Rosenheim – Alle Mücken sind lästig. Aber diese Art ist auch noch gefährlich: Tigermücken können schlimme Krankheiten übertragen. Und sie sind im Anflug. Einst in Südostasien beheimatet, hat sich die asiatische Tigermücke infolge der Globalisierung in Handel und Tourismus zunächst in Südeuropa ausgebreitet. Und nun wandert sie gen Norden, ein Eindringling, der von der Klimaerwärmung profitiert. Auch in Bayern setzt sich die Mücke an immer mehr Orten fest. Bis sie Rosenheim unsicher macht, ist womöglich nur noch eine Frage der Zeit.
Einzelne Funde
auch in Rosenheim
In München, Fürth und Würzburg kommt Aedes albopictus – die „schwarzweiß gemusterte“ Mücke – bereits seit Längerem vor. Mittlerweile haben sich nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auch in Nürnberg und den Landkreisen Forchheim und Wunsiedel Mosquito-Populationen etabliert. Einzelne Funde der bis zu zehn Millimeter großen Mücke gab es 2025 in acht weiteren Städten und Landkreisen – darunter im Landkreis Rosenheim.
Die Asiatische Tigermücke ist anders als viele heimische Arten auch tagsüber aktiv und spürbar aggressiver. Was sie möglicherweise zu einem Risiko macht: Sie ist in der Lage, Krankheitserreger zu übertragen, etwa Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren. Allerdings: Die in Bayern vorkommenden Tigermücken seien in der Regel keine Träger dieser Erreger, erklärte das LGL. „Im Falle eines Stichs der Asiatischen Tigermücke besteht in Deutschland somit zunächst kein Grund zur Sorge.“
Das Wörtchen „zunächst“ macht einen misstrauisch. Das LGL schränkt denn auch ein: Das Risiko, dass Tigermücken die Erreger von erkrankten Reiserückkehrern auf andere Menschen übertragen, steige in der Tat, wenn sich die Insekten ausbreiteten. Deshalb ist es aus Sicht des LGL wichtig, gegen die Mücke vorzugehen.
In München hat man bereits Erfahrung mit den Insekten. Dort wurden in den vergangenen Jahren verschiedene etablierte Populationen beobachtet. „Etabliert“ bedeutet, dass diese Ansiedlungen wegen der Klimaerwärmung auch die Winter überstehen. Im Landkreis Rosenheim wurden nur einzelne Exemplare geortet, und zwar lediglich in den Monaten Juli bis September.
2024 waren es zwölf Mücken und zwei Eiablagen, 2025 waren es nur sieben Mücken. „Glücklicherweise konnte bislang keine stabile, überwinterungsfähige Tigermückenpopulation in Stadt oder Landkreis Rosenheim nachgewiesen werden“, berichtet das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim.
Um zu kontrollieren, ob dem immer noch so ist, schwärmen bald Kontrolleure aus. Geplant ist, dass im Bereich der Autobahnraststätte Samerberg in diesem Sommer wieder Mückenfallen aufgestellt werden, und zwar drei Fallen für die Eiablage und acht Fallen für die Mücken selbst. Mückenmonitoring nennt sich das, ein Verfahren, das das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem LGL anwendet.
Abgesehen davon, dass eine dauerhafte Ansiedlung der Mücke noch nicht gesichtet wurde, gibt es eine weitere gute Nachricht: Die Gefahr einer Infektion mit Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren wird vom Gesundheitsamt als „eher sehr gering“ eingestuft.
Infektionen mit diesen Viren sind noch selten und bislang überhaupt nur bei Reiserückkehrern festgestellt worden. Wer Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen verspürt, solle sich auf die genannten Krankheiten testen lassen und ansonsten darauf achten, nicht noch einmal gestochen zu werden.
Appell an die
Bevölkerung
Länder wie Frankreich oder Italien sind bereits flächendeckend von der Tigermücke besiedelt. Auch in Bayern verbreiten sich die Quälgeister. Die steigenden Durchschnittstemperaturen lassen erwarten, dass sie sich auch im Voralpenland weiter ausbreiten.
Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Hierl will es dem Eindringling aus dem Fernen Osten aber zumindest so schwer wie möglich machen. Er appelliert daher an die Bürger der Region: „Vermeiden Sie grundsätzlich stehende Wasseransammlungen.“ Wer einen Garten oder einen Balkon habe, solle Regentonnen oder sonstige Behältnisse abdecken sowie Wasser in Planschbecken, Untersetzern oder Vogeltränken regelmäßig einmal in der Woche austauschen.