Starbulls mit neuer Struktur

von Redaktion

Die Mitglieder der Starbulls Rosenheim haben einer weitreichenden Strukturänderung zugestimmt. Der wirtschaftliche Spielbetrieb der Profimannschaft wird aus dem Verein in eine neu gegründete GmbH ausgegliedert. Dieser Schritt soll den Klub professionalisieren und ist eine Voraussetzung für einen möglichen Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.

Rosenheim – Ein wenig Bauchschmerzen und Bedenken waren am Anfang schon dabei. Das musste auch Stephan Gottwald zugeben. „Der erste Gedanke daran war schon ungewohnt, auch für mich“, sagte der Dritte Vorsitzende des Rosenheimer Eishockeyvereins und langjährige Kapitän der Starbulls kurz vor einer der wohl wichtigsten Entscheidungen seit Vereinsgründung. Wieder einmal hatten die Starbulls zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Wieder einmal gab es Großes zu verkünden.

Weitere
Professionalisierung

Die Starbulls Rosenheim wollen sich umstrukturieren. Der wirtschaftliche Spielbetrieb soll aus dem Verein ausgegliedert werden – in die neu gegründete „SBR Spielbetriebs GmbH & Co. KG“. Heißt mit anderen Worten: Alles, was den Profibereich um die erste Mannschaft der Starbulls betrifft, wird in Zukunft rechtlich über diese neue Gesellschaft und nicht mehr über den Verein geregelt. Darüber werden nun unter anderem die Gehälter der Spieler und Trainer bezahlt, die Kosten für den Spielbetrieb wie für Auswärtsfahrten oder Schiedsrichter übernommen oder die Ausrüstung gekauft.

In erster Linie gehe es aber um die weitere Professionalisierung der Starbulls sowie die Risikoreduzierung, erklärte Peter Dürr, Mitglied des Wirtschaftsbeirats des Vereins und selbst Jurist. „Ausgliederung darf nicht falsch verstanden werden, wir sind jetzt kein Start-up-Unternehmen, das für teures Geld sein Unternehmen verkaufen will“, sagte er. Die finanziellen Zahlen seien allerdings in den vergangenen Jahren immer größer geworden, genauso wie die Aufgaben. Die Mitglieder des Vorstands hätten sich aber bislang ehrenamtlich darum gekümmert – und auch persönlich dafür gehaftet. Zum Beispiel dann, wenn der Verein finanziell in Schieflage geraten wäre.

Entsprechend erfolge die Ausgliederung auch, um die Haftung neu aufzustellen, betonte Dürr. Der Jurist wollte im selben Zug den Fans auch einige Sorgen nehmen. „Der Verein bleibt vollständig erhalten“, machte er deutlich. Allein schon, weil die Regularien vorsehen, dass zwischen dem Verein und der neuen Spielbetriebs GmbH & Co. KG ein Kooperationsvertrag bestehen muss. „Das Geld verdient natürlich der Spielbetrieb, der Verein wird sozusagen von der Gesellschaft finanziell gefüttert“, erklärte Dürr. Geld, das für den Nachwuchs zwingend notwendig ist. Der Vertrag dafür sei auch langfristig für zehn Jahre abgeschlossen worden.

Genauso habe die Ausgliederung keine Auswirkungen auf die Mitgliederrechte. „Es gibt weiter Mitgliederversammlungen“, sagte Peter Dürr. Zudem gebe es zur Kontrolle der neuen Spielbetriebs GmbH & Co. KG einen Aufsichtsrat – der Vorsitzende dieses Rates ist in Zukunft Marcus Thaller, Erster Vorsitzender des Vereins. Darüber hinaus müssen die Starbulls immer mindestens 51 Prozent der Anteile der GmbH halten.

„Auch daran sieht man, dass hier nicht eine Gesellschaft für uns einfach eigenständig agiert, sondern immer eine Verbindung zum Verein da sein muss“, betonte Dürr. Angst um den Verein müsse niemand haben.

Auch nicht, was die nächste Saison in der DEL2 betrifft. Schließlich müssen die Starbulls von der Liga für die Saison 2026/27 noch lizenziert werden – also das grüne Licht erhalten, dass eine Teilnahme auch finanziell gestemmt werden kann. Selbst wenn bei der Ausgliederung etwas dazwischenkommt und es länger dauert als geplant, werde zur Not noch einmal der Verein lizenziert und nicht die Spielbetriebs GmbH. „Das haben wir uns von der Liga schon absichern lassen“, sagte Dürr. Der neuen Saison stehe damit nichts im Wege.

Im Gegenteil. Die Ausgliederung ist sogar ein ganz wichtiger Schritt für die Zukunft: „Wer in die 1. Liga aufsteigen möchte, braucht eine solche Gesellschaft“, erklärte Peter Dürr. Heißt: Wenn die Starbulls Meister geworden wären und das Recht zum Aufstieg gewonnen hätten, hätte sie die DEL als Verein nicht aufgenommen.

Selbst in der 2. Liga gebe es nur noch einen anderen Standort, der juristisch als Verein agiere. Mit der Ausgliederung werden nun aber die Weichen für den Aufstieg gestellt – „wann auch immer der sein wird“, ergänzte Starbulls-Chef Marcus Thaller. Es waren Argumente, die auch die anwesenden Starbulls-Mitglieder überzeugten. Mit 150:1 Stimmen entschieden sie sich für die Ausgliederung. 16 Mitglieder enthielten sich. Damit ist auch eine der letzten Hürden für die Ausgliederung geschafft, den Ausgliederungsvertrag hatten die Verantwortlichen der Starbulls bereits im März unterschrieben. Wenn das Registergericht zustimmt, ist die Ausgliederung fix.

Für diese muss sich bei den Starbulls allerdings auch personell etwas ändern. Weil der bisherige Zweite Vorsitzende Hans-Peter Schwarzfischer eine neue Aufgabe als Geschäftsführer „innerhalb der Organisationsstruktur der Starbulls“ wahrnimmt und so nicht mehr im Vorstand sitzen kann, musste der Platz neu besetzt werden. Ab sofort übernimmt das Amt Stefan Redl.

„Für mich ist das eine Herzensangelegenheit“, sagte der 45-jährige Rosenheimer, der bereits einige Zeit in der Starbulls-Familie aktiv war. Der Familienvater und Finanz- und Steuerexperte werde wohl aufgrund seines Berufs nicht ganz so oft im Stadion sein, dafür aber die Gelder der Starbulls genau im Blick behalten. Um die stehe es aber derzeit ganz gut, verkündete Marcus Thaller während der Mitgliederversammlung.

Blick auf die
Einnahmenseite

Allein die Einnahmen im Sponsoringbereich hätten sich in den vergangenen drei Jahren nahezu verdreifacht. Auch mit dem Umbau der Stehplätze zu Sitzplätzen hätten Mehreinnahmen generiert werden können. Mit dem im März begonnenen Umbau des Stadions und der Ausgliederung sei nun ein weiterer wichtiger Schritt gemacht.

So gebe es für alle, die zu den Starbulls Rosenheim halten, eigentlich nur eine Botschaft, betonte Stephan Gottwald: „Wir haben alle das gleiche Ziel, der Zusammenhalt im Verein wird nicht weniger und von der Ausgliederung werden wir alle profitieren.“

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