Ein anderer Blickwinkel

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Seht, wie schön sie ist!“ Das waren die bewegten Worte eines Astronauten, als auf dem Rückweg der Artemis-Mission vom Mond am Fenster des Cockpits die Erde wieder ins Blickfeld kam: eine leuchtende Kugel im Dunkel des Alls. Unglaublich schön und zugleich zerbrechlich, kostbar, einzigartig. Aus der Entfernung ändern sich die Perspektiven. Im Alltag sind wir dagegen mitten drin im Geschehen. Termine, Sorgen und Erwartungen bestimmen unser Leben. Alles ist ganz nah und wir verlieren dabei den Blick für das größere Ganze. Sehr leicht fühle ich mich dann auch gefangen in den Kleinigkeiten, die mir die Sicht auf das Wesentliche verstellen. Dabei braucht es für einen Perspektivwechsel gar keinen Flug ins All. Es sind die kleinen inneren Abstände, die im Alltag helfen können, wieder einen Schritt zurückzutreten. Momente der Stille, Musik oder ein kurzes Gebet sind Augenblicke, in denen ich mich lösen kann von der Betriebsamkeit – oder von Ärger, der im Nachhinein doch kaum der Rede wert war. Dann kann sich zeigen, was wirklich hält und trägt. Familie und kostbare Beziehungen, Visionen, die uns beflügeln und Schönheit, die wir fast übersehen hätten. In der Bibel heißt es am Ende der Schöpfungsgeschichte: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ Es ist ein weiter, liebevoller Blick auf diese Welt, mit dem wir versöhnt auf unser eigenes Leben schauen dürfen. So eröffnen sich auch nach Enttäuschungen ganz neue Perspektiven. Ein Schritt zurück ist der Schlüssel für zwei Schritte nach vorn.

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