In New York wurde Sophia Loren einmal von Einbrechern heimgesucht. Diese forderten ihre kompletten Juwelen, und so blieb der Schauspielerin nichts anderes übrig, als den Tresor zu öffnen und das Geforderte herauszugeben. Als sie später befragt wurde, ob sie über den Verlust sehr traurig sei, zuckte sie nur mit den Achseln und zitierte einen Spruch ihres Vaters: „Weine nie über Dinge, die nicht über dich weinen können.“ Eine einfache italienische Lebensweisheit, die mich nun schon eine Zeit begleitet. Im Leben müssen wir immer wieder loslassen.
Zu Ende gehende Lebensabschnitte, die Blüte unserer Jugend und Überzeugungen, die sich als nicht tragfähig erweisen. Das Loslassen von geliebten Menschen, die uns schwer enttäuscht haben oder durch den Tod auf die andere Seite des Lebens vorausgegangen sind, gehört zu den wohl schwersten Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben. Was zählen dagegen schon materielle Verluste, so sehr sie zunächst vielleicht schmerzen mögen? Auch sind viele oberflächliche Sorgen, mit denen wir uns quälen, im Nachhinein die ganze Aufregung gar nicht wert gewesen. Die Fastenzeit ist daher keine Zeit des Verzichts, weil uns der Glaube die Freuden des Lebens versagen will. Im Gegenteil, es ist eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und Grundlegende und damit eine Einübung ins Vertrauen, dass der Himmel uns bereits gut an unser Ziel führt. Wenn wir es zulassen. Den Weg dorthin, das wurde auch Sophia Loren damals klar, findet man ebenso oder vielleicht sogar noch besser ohne die Juwelen aus dem Tresor.