Akute Mängel am Gebäude: Sofortige Schließung der Aiblinger Rheumaklinik

von Redaktion

Stilllegung hat Konsequenzen für die Patienten und das Personal der Einrichtung – Folgen für den Gesundheitsstandort Bad Aibling

Bad Aibling – In den vergangenen Tagen kursierten bereits Gerüchte, nun herrscht Gewissheit: Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund) stellt den klinischen Betrieb ihrer Rheumaklinik in Bad Aibling ein – und das bereits Ende April. Diese kurzfristige Entscheidung sei die Folge einer „bautechnischen Bewertung der Gebäudesubstanz“. Laut DRV hätten sich zuletzt Hinweise und Belege für schwerwiegende Mängel bei Gebäudetechnik, Dach und Brandschutz verdichtet, die einen Weiterbetrieb unmöglich machen.

Eine Schließung, die sich nicht nur unmittelbar auf Patienten und Personal auswirken wird. Auch für den gesamten Gesundheitsstandort Bad Aibling dürfte das Aus der Rheumaklinik in der Ghersburgstraße Folgen haben.

„Gesundheit und
Sicherheit haben Priorität“

Die Kommunikationsabteilung der DRV Bund in Berlin begründet die Einstellung des klinischen Betriebes mit einer nun abgeschlossenen, validen bautechnischen Bewertung der Gebäudesubstanz. „Nach umfassender Prüfung und den festgestellten akuten Mängeln ist dieser harte Schritt unumgänglich“, heißt es. Zwar wurden parallel dazu Optionen geprüft, um Sanierungen im laufenden Betrieb zu ermöglichen. Dies sei jedoch angesichts der nötigen Instandsetzungen nicht möglich. „Gesundheit und Sicherheit von Patientinnen, Patienten und Beschäftigten haben für uns absolute Priorität. Die fachliche Gewissheit über diese Mängel lässt uns keine andere Wahl, als den Betrieb ohne Verzug einzustellen“, erklärt Brigitte Gross, Direktorin der DRV Bund.

Doch ist damit der Klinikstandort in der Ghersburgstraße für immer Geschichte? In der Mitteilung bekennt sich die DRV Bund trotz der Stilllegung des Gebäudes zwar „ausdrücklich zum Gesundheitsstandort Reha-Zentrum Bad Aibling“. Die medizinische Versorgung werde künftig jedoch vollständig in der technisch funktionsfähigen Infrastruktur der Klinik „Wendelstein“ in der Kolbermoorer Straße – ebenfalls unter der DRV-Trägerschaft – konzentriert.

2022 wurden beide Kliniken zum gemeinsamen „Reha-Zentrum Bad Aibling“ zusammengeführt. Die Klinik „Wendelstein“ biete nun die notwendige Kapazität, um die Versorgungsqualität in der Region auf hohem Niveau fortzuführen, heißt es seitens der DRV. Die Patienten aus der „Rheumaklinik“ werden dort nun aufgenommen und können ihre Behandlung beenden.

Wie viele Patienten und Mitarbeiter von der Stilllegung betroffen sein werden und ob das Gebäude in der Ghersburgstraße noch eine Zukunft hat, ist bislang unklar. Hierzu stehen Antworten aus Berlin auf OVB-Anfragen noch aus. Sicher ist jedoch, dass „akute Defizite“ am Gebäude die Betriebssicherheit unter diesen Umständen nicht mehr vollumfänglich garantieren können. Die notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen dürften sich nach ersten Schätzungen im zweistelligen Millionenbereich belaufen, weshalb eine Sanierung „derzeit nicht realistisch“ sei. „Ein sicherer Betrieb während der mehrjährigen Bauzeit ist technisch nicht möglich und würde die vollständige Sperrung des Hauses erfordern“, so die DRV Bund. Eine nicht zu erwartende Entwicklung, die in Bad Aibling für Betroffenheit sorgt.

Aiblings Kurdirektor
„überrascht bis schockiert“

„Wir haben gestern von dieser Maßnahme erfahren und sind ehrlicherweise ziemlich überrascht bis schockiert“, erklärte Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn am Dienstagabend auf OVB-Anfrage. Die Rheumaklinik Bad Aibling sei seit sehr vielen Jahren ein fester und wichtiger Bestandteil des Gesundheitsangebots. „Jahr für Jahr werden hier Patienten exzellent behandelt, und vor nicht allzu langer Zeit wurde eine neue Kältekammer eingebaut. Auch in jüngster Vergangenheit wurde die Fusion der Kliniken abgeschlossen und die DRV Bund hat das Haus übernommen“, blickt Jahn zurück. Dass es Pläne für eine Veränderung in der Klinik gibt, habe man zwar gewusst. „Aber dass eine so kurzfristig beschlossene Schließung bevorsteht, war uns nicht bekannt.“ Für die Stadt sowie die AIB-KUR bedeute dies einen „erheblichen Rückgang an Gästen und Übernachtungen“ sowie für Handel, Gastronomie und Dienstleistung einen Ausfall von Gästen oder Kunden.

„Da wir aktuell noch keine weiteren Angaben haben, ist es schwierig zu beurteilen, wie es weitergehen kann. Unser Interesse ist es, die Immobilie als Klinikstandort zu erhalten“, betont der Kurdirektor. Diese Entscheidung liege jedoch zuerst in den Händen der DRV Bund in Berlin. „Wir werden schnellstmöglich nach einem Gesprächstermin suchen und hoffen, weitere Informationen zu bekommen und Lösungen für die Sicherung des Standortes zu finden“, so Jahn.

Alle Anreisen
werden gestoppt

Laufende medizinische Reha-Leistungen werden laut DRV Bund „ordnungsgemäß beendet oder in die technisch funktionsfähige Infrastruktur der Klinik ,Wendelstein‘ übergeleitet“. Alle Anreisen würden gestoppt, wobei die betroffenen Personen zur Umbuchung aktiv kontaktiert werden sollen.

Welche genauen Auswirkungen die Stilllegung nun auf die Klinik „Wendelstein“ hat, ist unklar. Die medizinische Versorgung werde jedenfalls „in gewohnter Qualität“ in der Klinik „Wendelstein“ fortgeführt. Überdies prüfe man Kapazitäten in einem Ausweichquartier. Außerdem arbeite man „mit Hochdruck“ daran, für alle Mitarbeiter Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. So würden alle Betroffenen in diesem Prozess eng begleitet, um individuelle Lösungen für ihre berufliche Zukunft zu finden. Nicolas Bettinger

Artikel 3 von 11