Fahrstunden mit den Eltern umstritten

von Redaktion

Fahrstunde mit den Eltern? Was für den ein oder anderen Teenager nach Stress und Streit klingen mag, könnte schon bald Realität werden. Zumindest nach den Plänen der Bundesregierung. Nicht alle sind von der Laienausbildung überzeugt.

Rosenheim – 3.400 Euro kostet der Autoführerschein laut Bundesverkehrsministerium in Deutschland im Durchschnitt. Eine Summe, die sich nicht mehr jeder leisten kann und will. Daher plant die Bundesregierung nun verschiedene Maßnahmen, um die Kosten für Fahrschüler zu senken. Neben Digitalisierung, Bürokratieabbau und weniger Sonderfahrten plant das Verkehrsministerium eine Neuerung, die zunächst fünf Jahre lang getestet werden soll: die Laienausbildung.

Blick in
Nachbarländer

Unsere Nachbarn bieten das seit Längerem an. So können in Österreich Führerscheinanwärter schon vor ihrer Prüfung mit einer nahestehenden Person auf dem Beifahrersitz üben. Heißt also: Wenn beispielsweise ein Elternteil mit Führerschein mitfährt, kann der Fahrschüler auf öffentlichen Straßen seine Fahrkünste üben. Und genau das könnte es im kommenden Jahr auch in Deutschland geben. 1.000 Kilometer sollen die Fahrschüler dann zum Beispiel mit ihren Eltern auf dem Beifahrersitz absolvieren.

In der Region blickt man mit Skepsis auf diese Idee. „Ich glaube nicht, dass das in Deutschland funktionieren wird“, sagt Metin Mergen, Vorsitzender des Regionalverbandes Rosenheim beim Landesverband Bayerischer Fahrlehrer.

Laut Plan des Ministeriums dürften die Schüler bereits nach sechs Stunden in der Fahrschule mit den Eltern fahren. Auf Nachfrage, wie weit ein durchschnittlicher Fahrschüler nach dieser Anzahl an Fahrstunden sei, antwortet Mergen mit einem Schmunzeln: „Ich bin froh, wenn der Schüler dann geradeaus lenken kann.“

Doch es ist nicht nur die Sicherheit, die eine Rolle spielt. „Lassen wir mal dahingestellt, ob das im Straßenverkehr gutgehen wird“, sagt Mergen. „Ich denke nicht, dass die Eltern das annehmen werden.“ Denn ein Punkt scheint vonseiten der Regierung nicht bedacht worden zu sein: die Versicherung. „Wenn die Kinder sich vielleicht 1.000 Euro sparen könnten durch diese Laienausbildung, kassiert das am Ende die Versicherung“, vermutet Mergen. Daher sehe er diesen Aspekt der Reform sehr entspannt.

Bei der Versicherungskammer hält man sich zu dieser Thematik bedeckt. Auf Nachfrage, wie eine Laienausbildung die Versicherungsbeiträge beeinflussen könne, antwortet ein Sprecher: Grundsätzlich begrüße man die Reform. Der Sprecher lenkt allerdings auch ein: „Der Erfolg der Laienausbildung bleibt abzuwarten, insbesondere weil den Eltern die methodischen Ausbildungsgrundlagen fehlen.“

Im Allgemeinen rechnet Fahrlehrer Mergen nicht wirklich mit einer Vergünstigung des Scheins. „Man muss ja nur mal die Spritpreise und Personalkosten betrachten. Da kann der Führerschein gar nicht billiger werden.“

Deutlichere Worte zur Laienausbildung findet Alex Breu, Betreiber der Fahrschule Habenstein und Breu: „Die Laienausbildung sollte auf keinen Fall kommen, denn die Verkehrssicherheit muss in Deutschland an erster Stelle bleiben.“ Zu viele Fragen blieben offen. Etwa, wer die Verantwortung bei einem Unfall trage oder welche rechtlichen Folgen dem Begleiter drohen würden.

Zudem fielen Breu zufolge etliche Fahrschüler durchs Raster, da ihnen kein geeigneter Begleiter oder kein Fahrzeug zur Verfügung stünde. „Eine Reform, die nur einer kleinen Minderheit nützt, könnte letztendlich einem seit Jahrzehnten funktionierenden Ausbildungssystem massiven Schaden zufügen.“ Breu plädiert für professionelle Gelassenheit, die Fahrlehrer dank ihrer Ausbildung mitbringen, statt Schweißausbruch, Diskussionen und „Nervenkrimi mit Familiendynamik“ im Pkw.

ADAC spricht sich für Laienausbildung aus

Ganz anders sieht man das beim ADAC. „Aus Sicht des ADAC greift das Vorhaben ein wichtiges Thema auf“, erklärt ein Pressesprecher auf OVB-Anfrage. „Die Reform könnte nicht nur dafür sorgen, dass Führerscheinanwärterinnen und -anwärter finanziell entlastet werden.“ Zudem könne die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Denn mehr Fahrpraxis senke das Unfallrisiko nachweislich. Beim ADAC Südbayern sieht man die Übungsfahrten in der Laienausbildung als sinnvolle Ergänzung zu den „unersetzbaren, qualitativ hochwertigen Fahrstunden“. Die Vorschläge seien dabei als Erweiterung des bisherigen Unterrichts zu verstehen und böten mehr Flexibilität.

Diese Regeln gelten

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