Rosenheim – Kurz vor 10 Uhr vormittags. Eine Schlange bildet sich vor dem BRK-Kleiderladen „Gutes aus Zweiter Hand“ in der Samerstraße in Rosenheim. Die Kunden hoffen beim Stöbern durch Kleidung, Schuhe, Tracht und Alltagsgegenstände auf nachhaltige Schnäppchen.
Der Durchschnitt sieht anders aus: Zwei Kilogramm Kleidung wirft jede Person jährlich in die Mülltonne. Eine Zahl, die für Landtagspräsidentin Ilse Aigner nicht sein muss. Daher unterstützte die BRK-Botschafterin als Schirmherrin den landesweiten Tag der Kleiderläden am gestrigen Dienstag und besuchte den BRK-Kleiderladen „Gutes aus zweiter Hand“ in Rosenheim.
Aus dem Kofferraum trägt sie neben Klamotten und Rollerblades auch ein blaues Kleid, das sie spendet: „Das Kleid ist schon im Schloss Schleißheim und in Bayreuth gewesen“ – nun soll es einer neuen Besitzerin Freude bereiten. Die Idee dahinter: ein funktionierender Textilkreislauf. Laut Hans-Michael Weisky, Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, können Kleidungsstücke problemlos mehrfach den Besitzer wechseln. So würden Müll reduziert und Ressourcen geschont. Bisher habe „Second Hand für viele damit zu tun, dass man in finanzieller Not ist“, sagt Weisky. „Aber das ist überholt, Second Hand ist im Trend und hat nichts mit dem Geldbeutel zu tun.“ Zwar sei die Auswahl nicht immer vollständig, dafür gebe es „individuelle Stücke mit individueller Geschichte“.
2002 eröffnete das BRK im Landkreis Rosenheim den ersten Kleiderladen, erklärt Freddy Eisner, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Rosenheim. „Damals war das ein finanzielles Risiko, heute ist es eine Erfolgsgeschichte.“
Inzwischen zählen die sechs Läden im Landkreis rund 60.000 Kunden jährlich. Mit den günstigen Preisen und Rabatten für Bedürftige leistet das BRK damit einen „Beitrag zur sozialen Absicherung“, so Eisner. Die Erlöse fließen in die sozialen Aufgaben des Kreisverbandes.
Ohne die Hilfe der vielen ehrenamtlich Tätigen seien die Kleiderläden jedoch nicht zu bewältigen. Es müsse sortiert, geprüft, ausgezeichnet, beraten und verkauft werden, zählt Eisner auf.
Darum bedankten sich Freddy Eisner, Hans-Michael Weisky und Landtagspräsidentin Ilse Aigner ausdrücklich für die vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden beim Team des Kleiderladens in Rosenheim. Auch für die Mitarbeiter sei es eine erfüllende Aufgabe, bei einem nachhaltigen Kreislauf mitzuwirken, so Hans-Michael Weisky. Und dennoch plädierte Ilse Aigner an alle Menschen, dass nicht für alles politische Gesetze gelten könnten: „Nachhaltigkeit liegt auch im Bewusstsein jedes Einzelnen.“ Jasmin Eiglmeier