Oberaudorf – Was als routinierter Waldtag einer Kindergartengruppe begann, endete in einem Großeinsatz. Zwei Buben im Alter von vier und fünf Jahren hatten sich – wie berichtet – am vergangenen Dienstag bei einem Ausflug ihres Kindergartens „Schatztruhe“ aus der Gemeinde Oberaudorf von ihrer Gruppe entfernt. Plötzlich waren sie verschwunden und eine riesige Suche startete.
„Wir sind von der Kindergartenleitung ziemlich schnell informiert worden“, sagt Jens Krüger von der Polizei Brannenburg. Innerhalb kürzester Zeit lief die Maschinerie an: „Schnell wurden Kräfte aus dem ganzen südlichen Landkreis zusammengezogen“, erzählt er. Sogar ein Einsatzzug der Bereitschaftspolizei aus Traunreut rückte an. Rettungshunde, ein Hubschrauber. Der Grund: „Bei so kleinen Kindern versucht man alles“, erklärt der Polizist.
Da lagen die ersten Schrecksekunden schon hinter der Kindergartenleiterin Ute Peter und ihrem Team: „Das ist das erste Mal in meiner ganzen Laufbahn“, sagt Peter auf OVB-Anfrage. Dabei sind die Abläufe eigentlich klar mit den Kindern abgesprochen. „Wir haben wöchentlich diesen Waldtag, und daher sind die Kinder geschult.“ Treffpunkte, Grenzen, Regeln – alles ist besprochen. Doch die zwei Buben gingen am vereinbarten Treffpunkt weiter. „Die waren einfach im Spiel drin“, erklärt sich Ute Peter, dass sie auch auf Rufe der Erzieher nicht mehr reagierten. Weil hinter dem eigentlichen Treffpunkt der Wald beginnt, alarmierte die Kindergartenleiterin sofort die Polizei, Eltern und die Gemeinde als Träger des Kindergartens.
Was die Suche so schwierig machte, beschreibt die Polizei: „Eine systematische Suche ist schwierig“, sagt Krüger. Egal ob bei Kindern oder Erwachsenen – in Ausnahmesituationen sei kaum vorhersehbar, wohin sie sich bewegen. Ein entscheidender Hinweis kam schließlich aus der Bevölkerung: Ein Mann meldete, er habe die Buben kurz zuvor gesehen. „So wussten wir zumindest die Richtung“, so Krüger. Überhaupt habe sich ein „großes Miteinander“ gezeigt. Nachbarn, Anlieger und Gemeindemitarbeiter beteiligten sich an der Suche. Für Ute Peter keine leichte Situation: „Vom Emotionalen her funktioniert man wie ein Uhrwerk.“ Eine Kollegin blieb bei den anderen 14 Kindern und erklärte ihnen die Situation. Etwas Beruhigung brachte das Wissen, dass die beiden Ausreißer öfter im Gelände unterwegs sind. „Sie haben keine Angst vor dem Wald und kennen die Gefahren“, weiß die Kindergartenleitung.
Nach etwa zwei Stunden merkten die beiden Buben selbst, dass es mit ihren Abenteuern reicht, vermutet Peter. Sie kehrten auf einen Weg zurück, wo sie eine Erzieherin schließlich leicht erschöpft fand. Der Hubschrauber kreiste da noch über dem Gebiet. „Den haben sie zwar gehört und das fanden sie auch ganz spannend.” Aber mit sich in Verbindung hatten sie ihn nicht gebracht, erzählt Ute Peter. Dennoch: Die Erleichterung ist bei Eltern, Erziehern und Einsatzkräften groß. Für Ute Peter und ihr Team ist weiterhin wichtig: „Das Prinzip, wir trauen unseren Kindern was zu, bleibt bestehen.“ Aber die Verhaltensregeln bei Ausflügen und vor allem die Vereinbarungen mit den Erziehern werden mit den Kindergartenkindern noch einmal genau besprochen.
Trotz aller Aufregung zieht auch die Polizei ein positives Fazit. Krüger: Wer Kinder allein im Wald sieht, sollte nicht zögern, sie anzusprechen und Hilfe zu holen. Und im Ernstfall gilt: „Sofort die Polizei verständigen.“
Jasmin Eiglmeier