Obing/Nürnberg – Im Schützenheim in der Turnhalle hat der FC Bayern-Fanclub Obing’84 vor Kurzem seine Jahreshauptversammlung abgehalten. Die Mitglieder blickten auf das vergangene Jahr 2025 zurück. Außerdem wurden anstehende Vereinsfeste bekannt gegeben, bei den Neuwahlen wurden die alten Vorstandsmitglieder einstimmig in ihren Ämtern bestätigt, und auch das soziale Engagement kam nicht zu kurz. Ein Thema gab es jedoch, das für Kopfschütteln sorgte: eine Anfrage des FC Bayern-Fanclubs „Munich Madness“ aus Nürnberg, den Obinger Verein aufzukaufen.
Wie Vorsitzender Christian Schnebinger gegenüber der Redaktion erklärt, erfolgte die erste Kontaktaufnahme der Nürnberger über Whatsapp. Kurz und bündig wurde über das Kaufinteresse informiert, zugleich wurde eine vierstellige Summe in Aussicht gestellt.
Schnebinger war zunächst irritiert: „Ich wusste am Anfang nicht, ob ich das ernst nehmen und überhaupt antworten soll.“ Doch er hakte nach. Der Nürnberger bestätigte, dass das Angebot vollkommen ernst gemeint sei. Auf erneute Nachfrage nannte der Interessent schließlich seine konkrete Preisvorstellung: 3.000 Euro. „Und da musste ich erst einmal laut lachen“, sagt Schnebinger. Als er nachfragte, warum denn überhaupt Interesse an einem Kauf besteht, zeigte sich der eigentliche Grund für den kuriosen Übernahmeversuch: das wertvolle Kartenkontingent der Obinger.
Da es für Spiele des FC Bayern im regulären freien Verkauf so gut wie keine Tickets mehr gibt, gründen viele in der Hoffnung auf Eintrittskarten neue Fanclubs. Doch so einfach funktioniert das System nicht. Die Obinger profitieren von ihrer jahrzehntelangen Treue.
Wie Schnebinger erklärt, rief der FC Bayern zur Eröffnung der Allianz Arena das sogenannte „Allesfahrer-Programm“ ins Leben. Dabei wurden Tickets angeboten, mit denen Käufer jedes Heimspiel des FC Bayern besuchen können. Um daran teilzunehmen, mussten mindestens 45 Karten abgenommen werden. Weil das allerdings für Obing allein ein zu großes Risiko war, schloss man sich damals mit den befreundeten Fanclubs aus Seeon und Altenmarkt zusammen, um das Angebot stemmen zu können. Über die Jahre stieg die Ticketnachfrage immer weiter an. Der FC Bayern wollte das Programm wieder streichen, doch die treuen Fanclubs des Vereins rebellierten: „Das haben wir uns dann auch nicht gefallen lassen“, betont Schnebinger. Das Resultat: Nur Fanclubs, die vom ersten Tag an lückenlos dabei waren, behielten ihr Privileg. Wer hingegen zwischendurch auch nur einmal aussetzte, verlor den Status unwiderruflich.
Die Obinger gehören damit heute zu einem exklusiven kleinen Kreis unter den Fanclubs, die jedes Jahr 35 bis 45 Allesfahrer-Karten beantragen können. Weil ein solches Kontingent nicht übertragbar ist, hätten die Nürnberger eben den Verein kaufen müssen, um davon zu profitieren.
Wie Schnebinger weiter berichtet, wurde der Interessent in einem anschließenden Telefongespräch sogar etwas unverschämt. Der Anrufer argumentierte, die Obinger hätten ihren Fanclub ja bereits über 40 Jahre und seien „schon so alt“. Er meinte, „es könnten mit dem Kauf auch mal Jüngere zu den Spielen fahren“ und die Obinger bräuchten nicht mehr so oft ins Stadion, da sie den FC Bayern „ja schon so oft gesehen“ hätten.
Für Christian Schnebinger war dieses Ansinnen völlig indiskutabel. Seine Antwort fiel unmissverständlich aus: „Nein! Wir geben doch nicht unser Lebenswerk auf, das wir über 40 Jahre lang aufgebaut haben. Und das auch noch für lächerliche 3.000 Euro.“ Dieser Meinung waren auch die weiteren Vereinsmitglieder. Somit bleiben der Verein und die wertvollen Eintrittskarten auch weiterhin fest und treu in Obinger Hand.