Samerberg – Welchen Einfluss haben Lichtverhältnisse, Baumartenzusammensetzung und waldangepasste Wildbestände auf die Menge und Zusammensetzung der Naturverjüngung? Was muss bei der Pflege der Naturverjüngung beachtet werden? Welche Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten gibt es?
Gut 50 Teilnehmer aus Höslwang, Halfing, Eggstätt, Nußdorf und Neubeuern fanden sich kürzlich in einem Waldstück bei Wieslering am Samerberg ein, um bei einem Waldspaziergang von Förstern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und der Waldbesitzervereinigung Rosenheim (WBV) mehr über Naturverjüngung zu erfahren.
Vielfalt im Wald
langfristig erhalten
Betriebsleiter Andreas Traidl ging auf das private Waldgebiet ein, das die Waldbesitzer unter die Lupe nahmen. Dieses gehört zum Zementwerk Rohrdorf, umfasst rund 860 Hektar, davon 674 Hektar Wald, der Rest sind Almen und Forstlagerplätze. Die Jagd in diesem Waldgebiet werde durch die Eigentümer selbst ausgeübt, erklärte Traidl.
An der ersten Station erläuterte Fabian Hammerling vom AELF, Leiter des Forstreviers Rosenheim, die Sicherung und Pflege der Naturverjüngung. Man sehe hier „eine relativ schöne Spreitung (Bandbreite von Baumarten und Wuchshöhen, Anm. d. Red.) auf der Fläche“, mit Fichte, Tanne, Buche, Ahorn, Ulme und Esche. Um diese auch langfristig zu erhalten, brauche es schon frühzeitig ein Eingreifen und die richtige Mischwuchsregulierung.
Wie geht das? Mit Auflichten („Alle Bäume brauchen Licht“), behutsamem Nachlichten, also dem Fällen der Altbäume, mit dem Fördern von Samenbäumen und mit der richtigen Fäll- und Schlagordnung.
Wildverbiss und zu viel
Schatten vorbeugen
An der zweiten Station verteilte Katharina Holzner vom AELF, zuständig für Wald in den Gemeinden Halfing, Höslwang, Eggstätt und Tuntenhausen, Meterstäbe. „Was seht ihr auf einem Quadratmeter?“ Die Teilnehmer dieser Runde mussten sich hinknien, um die nicht einmal zehn Zentimeter hohen Bäumchen zu begutachten. 17 Ahorne, elf Tannen und drei Eschen fand eine Gruppe, eine andere nur zwölf Ahorne, fünf Tannen und zwei Eschen, aber dafür viel Efeu und Brombeeren.
Ganz schön viel Potenzial, befand Holzner. Aber man müsse die Pflanzabstände beachten, ebenso, ob die Bäume schattenverträglich seien. Sie listete die Vorteile der Naturverjüngung auf: Naturverjüngung koste nichts, alles, was sich hier angesamt habe, sei standortgeeignet, die Wurzeln seien natürlich entwickelt und es seien verschiedene Arten. Bei so viel Pflanzenvielfalt sei ein Verbiss nicht mehr entscheidend.
Sie wies auch darauf hin, dass eine Tanne bis zu 500 Meter weit ihre Samen vertragen kann, eine Buche dagegen einen schweren Samen hat, der einfach runterfällt, und dass Samen der Ulme sich bei Föhnsturm endlos weit verbreiten.
Am dritten und letzten Stand hatte Anna Gambos vom AELF, zuständig für Wald in den Gemeinden Nußdorf, Neubeuern und Pfaffing, ein kleines Wald-Modell aus Zweigen unterschiedlichster Nadel- und Laubbäume gebastelt. Sie betonte: „Pflanzung ist Heilung, Vorsorge ist Naturverjüngung.“ Zusammen ergebe das einen doppelten Boden, biete also Rückhalt und Vielfalt, auch wenn jede Pflanze unterschiedliche Ansprüche habe. Um Wildverbiss und zu viel Schatten vorzubeugen, brauche es unterschiedliche Maßnahmen und unterschiedliche Baumarten.
Gemischter Wald
ist weniger gestresst
Sie betonte: „Was selten ist, wird verbissen.“ Um die Triebe der Tannen, die sogenannte „Pfahlwurzler“ sind, vor Wildverbiss zu schützen, könne man auf blaue Klipse („kosten nur ein paar Cent“), ungewaschene Schafwolle oder idealerweise angepasste Wildbestände setzen. Ab einer Höhe der Naturverjüngung von rund 1,3 Meter könne das Rehwild die für das Wachstum wichtigen Baumspitzen nicht mehr verbeißen. Und: Ein gemischter Wald sei weniger gestresst, sei mehr als die Summe seiner Teile.
Bei der abschließenden Runde mit allen Teilnehmern hielt Magdalena Bergmann vom AELF fest, dass die Naturverjüngung Basis für einen erfolgreichen, zukunftsfähigen Wald sei. Dafür brauche aber der Jungwuchs genügend Licht und Raum. Das AELF und die WBV empfehlen deshalb, sich zuerst beraten zu lassen, was waldbaulich sinnvoll ist, und dann die entsprechende Förderung zu beantragen.
Heuer gibt es dazu ein besonderes Projekt zur Mischwuchsregulierung: Die WBV übernimmt die Pflege und Weiterentwicklung der Naturverjüngung, die sich der Waldbesitzer staatlich fördern lassen kann. Bergmanns abschließende Botschaft: „Waldumbau und Naturverjüngung kann man erfolgreich meistern.“