Ringen um die Zukunft von Kloster Zangberg

von Redaktion

Das Kloster Zangberg steht vor großen Herausforderungen. Die Ordensschwestern kämpfen mit Geldsorgen, hohen Brandschutzauflagen und erheblichen baulichen Schäden. Deshalb suchen sie dringend nach Investoren und tragfähigen Konzepten, um die Zukunft des historischen Gebäudes zu sichern.

Zangberg – In Zangberg ist die Zeit stehen geblieben. Aber nur auf der Klosteruhr, die seit Langem immer dreiviertel zwei anzeigt. Da schmunzelt Oberin Jutta Reitinger direkt ein bisschen und erklärt: „Die Uhr muss händisch aufgezogen werden, damit sie wieder in den Takt kommt. Zu diesem Zweck müsste aber jemand täglich in den Turm hinaufsteigen, das ist derzeit nicht machbar“.

Kloster ist in die
Jahre gekommen

Doch dies ist sowieso die geringste Sorge der 13 Schwestern der Heimsuchung Mariä. Die Ordensfrauen sehen sich mit völlig anderen Herausforderungen konfrontiert. Schwester Jutta bringt es gleich auf den Punkt: „Wir können das Haus auf Dauer alleine nicht mehr halten und suchen daher dringend nach Lösungen“.

Der heutige Gebäudebestand des Klosters geht auf eine Gründung aus dem 14. Jahrhundert zurück. Ab 1684 wurde das barocke Gebäudeensemble als Schloss Zangberg neu errichtet und ist seit 1862 Heimat der Salesianerinnen.

Die Schwestern plagen viele Sorgen, denn die Aufgaben sind groß und vielfältig. Um das Kloster St. Josef, wunderschön über dem Isental gelegen, erfolgreich in die Zukunft zu führen, benötigt es Fördermittel von staatlicher wie auch von privater Seite. Außerdem brauche es unbedingt Investoren mit Ideen und Konzepten, die aber mit dem Geist des Hauses in Einklang stehen sollen. Die einzige wirkliche Einnahmequelle der Schwestern ist das Bildungshaus.

Die Räumlichkeiten stehen für Seminare und Tagungen zur Verfügung, Übernachtungsmöglichkeiten und Vollpension inklusive. Wer kulturelle, religiöse oder wirtschaftliche Kurse veranstalten will, ist im Kloster an der richtigen Adresse.

„Trotz dieser Angebote, die gerne angenommen werden, fehlen uns die finanziellen Mittel für umfassende Restaurierungen und Neuausrichtungen“, bedauert Oberin Jutta. Und Schwester Claudia-Maria Seitz ergänzt: „Wir kämpfen momentan mit den Vorgaben des Brandschutzes“.

Dies sei in einem denkmalgeschützten Haus eine komplexe Angelegenheit und verursache immense Kosten. Die Schwestern nennen als Beispiel nur ihren wunderschönen Mariengarten, in den aber aufgrund der engen Durchgänge kein Feuerwehrauto einfahren könne. Für die Sicherheit des Betriebes im Bildungshaus sei moderner Brandschutz jedoch unabdingbar.

In diesem Jahr erfolgt der erste Schritt entsprechender Maßnahmen. „Diese Finanzierung ist gesichert, wie es dann weitergeht wissen wir nicht“, so Schwester Jutta. Jegliche Gewinne seien immer wieder ins Bildungshaus geflossen und weniger auf der hohen Kante gelandet, erklären die Schwestern. Sie hätten sogar selbst stets zurückgesteckt, was die Ausstattung ihres eigenen Wohnbereiches anbelangt.

Sorgenfalten sind auch beim Anblick des ehrwürdigen Ahnensaals angesagt. Der weit über die Landkreisgrenzen hinaus geschätzte barocke Konzertsaal besitze ein Alleinstellungsmerkmal, sagen die Schwestern. Aufgrund erheblicher, statischer Veränderungen der Dachstuhlkonstruktion ist es allerdings zu großen Schäden an den Stuckdecken gekommen, was auch für den Fürstensaal gilt, der als Speisesaal genutzt wird.

Vor einigen Jahren sind als Schutz vor eventuell herabfallenden Teilen Netze gespannt worden. Die Schwestern sind auch mit Mühldorfs Landrat Max Heimerl im Gespräch. Er unterstreicht die herausragende Bedeutung des Gebäudes für den Landkreis und sagt: „Herzöge und Adelige gaben sich hier die Klinke in die Hand, bis 1862 das Schloss an die Schwestern der Heimsuchung Mariä verkauft und in ein Kloster umgewandelt wurde“.

Was der Landkreischef im Hinblick auf Unterstützungsmöglichkeiten hervorhebt: „Wir sind im engen Austausch mit dem Landesamt für Denkmalschutz, um die genauen Optionen für eine sinnvolle Weiterentwicklung auszuloten.

Ziel ist es, für die Schwestern eine zeitgemäße Unterbringung zu realisieren und gleichzeitig eine Nutzung für das Klostergebäude zu finden, die langfristig wirtschaftlich tragfähig ist“. Der ehemalige Staatsminister Dr. Marcel Huber bringe sich hier ebenfalls ein.

Spiritualität
erhalten

„Wie die Oberin betont, befinde sich die Klostergemeinschaft hinsichtlich der ganzen Problematik in einem Transformationsprozess. Gemeinsam mit einem Münchner Architekturbüro ist eine Machbarkeitsstudie entwickelt worden. Dabei werden unterschiedlichste Richtungen ins Auge gefasst. „Vieles wäre denkbar“, meinen die Schwestern und nennen als Beispiele verschiedene Wohnformen, wie Seniorenwohnen, karitative Einrichtungen, Werkstätten, Ateliers oder eine Klostergaststätte.

Der große Wunsch der Ordensfrauen wäre: Eine umfassende Neukonzeption, die das Weiterleben des Klosters garantiert und der Schwesternschaft den Rücken freihält, damit sie im Hintergrund mir ihrer Spiritualität wirken können.

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