Nachdenken über das, was heilig ist

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Im Traum sehe ich, wie Donald Trump in den Himmel kommt. Der Engel an der Pforte reibt sich verwundert die Augen und bringt den Präsidenten gleich zum lieben Gott. Der hat ihm einige Fragen zu stellen, die Trump gut beantworten kann. Bis zur letzten, alles entscheidenden. Da fragt Gott: „Donald, was glaubst du?“ Darauf Trump: „Ich glaube, du sitzt auf meinem Stuhl!“ – Diesen Witz habe ich am Ende der Osternacht im Gottesdienst erzählt. Beim sogenannten „Risus Paschalis“ wird sogar gefordert, die Gläubigen vor dem Segen zum Lachen zu bringen. Durch den Sieg über den Tod haben wir an diesem Tag auch allen Grund zur Freude. Der Osterwitz ist in der Liturgie die humorvollste Stelle im ganzen Jahr. Eine Woche danach wird mein Osterwitz auf einmal erstaunlich aktuell, denn Präsident Trump liefert sich mit Papst Leo einen verbalen Schlagabtausch. In der Folge postet er auch noch ein KI-generiertes Foto, das ihn selbst als alleinigen göttlichen Erlöser zeigt. Als ich das Bild in den Medien sehe, muss ich doch zweimal hinschauen. Wenn man bedenkt, wie viel Aggression Karikaturen des Propheten Mohammed vor ein paar Jahren ausgelöst haben, bin ich froh um die Freiheit der öffentlichen Meinung. Dankbar für Selbstironie und Toleranz. Doch es gibt meiner Meinung nach auch und gerade für einen Staatsmann eine Grenze des Anstands und des Respekts. Leise erinnere ich mich an ein Zitat des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King: „Nichts auf dieser Welt ist gefährlicher als aufrichtige Ignoranz und gewissenhafte Dummheit.“ Was uns heilig ist, sollte auch heilig bleiben.

Artikel 6 von 11