Waldbrandgefahr in Rosenheim

von Redaktion

Alarmstufe Dunkelrot droht besonders im Norden des Landkreises

Rosenheim – Die Situation ist ungewöhnlich. Und genauso beunruhigend. „Eine solche Lage so früh im Jahr, das ist schon sehr besonders“, sagt Richard Schrank. Der Rosenheimer Kreisbrandrat und seine Kollegen von den Feuerwehren blicken mit gemischten Gefühlen auf das lange Wochenende rund um den 1. Mai. In der ganzen Region steigt derzeit die Waldbrandgefahr. „Im Moment sind wir noch bei Stufe 4, ab Donnerstag (30. April) und Freitag (1. Mai) soll aber auch Stufe 5 erreicht werden“, gibt Schrank zu bedenken. Stufe 5 ist die höchste Warnstufe, die es gibt – und bedeutet „extreme Gefahr“.

Förster in der Region
Rosenheim sehr beunruhigt

Wie beunruhigend der Blick auf die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes tatsächlich sein muss, will auch Marius Benner, Forstdirektor beim Rosenheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, deutlich machen. „Die Förster des Landkreises Rosenheim machen sich große Sorgen“, sagt er auf OVB-Anfrage. Es müsse jetzt alles dafür getan werden, dass „wir die kritischen nächsten Tage ohne Waldbrand überstehen“.

„Schuld“ an der steigenden Waldbrandgefahr seien die zunehmend höheren Tagestemperaturen in Verbindung mit starker Sonneneinstrahlung, trockener Luft und lebhaftem Wind, sagt Benner. Zudem sind die Böden wegen der wenigen Regentage in den vergangenen Wochen sehr trocken. „Die Niederschlagsmengen im April waren heuer im Vergleich zu anderen Jahren sehr gering“, sagt auch Richard Schrank. Deswegen hätten die Feuerwehren in den vergangenen Wochen auch immer wieder mal kleinere Brände löschen müssen. „Das sind kleinere Freiflächenbrände mit einer Größe von zehn oder 15 Quadratmetern an Wiesen oder Waldstücken“, sagt der Kreisbrandrat.

Die besorgniserregende Trockenheit in der Region Rosenheim könne auch jeder selbst bei einem Ausflug feststellen. „Wenn man momentan über Waldboden geht, ist es, als ob man auf Chips treten würde: Es knistert und knackt bei jedem Schritt“, sagt Marius Benner. Allerdings gebe es örtliche Unterschiede. „Wir beobachten im Landkreis Rosenheim ein Süd-Nord-Gefälle“, sagt der Forstdirektor. Während die Regenfälle vom vorletzten Wochenende (18./19. April) die Waldbrandgefahr im südlichen Landkreis etwas abgemildert habe, sehe es im nördlichen Landkreis anders aus – dort sei es noch einmal deutlich trockener. Das zeigen auch die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. So gilt zum Beispiel an der Messstelle in Kiefersfelden (Gach) derzeit die Warnstufe 3, ab Samstag die Stufe 4. Im Vergleich dazu hat Amerang-Pfaffing bereits Stufe 4 erreicht, spätestens ab Freitag (1. Mai) ist dort die höchste Warnstufe angesagt. Insbesondere in den Orten nördlich der A8 sei die Gefahr wohl aber grundsätzlich höher, schätzt auch Richard Schrank. Ganz allgemein seien Wälder mit Nadelbäumen die Orte, an denen in den kommenden Tagen am schnellsten ein Feuer ausbrechen könnte. „Vor allem bei südexponierten Berghängen oder Waldrändern“, sagt Marius Benner. Nadelholzdominierte Wälder zeichneten sich häufig durch eine extrem trockene Bodenoberfläche aus, die mit harzhaltigen alten Nadeln und feinen Zweigen bedeckt ist. „Die wenigen Regenschauer der vergangenen Wochen sind an der immergrünen Baumkrone hängen geblieben, gleich von dort verdunstet und konnten somit den Boden nicht befeuchten“, erklärt der Forstdirektor.

Wenn dann auch noch im Schatten der Bäume die Pflanzen am Boden noch nicht ausgetrieben sind, sei die Feuergefahr noch größer. „Nicht zuletzt sind Nadelbäume wegen ihres hohen Harzgehaltes deutlich leichter entflammbar, was sich der Mensch im positiven Sinne bei Kaminfeuern durch die Verwendung von Kienspänen zunutze macht“, erklärt Benner.

Bei diesen Bedingungen reiche schon ein kleiner Funke, eine glimmende Zigarette oder ein heißer Katalysator eines geparkten Autos. „Und das kann sich innerhalb von wenigen Minuten zu einem Großbrand entwickeln“, sagt Kreisbrandrat Richard Schrank. Vor allem, wenn der Wind auch noch ungünstig mitspiele. So sei es auch nicht auszuschließen, dass es in der Region irgendwann zu einem ähnlich zerstörerischen Waldbrand kommt, wie man es aus Südeuropa, Amerika oder Kanada kennt. „Noch ist es nicht wahrscheinlich, aber aufgrund der Klimaveränderung auch nicht mehr ganz ausgeschlossen“, sagt Schrank. Damit erst gar kein Waldbrand ausbricht, hat das Landratsamt Rosenheim ein Verbot von Daxenfeuern erlassen. Zudem ist in Wäldern offenes Feuer ganz verboten. Wer dennoch ein offenes Feuer anzündet, muss einen Sicherheitsabstand von mindestens 100 Metern zu Wäldern einhalten. „Offene Feuerstätten sind ständig unter Aufsicht zu halten. Feuer und Glut müssen bei Verlassen der Feuerstätte erloschen sein“, teilt eine Sprecherin des Landratsamts mit.

Verhaltensregeln für
Erholungssuchende

Jeder, der am Wochenende um den 1. Mai Erholung in der Natur sucht, solle mit „gesundem Menschenverstand“ an die Sache herangehen, betont Richard Schrank. „Man sollte jetzt nicht glühende Sachen wegwerfen oder eine Kerze im Wald aufstellen“, sagt er. Und wer im Wald oder auf einer Wiese Rauch entdeckt, solle sofort den Notruf wählen.

Zusätzlich sollten die Zufahrtswege zu Wäldern freigehalten und nur ausgewiesene Parkplätze genutzt werden. „Wichtig ist, dass alle Waldbesitzenden und Erholungssuchenden die bekannten Verhaltensregeln beherzigen.“

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