wähler in der Stichwahl zu erklären. Vielmehr sieht es so aus, als ob auch viele Wähler der anderen Parteien – von den SPD-Sympathisanten über die Grünen bis zur Linken – ihr Kreuz neben Sepp Hofers Namen gemacht haben. Das heißt: wenn sie nicht gleich der Wahl fernblieben.

Lokale Probleme
schaden der CSU

Der Ärger um die Unterkunft für Geflüchtete könnte in Rott eine Großkoalition der Unzufriedenen geschaffen haben. Die Freien Wähler hatten sich in Rott ohnehin früh mit der Asyl-Debatte verbunden: Der Ortsvorsitzende der FW ist auch Sprecher der BI „Rott rottiert“.

Auch in anderen Gemeinden scheint lokaler Ärger die Wahl beeinflusst zu haben. Etwa in Frasdorf, wo sich der Hofer-Anteil auf 55,4 Prozent vervierfachte. Dort wie auch in anderen Autobahn-Anliegergemeinden spielte offenbar die Unzufriedenheit mit den Durchfahrtsverboten eine Rolle.

Die Stichwahl habe eigene Gesetze, sagte Landrat Otto Lederer nach dem entschiedenen Nervenkrieg am Sonntagabend zum OVB. Man müsse sich aber dennoch fragen, was man im Wahlkampf und überhaupt in den sechs Jahren zuvor falsch gemacht habe, sagte er. Und fügte die Beantwortung dieser Frage als Hausaufgabe für die Rosenheimer CSU hinzu: „Was müssen wir in den nächsten sechs Jahren besser machen, um die Wähler mehr von uns und unserer Politik zu überzeugen?“ In Bildung, Gesundheit und Infrastruktur sowie Sicherheit und Zusammenarbeit in der Bevölkerung sehe er für die nächsten Jahre die Schwerpunkte der Politik.

Desinteresse
an der Stichwahl

Erwartungsgemäß legte die Gruppe der Nichtwähler in der Stichwahl zu. Das Ausmaß des Desinteresses überrascht aber. Immerhin 65 Prozent waren noch am 8. März zur Wahl gegangen, etwa 137.000 von 200.000 Wahlberechtigten. Bei der Stichwahl am vergangenen Sonntag stürzte die Quote auf 44,5 Prozent ab. Hatten viele CSU-Wähler die ach so klare Wahl für Otto Lederer bereits abgehakt?

Die Begründung der CSU für diesen schwarzen Wahlabend mit Niederlagen in Rosenheim, Raubling, Rimsting, Brannenburg, Bad Aibling und Kolbermoor sowie dem blauen Auge in der Landrats-Stichwahl gewinnt damit Überzeugungskraft. Es sei nicht gelungen, die Wähler zu mobilisieren, sagte als einer von vielen der Rosenheimer CSU-Kreisvorsitzende Klaus Stöttner.

Dabei hatte die CSU eine Woche vor der Wahl noch zwei Schwergewichte der Partei nach Rosenheim eingeladen: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Ministerpräsident Markus Söder. Dobrindt sprach und warb für die Kandidaten in Stadt und Landkreis, Söder verteilte Döner.

An der Stimmen-Diät für die CSU in der Region Rosenheim konnten auch diese Auftritte offenbar nichts ändern.

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