Neuer Beweis: Wolf streift durch Region

von Redaktion

Im Landkreis Rosenheim ist erneut ein Wolf nachgewiesen worden. Anfang März fand man im Priental bei Aschau ein gerissenes Rotwild. Eine genetische Analyse bestätigte nun, dass es sich bei dem Jäger um einen Wolf handelt, der in der Region bereits bekannt ist und als standorttreu gilt.

Rosenheim – Scheu ist er. Und scheinbar auch ganz schön schlau. Spuren hinterlässt er nur wenige, gesehen hat ihn bisher kaum jemand. Seit Jahren streift ein Wolf immer wieder durch die Region Rosenheim. Blutige Überreste oder ständige Fährten – Fehlanzeige.

„Er scheint es verstanden zu haben, Menschen zu meiden“, sagt Sebastian Klinghardt. Er ist Leiter des Staatsforstbetriebs Ruhpolding, dessen Gebiet bis ins Priental bei Aschau reicht – und so mitten im Revier des großen Beutegreifers liegt.

Manchmal vergehen Wochen und Monate ohne den kleinsten Hinweis auf den Wolf, weiß Sebastian Klinghardt. Vor wenigen Tagen ist ihm aber zu Ohren gekommen: Der Wolf hat wieder auf sich aufmerksam gemacht.

Fund eines toten
Rotwilds Anfang März

Anfang März wurde in den Chiemgauer Alpen, im Bereich des westlichen Prientals, unweit von Aschau, ein totes, weibliches Rotwild gefunden. Dass der Wolf der Jäger sein muss, sei wohl schnell klar gewesen. Am Tier seien die typischen Bissspuren eines Wolfes – ein sogenannter Kehlenbiss – im Halsbereich erkennbar gewesen, so wurde es zumindest Klinghardt berichtet.

Landesamt für Umwelt
bestätigt Wolfs-Nachweis

Bestätigung kommt vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). In seinem Monitoring zu den großen Beutegreifern in Bayern listet die Behörde einen neuen Wolfs-Nachweis im Landkreis Rosenheim auf. Datiert ist dieser auf den 10. März. Über einen Abstrich an einem Wildtier habe die Genetik eines Wolfes nachgewiesen werden können, heißt es beim LfU. Für weitere Nachfragen zu dem Tier war das Amt am gestrigen Montag nicht zu erreichen.

Dass die Experten des LfU sofort wussten, wer hinter dem Riss steckt, liegt daran, dass der männliche Wolf ein „alter Bekannter“ ist. So bekannt, dass er den Namen „GW4028m“ verpasst bekommen hat.

Standorttreuer Wolf in
der Region Rosenheim

In Erscheinung trat das Tier, das aus der Alpenpopulation stammt, als es vor fast genau zwei Jahren im Landkreis Traunstein ein Wildtier gerissen hatte. Danach verschlug es den Wolf in den Rosenheimer Landkreis. Mehrfach wurde den Sommer über Kot gefunden, zweimal gab es sogar ein Foto des Wolfes.

Genauso gab es weiterhin vereinzelte Risse von Wildtieren – mal im Landkreis Rosenheim, dann wieder in Traunstein. Auf der Suche nach Beute wanderte das Raubtier auch über die Grenze nach Österreich. Rund um Kitzbühel und den Kufsteiner Bezirk – nur rund 50 bis 100 Kilometer vom Chiemgau entfernt – hatte der Wolf Jagderfolge. Weil „GW4028m“ danach wieder zurück in Richtung Rosenheim marschierte, ordneten ihn die Behörden im Chiemgau als „standorttreu“ ein.

Viele Gerüchte,
aber wenige Nachweise

Dort machte er im Februar 2025 mit Rissen erneut auf sich aufmerksam. Danach verschwand der Wolf für mehrere Monate von der Bildfläche. Spekulationen und Gerüchte gab es dennoch. „Uns wurden immer wieder mal vermeintliche Trittsiegel oder Sichtungen gemeldet“, sagt Sebastian Klinghardt. So berichtete ein Jäger im Spätsommer 2025, einen Wolf im Priental von einem Hochsitz aus beobachtet zu haben. Auch südlich der Kampenwand seien schon Fährten entdeckt worden. Ob es sich in diesen Fällen um das Tier „GW4028m“ gehandelt hat, blieb aber ungeklärt.

Beweise gab es genauso wenig, ob der Wolf für den Tod bereits verwester oder nur noch aus Gerippe bestehender Wildtiere verantwortlich ist. Die seien in den vergangenen beiden Jahren immer wieder mal in den Wäldern um Aschau entdeckt worden, sagt Aschaus Bürgermeister Simon Frank. „Sichere Nachweise gab es dafür nicht, dass der Wolf da ist, das spürt man hier aber schon“, sagt der Rathaus-Chef, der selbst Jäger ist.

Bestätigt wurde die Anwesenheit des Raubtieres dann wieder im Dezember 2025 – erneut hinterließ der Wolf seine DNA an einem gerissenen Wildtier.

„Wir werden
damit leben müssen“

Große Aufregung habe es aber sowohl damals als auch nach dem jetzigen grausigen Fund im Priental nicht gegeben, betonen Simon Frank und Sebastian Klinghardt. Man habe sich fast schon ein wenig daran gewöhnt, dass der Wolf durch die Chiemgauer Alpen streift. „Über kurz oder lang werden wir damit leben müssen“, sagt Aschaus Bürgermeister. Auch wenn er die Ängste der Almbauern mit Blick auf die Almwirtschaft nur zu gut verstehen kann.

Große Sorgen scheinen die sich derzeit aber nicht machen zu müssen. „Das Gute ist, dass bei den Rissen des Wolfes bislang kein Nutztier betroffen war“, sagt Sebastian Klinghardt. Zumindest bei den Beuteerfolgen, die das LfU dem standorttreuen Chiemgauer Wolf zuordnen kann. Deshalb gebe es wahrscheinlich auch weniger Emotionen, wenn wieder eine neue Spur des Raubtieres auftaucht. „Der Umgang ist vernünftiger geworden“, glaubt der Ruhpoldinger Forst-Chef.

Zumal der Wolf sich ohnehin kaum blicken lässt, manchmal für mehr als ein halbes Jahr komplett „untertaucht“. Und das in einem Gebiet, in dem viele Wanderer unterwegs sind, zahlreiche Jäger ihre Reviere haben oder die Waldbesitzer bei Veränderungen ganz genau hinschauen.

Kein besonders
auffälliges Exemplar

Auf die Forstwirtschaft habe der neuerliche Wolfs-Nachweis im Chiemgau so auch keinen Einfluss. Es gehe im Priental jetzt „ganz normal weiter“, sagt Klinghardt. Schließlich könne es gut sein, dass der Wolf erst mal wieder verschwindet. „Es ist ein sehr heimliches Tier“, sagt Klinghardt. Oft zu Gesicht wird ihn wohl auch weiterhin kaum einer bekommen.

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