Landfrauen als Rückgrat der Demokratie

von Redaktion

Publizistin Susanne Breit-Keßler ehrt Bäuerinnen – Katharina Kern fordert Abbau von Bürokratie

Geehrt wurden auch die neuen Hauswirtschaftsmeisterinnen Magdalena Kalz (rechts) und Magdalena Graf.

Rott – Rund 250 Bäuerinnen aus dem Landkreis haben sich am Donnerstag zu ihrem alljährlichen Landfrauentag in Rott versammelt. Unter den wenigen Männern, die bei der Veranstaltung im Gasthof Stechl anwesend waren, befanden sich der Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband, Sepp Andres, der Rotter Bürgermeister Daniel Wendrock, Landrat-Stellvertreter Sepp Huber und der Landtagsabgeordnete Sepp Lausch (FW). Kreisbäuerin Katharina Kern, die seit fast zehn Jahren im Amt ist, und ihre Stellvertreterin Maria Fischbacher führten durch das Programm, welches mit einer stimmungsvollen Andacht in der Rotter Kirche begann. „Die Gesellschaft kann sehr froh sein, dass es uns gibt“, sagte Kern unserer Zeitung am Rande des Treffens. Sie verwies auf die von den Frauen geleistete Arbeit in den Höfen, aber auch auf deren Beitrag zu Kultur und Brauchtum. „Die Landfrau soll wieder mehr in das Blickfeld rücken, gerade auch die junge Frau, die einen Betrieb übernimmt.“ Maria Fischbacher unterstrich im Vorgespräch die Vielzahl der Aufgaben, für die die Landfrauen stünden. „Wissen Sie, dass Landfrauen nicht nur Kuchen backen? Dieses Klischee kursiert eben.“ Sie seien eine tragende Säule der bayerischen Gesellschaft: „Ohne uns Frauen läuft nix.“ Die Zeiten seien vorbei, dass nur Männer die Betriebe leiten würden, so ihre Erfahrung. Auf Einladung der Landfrauen nahm die Publizistin Susanne Breit-Keßler aus München an der Veranstaltung teil. Ihr Vortrag zum Thema „Ist Demokratie noch zeitgemäß“, in den sie viele kluge Gedanken und persönliche Erlebnisse eingearbeitet hatte, geriet zu einem überzeugenden Loblied auf die Frauen. „Ich will den Landfrauen die Anerkennung dafür aussprechen, dass sie das Rückgrat der Demokratie bilden“, sagte die 72-Jährige. Die in Heidenheim geborene und in Oberaudorf aufgewachsene Publizistin war zudem Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Kern hob das gestiegene Ansehen der Landwirtschaft hervor. Früher sei die Landwirtschaft von Schlagworten wie Umweltzerstörung, Massentierhaltung, Überproduktion und Subvention geprägt gewesen; nun stehe die Erkenntnis im Vordergrund, „dass wir auch in schwierigen Zeiten die Menschen mit genügend Nahrungsmitteln versorgen, das ist ja auch nicht selbstverständlich“, so Kern. Nach ihrer Einschätzung werde man in Zukunft jeden Betrieb brauchen, unabhängig von seiner Größe. Gefordert seien freilich ein Abbau der Bürokratie und einfachere Verfahren, wie etwa beim Stallbau. Zudem sei Planungssicherheit gefordert. „Und wir werden beim Flächenverbrauch umdenken müssen, weil Flächen nicht vermehrbar sind“, sagte die Kreisbäuerin. Ausgleichsflächen könne man sich eigentlich nicht mehr leisten. Zugleich betonte Kern die Wichtigkeit ihrer Branche, nah am Menschen zu sein und das persönliche Gespräch zu suchen, beispielsweise beim Besuch von Schulklassen.

Erneut wurde deutlich, dass die Veranstaltung eine beliebte Gelegenheit zum Austausch der Landfrauen untereinander darstellt. „Das ist doch super“, sagte Katharina Kern.

Artikel 5 von 11