Tempo entscheidet über Leben und Tod

von Redaktion

Beim bayernweiten Blitzermarathon waren gestern mehr als 200 Beamte im Einsatz gegen Raser. In Stadt und Landkreis Rosenheim gab es 38 Messstellen. An einer davon, an der B15 bei Schechen, erwischte die Polizei mehrere Fahrer, die für ihre überhöhte Geschwindigkeit Bußgelder zahlen mussten.

Rosenheim/Schechen – Mit zusammengekniffenen Augen schaut Polizeiobermeisterin Johanna Firmkäs durch das Visier ihres Lasergeräts. Mit der rechten Hand bedient sie den schwarzen Auslöseknopf. Sie drückt ab, dann ploppt die Geschwindigkeit in der Anzeige an der Seite des Geräts auf: 98 Stundenkilometer. Firmkäs gibt ihrem Kollegen ein Zeichen. Der stellt sich auf die Straße, hebt die Polizeikelle und winkt den weißen VW aus dem Verkehr. Der Grund: Auf der B15 bei Schechen sind an dieser Stelle nur 80 Stundenkilometer erlaubt.

„Das Bußgeld
tut weh“

Der Fahrer des VWs fährt seine Scheibe runter. Polizeimeister Leon de Nijs erklärt ihm, was er falsch gemacht hat. Er bittet ihn, auszusteigen, damit sich die beiden Männer abseits vom Straßenlärm unterhalten können.

„Ich komme gerade von der Arbeit und war total in Gedanken versunken“, sagt der Autofahrer. Er arbeite selbst bei der Feuerwehr, werde deshalb immer wieder zu schweren Unfällen gerufen. „Auch zu dieser Kreuzung hier“, sagt er. Er blickt sich um, zuckt mit den Schultern. „Heute hat es mich erwischt. Das Bußgeld tut weh, aber ich halte es für wichtig, dass kontrolliert wird“, sagt er. Er bezahlt seine Strafe in Höhe von 40 Euro und setzt seinen Heimweg fort.

„Eine zu hohe Geschwindigkeit ist eine der Hauptursachen für Unfälle, neben Alkoholisierung und Ablenkung“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer, während er seine Kollegen bei der Arbeit beobachtet.

Nur wenige Minuten später schwenkt Polizeimeister Leon de Nijs erneut die Polizeikelle. Dieses Mal winkt er einen Lkw mit dänischem Kennzeichen aus dem Verkehr. Etwas irritiert öffnet der Fahrer die Tür, lässt sich auf Englisch erklären, warum er angehalten wurde. Bei ihm wurde eine Geschwindigkeit von 77 Stundenkilometern gemessen. „Lkw ab 7,5 Tonnen dürfen nur mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h fahren“, erklärt Maurer.

Der Lkw-Fahrer übergibt Führerschein und Fahrzeugpapiere an die Polizei. Die Beamten kontrollieren die Dokumente, anschließend informieren sie den Dänen darüber, dass auch er eine Strafe in Höhe von 50 Euro zahlen muss. Der Fahrer wirkt erleichtert, zückt seine EC-Karte und bezahlt die Gebühr noch vor Ort. Anschließend setzt er seine Reise fort.

Doch nicht nur Raser ziehen die Beamten an diesem Vormittag aus dem Verkehr. Erst wird ein junger Mann angehalten, weil er in einem unerlaubten Bereich überholt hat, kurz danach muss ein Jeep rechts ranfahren, weil sich die Beamten nicht sicher sind, ob der Anhänger den Vorschriften entspricht. Beide werden belehrt und dürfen nach kurzer Zeit ihre Fahrt fortsetzen.

Aktion zur Sensibilisierung
für Tempolimits

Insgesamt sprechen die Beamten an der B15 drei Verwarnungen aus. In Riedering gab es bei einer Kontrolle, die zur gleichen Zeit stattfand, nur eine einzige Beanstandung. „Für uns ist das ein klarer Erfolg“, sagt Maurer. Ihm und seinen Kollegen gehe es nicht darum, möglichst viele Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind, zu erwischen, so der Hauptkommissar. Der Fokus bei dem Blitzermarathon liege primär darauf, die Verkehrsteilnehmer dazu zu bringen, die Tempolimits einzuhalten.

„Es ist uns ein Anliegen, dass das Bewusstsein dafür gestärkt wird“, sagt Maurer. Das unterstreicht auch Innenstaatssekretär Sandro Kirchner: „Im Straßenverkehr entscheidet die Geschwindigkeit über Leben und Tod. Das Ziel unserer Aktion ist es, Raser zu stoppen, Leben zu schützen und die Menschen für verantwortungsvolles Fahren zu sensibilisieren.“

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