Vermieter wegen kalter Wohnung mit Eispickel angegriffen

von Redaktion

Weil die Heizung nicht funktionierte, rastete ein 39-Jähriger in Unterwössen aus – Drei Jahre Haft

Unterwössen/Traunstein – Sie bewohnen seit knapp zehn Jahren dasselbe umgebaute Bauernhaus im Unterwössener Ortskern, aber die Konflikte schaukelten sich mit der Zeit immer mehr hoch. Am späten Abend des 17. Dezember 2024, nach einer Flasche Wodka, hatte ein 39-jähriger Mieter dann genug. „Heizung und Warmwasser sind mal wieder nicht gegangen. Ich hab’ elendig gefroren“, erklärte der Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht Traunstein. „Drum hab‘ ich mir gedacht: Hau‘ ich ihm mal mit dem Eispickel eine Scheibe ein, dass er auch frieren muss.“

Im Visier hatte er seinen Vermieter, der im Erdgeschoss wohnt. Aber beim „Scheibe-Einhauen“ sollte es nicht bleiben.

„Ich hab‘ es klirren hören, dann bin ich zur Haustür“, erzählte der 51-jährige Hauseigentümer vor Gericht. Ein Maskierter mit Eispickel in der Hand stand vor ihm und schrie: „Ich bring‘ dich jetzt um.“ An der Stimme habe er erkannt, dass es sein Mieter war. Dem ersten Stich mit dem Eispickel in Richtung seines Bauches habe er noch ausweichen können. Als der Vermieter dann damit zuschlagen wollte, konnte er das jahrzehntealte Bergsteiger-Equipment zu fassen bekommen. „Ich hatte Todesangst und hab‘ um Hilfe geschrien, wie ich nur konnte.“

Eine wilde Rangelei entwickelte sich im Garten des Bauernhauses, bei der der Vermieter die Oberhand behielt.

Ungefähr 22.45 Uhr war es, als dann Nachbarn, teils im Schlafanzug, herbeieilten. „Das war wie ein Ringkampf, die beiden hatten richtige Hass-Gefühle“, erzählte ein Nachbar vor dem Landgericht. „Der will mich umbringen“, habe der Vermieter geschrien – und der Mieter habe zurückgeschrien: „Wenn die Heizung nicht geht, kann man schon zwider werden.“

Der Nachbar hielt den 39-jährigen Angreifer dann in Schach, kurz darauf kam die Polizei. Auch eine Polizistin berichtete: „Der Angeklagte hat gleich, als wir gekommen sind, geschimpft, dass er kein warmes Wasser und keine Heizung hat.“

Dass es Probleme mit dem Heizen gab, gestand der Vermieter vor Gericht ein. Im Gegenzug habe der Angeklagte aber einfach den Kachelofen herausgerissen und einen neuen eingebaut. Eine fünfstellige Summe an Miete schulde er ihm auch noch. „Ich hab ihm schon mehrmals gekündigt, aber das interessiert ihn nicht.“

Der Angeklagte sagte dagegen: „Dem Vermieter war immer alles wurscht.“ Überhaupt gab er vor Gericht nur zu, die Fensterscheibe eingeschlagen zu haben und davor aus einem Tisch im Garten Bretter herausgesägt zu haben, zum Heizen. Mit dem Eispickel zugehauen habe er nicht und beim Kampf mit dem Vermieter habe auch er Todesangst gehabt.

Der Vermieter erlitt durch die Attacke des 39-Jährigen Schürfwunden. Noch heute müsse er täglich an den Überfall denken, sagte er vor Gericht aus.

Staatsanwalt Alexander Foff sah darin gar einen versuchten Totschlag. „Der Vermieter kämpfte um sein Überleben“, so Foff. Er plädierte auf sechs Jahre und drei Monate Haft. Der Angeklagte stand unter offener Bewährung. Wegen kleinerer Delikte ist der 39-Jährige mehrfach vorbestraft.

Verteidiger Michael Vogel meinte dagegen: „Mein Mandant wollte dem Vermieter nichts tun. Die Stichbewegung mit dem Eispickel ging auch nicht in seine Richtung, sondern nachweislich gegen den Türstock.“ Mit der bereits abgesessenen U-Haft sollten die Bedrohung und die Sachbeschädigungen abgegolten sein, so Vogel.

Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler glaubte schließlich der Version des Vermieters: Mit „erheblichen Hass-Gefühlen“ habe der 39-Jährige den Mann überfallen und verletzen wollen. Eine tatsächliche Tötungsabsicht erkannte das Gericht aber nicht. Aber ein solcher Überfall in der Nacht, in der eigenen Wohnung, sei kein Kinderspiel und kein einfaches Erschrecken – noch dazu mit einer „Horror-Maske“, wie es Ziegler ausdrückte. Drei Jahre Haft wurden dem Unterwössener vom Landgericht aufgebrummt. Der Schuldspruch lautete auf Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung und versuchte gefährliche Körperverletzung. Xaver Eichstädter

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