Rosenheim/Großkarolinenfeld/Tattenhausen – Über 50 Königinnenzüchter, man spricht von Spezialisten in der Imkerei, fanden sich im Rahmen der alljährlichen Oberbayrischen Züchtertagung, dieses Mal beim Bräu in Tattenhausen, zum Informations- und Erfahrungsaustausch ein. Landrat Otto Lederer, den Imkern im Landkreis Rosenheim seit vielen Jahren eng verbunden, ließ in seinem Grußwort nicht unerwähnt, dass im Landkreis Rosenheim mittlerweile in zehn Lehrbienenständen Ausbildung von Jungimkern und Weiterbildung aktiv gepflegt wird.
Sein Verweis auf 1.800 aktive Imker im ganzen Landkreis Rosenheim, organisiert in 26 Imkervereinen, spricht für die hohe Bienendichte in unserem Raum. An vorderster Stelle der Tagung stand der umfangreiche Ergebnisbericht von Christian Czech, Fachwart und Bienensachverständiger, aus den neun staatlich anerkannten Belegstellen und von den Reinzüchtern im Bezirk Oberbayern. Die Prüfung der Königinnen und die Zuchtergebnisse in den verschiedensten Richtungen sowie die vererbten Eigenschaften der Königinnen, beispielsweise wie Sanftmut, Wabensitz, Schwarmtrieb und Honigeintrag, festgehalten in Zuchtwerten, waren dabei von besonderem Interesse. Auffällig ist, so der Bienensachverständige, der deutliche Rückgang an geprüften Königinnen. Dieser sei den Berichten der Fachstellen zufolge unter anderem auf die rückläufige Zahl bei den Reinzüchtern aber auch auf witterungsbedingte Einflüsse zurückzuführen.
Ins Blickfeld stellte Christian Czech in seinem Fachvortrag bewusst auch die Problematik mit der immer noch weit verbreiteten Varroamilbe und die unmittelbar damit verbundene Virenbelastung, eingeschleust durch die Milben. Hier ruht die Hoffnung auf wegweisende Fortschritte in der Forschung in Bezug auf die Varroa-Resistenzzucht aber auch auf Erfolge durch stetige Verbesserung der Milbenbekämpfung und Anpassung in der Betriebsweise bei der praktischen Imkerei, einhergehend mit konsequenter Milbenkontrolle.
Ergänzende Berichte über die Bestückung der Belegstellen mit Drohnenvölkern und verfügbare Aufstellplätze für Begattungskästen kamen außerhalb des Landkreises Rosenheim auch von Fachwarten aus dem gesamten oberbayrischen Raum. Drei Prüfhöfe in Bayern unterstützen die Königinnenzüchter und Imker bei der Auswertung ihrer Zuchtergebnisse und in vielen weiteren Bereichen der Bienenhaltung. Biologe Sven Zieseniß, Leiter vom Prüfhof Guglhör belegte dies in seinem ausführlichen Bericht von der staatlichen Leistungsprüfung für die Jahre 2024/2025.
Angefangen von Daten zur Bienengesundheit, Überwinterung Trachtsituation bis ins weite Feld der Bienenhaltung sind laut Aussage des Prüfhofleiters dort auch alle wichtigen Dienstleistungen und Informationen gebündelt abrufbar. Das umfassende Informationspaket vervollständigte schließlich Diplom-Biologe Chris Steube, selbst aktiver Imker, mit seinem erfrischend praxisorientierten Fachvortrag zum Thema „Der ,Drohn‘ – ein wichtiges Element der Imkerei“
Unter diese Überschrift stellte Diplom-Biologe Chris Steube sein umfassendes Wissen über die oft so unterschätzte Wichtigkeit der Drohnen im Bienenvolk und für die Begattung der Königinnen. Wir brauchen vitale Bienen und Völker das ganze Jahr über und für eine gute Ernte und dazu den „Drohn“. Diese Aussage untermauerte Chris Steube, gestützt auf eigene Erfahrungen und aus den fundierten Ergebnissen jahrzehntelanger Forschungen.
So sind bei der Begattung der Königinnen die genetische Breite und die Gesundheit sowie Fitness der Drohnen ein wesentlicher Faktor für die Weitergabe des Erbgutes, die mit einer Quote bis zu 50 Prozent auf das Königinnen-Zuchtergebnis durchschlägt. In diese Richtung steuern konsequenter Weise auch die Fachwarte und Königinnenzüchter die Bestückung der Belegstellen mit Drohnenvölkern, immer in der Erwartung, dass die Reinrassigkeit bei der Begattung der Königinnen durch ausgewiesene Schutzzonen auch gewährleistet ist.
Aufschlussreich war dazu die Aufzählung der unzähligen Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung der Drohnen im Gesamtgebilde eines Bienenvolkes haben und in welcher Form der Imker darauf Einfluss nehmen kann.
Angela Sollinger, Kreisvorsitzende der Imker in Rosenheim, informierte die Versammlung schließlich über die künftige Betreuung der Belegstelle „Wendelstein“, die sie bis zur festen Besetzung vorerst kommissarisch übernommen hat. Geregelt und bekannt gegeben werden bis zur Eröffnung der Belegstelle, geplant am 22. Mai, die Öffnungszeiten und die Zufahrt zur Belegstelle.