Totalsperre am Brenner am 30. Mai

von Redaktion

Am Brenner droht im Pfingstreiseverkehr ein Verkehrschaos. Ein Tiroler Bürgermeister erzwingt am 30. Mai für eine Demonstration eine Vollsperrung der wichtigen Reiseroute. Experten raten Urlaubern sogar von der Nutzung von Schleichwegen ab, da die Blockade nicht zu verhindern ist.

Rosenheim/Brenner – Ende Mai, die Pfingstferien sind in vollem Gange und zahlreiche Urlauber machen sich auf den Weg in Richtung Italien. Dass auf der Brennerautobahn während der bayerischen Ferien generell einiges an Verkehr herrscht, ist kein Geheimnis – zum Leidwesen der Tiroler Anwohner. Denn die beklagen sich regelmäßig über die Blechlawinen, die durch ihre eigentlich idyllische Heimat, das Wipptal, rollen. Nun werden größere Geschütze aufgefahren: eine Demonstration auf der Brennerautobahn – inklusive Vollsperrung. Und das ausgerechnet mitten in den bayerischen Pfingstferien, pünktlich zum Bettenwechsel am 30. Mai.

Die Idee stammt von Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner. Er möchte damit auf die enorme Verkehrsbelastung aufmerksam machen, der die Gemeinde ausgesetzt ist. Schon zweimal wurden in der Vergangenheit Mühlsteigers Anträge für eine Autobahn-Demo abgelehnt. Doch damit wollte sich der Bürgermeister nicht abfinden und legte Beschwerde ein. Ein Gericht gab ihm recht und sah das Recht auf Versammlungsfreiheit anhand der Absage verletzt. Nun kann also demonstriert werden.

„Wenn das alles so kommt, wie es angekündigt wurde, dann wird das eine mittlere Katastrophe“, befürchtet der Verkehrs- und umweltpolitische Sprecher beim ADAC, Alexander Kreipl. Von 11 bis 19 Uhr soll eine Totalsperre eingerichtet werden. Und zwar sowohl auf der Autobahn, als auch auf den Ausweichrouten, der Brennerstraße (B182) und der Ellbögener Straße (L38). „Für die Bayern ist Pfingsten die Hauptreisezeit“, weiß Kreipl. Umso ungünstiger ist also der Zeitpunkt der Sperre. Die Österreichische Autobahngesellschaft ASFINAG rechnet mit rund 32.000 Fahrzeugen, die von der Demo betroffen sein könnten.

Sollten sich alle Urlauber trotz der angekündigten Blockade auf den Weg machen, dürfte das Ergebnis ein Mega-Stau sein, der weit über die Grenzen Tirols hinausreicht. Zudem mahnt Kreipl: „Es gibt keine zu empfehlende Ausweichroute.“ Denn die österreichische Polizei will dafür sorgen, dass die kleinen Ausweichstraßen für den örtlichen Verkehr freigehalten werden. „Naheliegende Möglichkeiten wie das Timmelsjoch, der Reschenpass oder die Felbertauernstraße sind Passstraßen – die sind auch sofort verstopft.“ Auch zu einem Schlenker über die Tauernregion rät Kreipl nicht. „Die ist auch unter normalen Umständen schon massiv belastet.“ Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim blickt ebenfalls mit Sorge auf den 30. Mai. Man rechne mit „massiven Einschränkungen“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher der Behörde.

Für Urlauber bedeutet das: stornieren oder umplanen. Zumindest wenn man nicht einen gesamten Urlaubstag im Autobahn-Stau-Chaos verbringen möchte. Aber Kreipl warnt: „Wir vermuten, dass auch die Tage rund um den 30. Mai nicht entspannt sein werden.“ Davor warnt auch das Land Tirol auf seiner Website. Dort heißt es: „Rechnen Sie ganztägig mit Einschränkungen: Nicht nur zwischen 11 und 19 Uhr, sondern bereits davor und auch danach ist mit erheblichen Verkehrseinschränkungen und -maßnahmen sowie Verzögerungen zu rechnen.“

Auch eine frühe Anreise am Demo-Tag sollte gut überlegt sein. Selbst wenn man bereits um fünf Uhr morgens starte, könne man beispielsweise durch einen Unfall in einen Stau geraten und es dann nicht mehr rechtzeitig vor der Sperre über den Brenner schaffen. „Dann steht man halt bis abends auf der Autobahn.“

Ein Funken Hoffnung bleibt laut dem ADAC-Experten. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass frühzeitige Infos über mögliche Behinderungen die Autofahrer auch zum Umdenken bewegen. Bleibt nur die Frage, ob man vorab auch jeden erreicht. Und jene, die man nicht erreicht hat, wird man dann wohl voller Frust im kilometerlangen Demo-Stau antreffen können.

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