Liebe bis zur Vollendung

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

In der Notaufnahme eines Krankenhauses ist Hochbetrieb. Wieder hat die Pflegekraft seit Stunden keine Pause gemacht. Zwischen Monitoren und hastigen Schritten bleibt sie nun bei einem Patienten stehen, der kaum Luft bekommt. Sie setzt sich zu ihm, hält seine Hand, spricht ruhig mit ihm, bis sein Atem sich langsam beruhigt. Die Medikamente wirken längst – und doch ist da plötzlich etwas anderes im Raum: menschliche Nähe, Zuspruch und Zuversicht. Die äußeren Umstände bleiben dieselben, und doch hat sich etwas verändert. Morgen, am Abend des Gründonnerstags, hören wir im Gottesdienst die Worte Jesu über Brot und Wein. Äußerlich verwandelt sich auch hier rein gar nichts. Brot bleibt Brot, Wein bleibt Wein. Und doch geschieht etwas, das tiefer geht als alles Sichtbare: Gott schenkt sich selbst. Wie in diesem Moment im Krankenhaus. Aus Versorgung wird Beziehung. Aus Pflicht wird Hingabe. Aus Funktion wird Liebe, die trägt. Diese Wandlung will weitergehen in unser Leben hinein. Mutter Teresa hat einmal gesagt: „Keiner darf so aus der Kirche herausgehen, wie er hineingegangen ist. Es ändert sich ja etwas.“ Die vollkommene Liebe Gottes will uns berühren und verwandeln. Leise, aber grundlegend. Sie gibt nicht nur etwas, sie verschenkt sich selbst. Die Worte Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ sind deshalb mehr als nur ein Ritual. Sie sind eine Einladung, selbst Brot und Liebe zu werden für andere. Am Gründonnerstag liegt für mich darin eine stille Hoffnung: Dass auch unser Leben verwandelt werden kann mitten im Alltag, mitten unter uns.

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