Tuntenhausen – Ein würdiger Gottesdienst, eine unter die Haut gehende Predigt und ein Ministerpräsident, der in seiner Rede Freiheit, Heimat und Glaube in den Mittelpunkt stellte: Das prägte die Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen am gestrigen Sonntag.
Die Wallfahrt begann mit dem Festgottesdienst in der Basilika von Tuntenhausen, der von Abt Petrus Höhensteiger aus Schäftlarn zelebriert wurde, wunderbar untermalt vom Kirchenchor unter der Leitung von Gabi Gröbmeier, der die OrgelSolo-Messe von Mozart spielte. In seiner Predigt betonte Abt Höhensteiger, dass die Wallfahrt weit mehr sei als gelebte Tradition – sie sei ein Ausdruck des Suchens und Glaubens auf dem persönlichen Lebensweg. Gerade in einer Zeit, die von Spannungen und Unsicherheiten geprägt sei, werde Tuntenhausen für viele Menschen zu einem Ort der Orientierung und des inneren Friedens. Der Abt rief dazu auf, das eigene Leben neu auszurichten – hin zu einem Leben getragen von Hoffnung. Vor dem abschließenden Segen appellierte der Abt noch eindringlich daran, bei sich selbst zu beginnen: Wer bereit sei, sich selbst zu verändern, könne auch die Welt und das eigene Umfeld positiv gestalten.
Anschließend fand im benachbarten Gasthaus die obligate Kundgebung statt. Im vollen Wirtssaal begrüßte Staatsminister Dr. Florian Herrmann die Gäste und lobte das Standkonzert der Schönauer Musi vor dem Gasthaus. Ebenso beeindruckt zeigte sich der Minister von der Mozartmesse des Kirchenchors. „Es ist eine gewisse Säkularisierung wahrzunehmen“, konstatierte Herrmann – eine Abnahme der Volkskirche. Umso mehr ermutigt ihn die rechtliche Verteidigung des Kreuzes. „Die Entscheidung war mutig und richtig“, betonte der Minister und lobte den Ministerpräsidenten für sein Engagement gegen das Abhängen der Kreuze. „Da drüben, im Herrgottswinkel, hängt auch ein Kreuz, ganz traditionell“, lobte er Eigentümer Hans Schmid.
Dr. Markus Söder sprach dann in einer launigen, pointierten und manchmal auch scharfzüngigen Rede über die Bedeutung von Tradition, Glaube und regionaler Identität für die bayerische Gesellschaft. Er betonte die Rolle der Landwirtschaft und des ländlichen Raums. „Sie sind die kulturelle und wirtschaftliche Säule unseres Bayern“, so Söder. Zugleich seien Freiheit und Heimat zentrale Werte bayerischer Identität, die es gerade in Zeiten der Globalisierung und des gesellschaftlichen Wandels zu bewahren gelte. Söder reflektierte auch persönliche Erfahrungen und beschrieb, wie der Glaube ihm Kraft gegeben habe. Er sprach sich deshalb für ein stärkeres öffentliches Bekenntnis zum Glauben aus und betonte die Bedeutung der christlichen Werte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zum Ende seines Vortrags griff er noch politische Themen auf, wie den Schutz des ungeborenen Lebens, Hospiz und Palliativversorgung sowie die Bedeutung und den Erhalt christlicher Feiertage. Abschließend würdigte er das Engagement des katholischen Männervereins als wichtigen Bestandteil der bayerischen Kultur und betonte die Notwendigkeit, Traditionen und Werte Bayerns trotz moderner Herausforderungen zu bewahren.
Dem stellvertretenden Vorsitzenden Otto Lederer oblag es dann, allen Beteiligten zu danken. Er nahm Söders Worte auf und warnte: „Globalisierung und Digitalisierung führen zu einer gefährlichen Gleichmachung.“ Lederer sprach deshalb von der Wichtigkeit der gelebten Identität und von Werten statt bloßer Folklore. Nach lang anhaltendem Schlussapplaus sangen die Wallfahrer gemeinsam die Bayernhymne. Dr. Markus Söder durfte sich vor seiner Abfahrt zum nächsten Termin noch in das Goldene Buch der Gemeinde Tuntenhausen eintragen.
Werner Stache