Landkreis Rosenheim/ Traunstein – Die Ratlosigkeit im Priener Rathaus war groß. Am gestrigen Mittwoch um kurz nach 15 Uhr ging plötzlich überhaupt nichts mehr. Das Licht ging aus, Festnetztelefone funktionierten nicht. Auch das Mobilfunknetz war zeitweise beeinträchtigt. Michael Anner, Priens Zweiter Bürgermeister, wählte sofort die Nummer des Energieversorgungsunternehmens „Bayernwerk“. Demnach war die Ursache des Ausfalls ein Problem in einem nicht näher benannten Umspannwerk.
Ratlosigkeit herrschte auch bei einem jungen Mann, der lieber anonym bleiben möchte. Er war gerade mit dem Auto unterwegs, als der Strom ausfiel. „Plötzlich gingen keine Ampeln mehr“, sagt er am Telefon. Er sei in Prien unterwegs gewesen und stand an der Kreuzung Hochriesstraße/Bernauer Straße. „20 Minuten lang ging es nur stockend vorwärts“, sagt er.
Bürger melden sich
bei der Polizei
Für größere Polizeieinsätze sorgte der großflächige Ausfall allerdings nicht. „Es gab kleinere Meldungen, dass der Strom weg ist, aber nur eine Handvoll“, sagt Jürgen Thalmeier, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Prien. Über Funk sei bei den Beamten auch nichts aufgeschlagen. Die Polizei sei in solchen Fällen aber durchgehend erreichbar und könne Notrufe entgegennehmen. „Wir haben ein Notstromaggregat und sind rund um die Uhr da“, versichert der Polizist. Deshalb habe es auch keine Rolle gespielt, dass in der Dienststelle ebenfalls für kurze Zeit der Strom weg war.
Es sei aber schon möglich, dass ein solcher Stromausfall zu Polizeieinsätzen führen kann, so Thalmeier. „Wenn zum Beispiel bei besonders schützenswerten Objekten die Alarmanlagen ausfallen oder es Fehlalarme gibt, überprüfen wir das. Oder wenn die Ampeln für längere Zeit nicht funktionieren, leiten wir den Verkehr“, erklärt Thalmeier. Dabei erinnert er aber daran, dass in diesen Situationen die Straßenverkehrsregeln ganz normal gelten.
Auch beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd wurde man am Nachmittag über den Stromausfall informiert. Dieser konzentrierte sich vor allem auf den südlichen Bereich rund um den Chiemsee, der nördliche sei weniger betroffen gewesen, teilt Pressesprecher Daniel Katz auf OVB-Anfrage mit. Die Meldungen dazu seien sowohl über Alarmanlagen als auch über Anrufe von Bürgern eingegangen. Gegen kurz nach 15.30 Uhr konnte Katz bereits leichte Entwarnung geben. Zu diesem Zeitpunkt ging der Netzbetreiber von einer technischen Ursache aus. Allerdings seien da schon wieder viele Bereiche am Netz gewesen.
Supermärkte
ebenfalls betroffen
Auch die Supermärkte in der Region waren von dem Stromausfall betroffen. In Bad Endorf schlossen am Nachmittag alle Geschäfte und Supermärkte. Um 16.30 Uhr war alles dicht. Zur Enttäuschung von Kunden, die noch vor den Eingängen ausgeharrt hatten, weil sie dachten, die Störung sei nur vorübergehend.
Im Edeka-Markt Pfeilstetter in Grabenstätt fiel der Strom für etwa eine Stunde aus. „Auf einmal ging das Licht aus und die vorderen Eingangstüren gingen nicht mehr auf“, berichtet eine Mitarbeiterin auf OVB-Nachfrage. Kunden, die zu diesem Zeitpunkt im Laden einkauften, wurden deshalb über den Hinterausgang nach draußen gelassen. In Marquartstein musste der Edeka-Markt ebenfalls vorübergehend schließen, konnte aber kurz vor 16 Uhr den Betrieb wieder aufnehmen, als der Strom zurückkehrte. Dank einer vorhandenen Batterie lief dort zumindest eine Kasse weiter, so eine Mitarbeiterin. Probleme mit der Kühlware habe es durch den kurzzeitigen Stromausfall nicht gegeben.
