Rosenheim – Wal Timmy bewegt die Menschen. Tausende folgen dem Livestream, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erkundigte sich bei seinem Besuch in Stralsund nach dem Tier, in sozialen Medien äußern sich Unzählige hoch emotional, MediaMarkt-Gründer Walter Gunz schmiedet Pläne zur Rettung von Timmy. Bis in die Umgebung von Rosenheim schlägt der gestrandete Buckelwal Wellen. Thomas Ascher ist einer der Wortführer in der Diskussion um das gestrandete Tier und will für die Rettung des Tieres werben.
Vogtareuther wirbt
für Rettung des Tieres
Nicht genug damit: Der Mann aus Vogtareuth hat sich jetzt sogar an die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gewandt. Mit einer „Fachaufsichtsbeschwerde“ gegen das von Till Backhaus geführte Umweltministerium. „Wegen fehlerhafter Sachverhaltsaufklärung, unzureichender Gutachtengrundlage und pflichtwidriger Untätigkeit im Fall des Buckelwals ,Hope/Timmy‘“.
Aschers Verdacht: Der Umweltminister habe sich zu schnell auf die Aussichtslosigkeit von Rettungsaktionen festgelegt. Die zugrunde gelegten Gutachten erfüllten Mindestanforderungen nicht, eine neutrale, externe Beurteilung sei gar nicht erst beantragt worden. Das Ministerium sei in der Pflicht, dem Meeressäuger Leiden zu ersparen, nicht nachgekommen. Wie erklärt sich das Interesse des Oberbayern für die See und die Meeresbewohner? „Ich habe in Lübeck studiert“, sagt Ascher. Und die Menschen dort seien ein ähnlicher Schlag wie die Bayern: „Anderer Dialekt, dieselbe Sprache.“ Außerdem fühle er einfach mit Tieren, sagt Ascher: „Ich habe einige zu Hause bei mir, eher so Sozialfälle.“
In der Diskussion über den Wal und darüber, ob und wie er zu retten sei, schlagen die Wogen hoch. Jede Bewegung des Tieres wird registriert und erörtert, jeder Schritt auch, den die Behörden machen. Schließlich hält sich hartnäckig das Gerücht, das Skelett des Säugetiers sei schon einem Museum zugesprochen gewesen, noch bevor überhaupt feststand, dass der Wal wirklich dem Tode geweiht sei.
Wal Timmy verhökert? Das OVB fragte beim Meeresmuseum in Stralsund nach. „Es war nie und ist nicht geplant, das Skelett an einem unserer Museumsstandorte zu zeigen“, sagte eine Sprecherin. „Jegliche Nachrichten dazu, in denen behauptet wurde oder wird, es sei anders, entsprechen nicht den Tatsachen.“ Die Vorwürfe seien absurd und „für eine wissenschaftliche Institution, die sich seit Jahren für Tier- und Umweltschutz einsetzt, schwer auszuhalten“.
Doch warum gehen in der Sache mit Timmy die Meinungen so auseinander, warum sorgt im Streit um den Wal schon der Biss des Bundespräsidenten in eine Heringssemmel für Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken? Warum mobilisiert der Wal die Menschen stärker als beispielsweise die über 500 Menschen, die 2026 (Stand 15. April) bereits bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken sind? Der Bad Feilnbacher Psychologe Prof. Dr. Axel Koch hat dazu eine Theorie. Der Wal sei so etwas wie ein personifiziertes Schicksal, meint er. „Wenn ich von Tausenden Flüchtlingen höre, kann ich mir nichts darunter vorstellen. Wenn ich einen sehe, der Hunger und Durst hat, ist das etwas anderes.“ Zudem seien Wale einfach faszinierende Wesen, die auch schon in Romanen eine Rolle spielten, beispielsweise in Melvilles „Moby Dick“. Auch seien sie Säugetiere, dem Menschen näher, weil sie atmen. Die Geschichte von Timmy weise außerdem „Heldenelemente“ auf, tragische Wendungen wie zum Beispiel gescheiterte Rettungsaktionen.
Eine Rolle könnte auch das schlechte Gewissen vieler Menschen spielen angesichts des unheilvollen Einflusses des Homo sapiens auf die Umwelt. Schließlich hat der Mensch viele Walarten nahezu ausgerottet. So wollen Menschen an Timmy vielleicht gutmachen, was sie anderen Tieren angetan haben. Die Chance dazu könnte vielleicht gestiegen sein: Am Mittwochnachmittag teilte Till Backhaus mit, dass eine private Initiative um Multimillionär Gunz ein tragfähiges Konzept zur Rettung des Wals vorgelegt habe: Er soll mit Luftkissen angehoben und dann in Richtung Atlantik geschleppt werden.