In der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) mit ihren drei Kliniken in Bad Endorf, Prien und Seeon-Seebruck sowie den Chiemgau-Thermen und dem Vier-Sterne-Superior-Hotel „Ströbinger Hof“ wurde am Nachmittag der Notfallplan ausgelöst. „Unsere Kliniken sind über Notstromaggregate natürlich weiterhin mit Strom versorgt“, erklärt GWC-Pressesprecherin Ingrid Dangl. Trotzdem müssten Sicherheitskontrollen erfolgen. Funktioniert die Telefonanlage? Steckt möglicherweise jemand im Fahrstuhl fest? Ist ausreichend Treibstoff für die Notstromaggregate vorhanden? „Alle Patienten haben über ihr Handy die Information erhalten, dass es sich um eine externe Störung handelt und wir daher nicht wissen, wie lange sie dauern wird“, so Dangl.
Therme in
Endorf geräumt
Für die Wellnesshungrigen endete der Nachmittag in den Chiemgau-Thermen gegen 16 Uhr. „Dauert ein Stromausfall länger als 30 Minuten, müssen die Besucher die Becken verlassen. Dann werden die Thermen geräumt“, erklärt Ingrid Dangl. Ohne Strom funktioniere nichts – weder Filtration, noch Wasserenthärtung, Heizung oder Lüftung.
Die Gäste mussten die Thermenlandschaft, die Sauna- und Wellnessbereiche, das Fitnessstudio sowie die Gastronomie verlassen. „Ist der Stromausfall beendet, dauert es bis zu zwei Stunden, ehe die komplette Technik wieder hochgefahren ist, und die Qualität in allen Bereichen wieder stimmt“, betont Ingrid Dangl. Einziger Trost: Das Parkhaus war kostenlos, denn die Schranken waren nach dem Stromausfall per Hand geöffnet worden.
Keine Fahrt mit
der Kampenwandbahn
Die Kampenwandbahn in Aschau wurde ab 14.30 Uhr über das Notstromaggregat betrieben. Deshalb brachte sie ab 14.30 Uhr nur noch Gäste vom Berg ins Tal. Nach oben durfte keiner mehr fahren.
Auf den Zugverkehr in der Region hatte der Stromausfall laut ersten Erkenntnissen keine direkten Auswirkungen. Anette Luckner, Pressesprecherin der Bayerischen Regiobahn (BRB), bestätigte zunächst, dass die Züge auf der Strecke im Bereich Chiemsee weiterfuhren. Sie wies aber darauf hin, dass es bei einem großflächigen und längerfristigen Stromausfall zu Problemen mit den Stellwerken kommen kann. Eine Überprüfung bei der Pressestelle der DB Infra Go in München ergab kurz darauf, dass keine Stellwerke und somit auch keine Zugverbindungen betroffen waren.
Entwarnung
um 15.35 Uhr
Gegen 15.35 Uhr gab es eine erste vorsichtige Entwarnung. In Prien war die Stromversorgung wiederhergestellt, auch entlang der Hauptstraße floss wieder Strom. Nach rund einer Stunde ohne Elektrizität kehrte man auch im Priener Rathaus zum Alltag zurück. Zwischenzeitlich geschlossene Geschäfte im Ort öffneten wieder.
Genaue Informationen seitens des Bayernwerks, welches Umspannwerk in der Region den Ausfall verursacht hatte, lagen im Rathaus nach Wiederherstellung der stabilen Netzversorgung noch nicht vor. Auf erneute OVB-Nachfrage hieß es vom Bayernwerk nur, dass „technische Störungen im Hochspannungsnetz“ Ursache für den großflächigen Blackout gewesen seien. Demnach waren rund 40000 Haushalte rund um den Chiemsee von dem Stromausfall betroffen.