Waging am See – Es muss rasend schnell gegangen sein: Obwohl die ersten Feuerwehrleute in weniger als zehn Minuten vor Ort waren, stand der Pferdestall in Waging beim Eintreffen schon voll in Brand. So schildert Hubert Hobmaier die ersten Eindrücke am Unglücksort. Der Fachkreisbrandmeister für Presse- und Medienarbeit beim Kreisfeuerwehrverband Traunstein war mit seinen Kollegen der Feuerwehr Kammer als zweiter Trupp vor Ort.
Gegen 22 Uhr wurden die Einsatzkräfte am Freitag, 1. Mai, zu einem Brand auf einem landwirtschaftlichen Anwesen im Ortsteil Tettelham alarmiert, heißt es in der Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbands. „Bei unserem Eintreffen stand der Pferdestall in Vollbrand“, berichtete der Ottinger Kommandant und Einsatzleiter Bernhard Kaspar nach den Löscharbeiten. Für die rund zehn Tiere kam hier schon jede Hilfe zu spät. „Sie zu retten, war leider nicht mehr möglich“, sagt Hobmaier auf Anfrage der Redaktion.
Das Feuer begann zudem, auf die daneben stehende Scheune überzugreifen. „Daher galt unser Hauptaugenmerk zunächst dem Schutz der Maschinenhalle, in der mehrere hochwertige Traktoren und Maschinen gelagert waren“, heißt es in der Pressemitteilung. Von außen und innen bekämpften die Ehrenamtlichen den Brand. Auch rund 20 Atemschutztrupps waren im Einsatz. Gegen 1 Uhr sei der Brand dann gelöscht gewesen, die meisten Einsatzkräfte seien abgerückt. „Eine Fahrzeugbesatzung der Feuerwehr Otting blieb zur Brandwache sowie für kleinere Nachlöscharbeiten vor Ort. Gegen 5 Uhr konnte der Einsatz schließlich vollständig beendet werden“, heißt es seitens des Kreisfeuerwehrverbands.
Für die Feuerwehrleute war es aus mehreren Gründen ein schwieriger Einsatz. „Grundsätzliches Bedauern ist immer da“, sagt Hobmaier. Und der Wille, zu helfen, liege Feuerwehrlern gewissermaßen im Blut. „Wir hätten die Pferde gerne rausgeholt. Doch daran war nicht zu denken“, sagt er. Manche Einsatzkräfte habe das nicht kaltgelassen.
Eine weitere Herausforderung sei die knappe Wasserversorgung im Ort gewesen. „Das war prägend für den Einsatz“, betont Hobmaier. Es habe nur einen Hydranten gegeben. Ein weiterer kleiner Löschweiher sei schon nach 20 Minuten leer gewesen. Die Einsatzkräfte mussten deswegen eine Leitung bis in den Nachbarort legen und mit Löschfahrzeugen samt Wassertank anrücken. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Feuerwehren sei hier gut und reibungslos verlaufen, erklärt Hobmaier. Insgesamt im Einsatz waren laut Polizei rund 100 Helfer mit 40 Fahrzeugen der Feuerwehren aus Otting, Waging, Taching, Pierling, Traunreut, Traunstein, Wonneberg und Kammer. Auch Kreisbrandrat Christof Grundner, Kreisbrandinspektor Günter Wambach, Kreisbrandmeister Georg Fleischer sowie Fach-Kreisbrandmeister Atemschutz Stefan Thurner und die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Traunstein sind laut dem Feuerwehrkreisverband vor Ort gewesen. Auch der Rettungsdienst war mit einem Einsatzleiter, einem Notarzt und zwei Rettungsfahrzeugen zum Unglücksort gefahren. „Ein Feuerwehrmann zog sich bei den Löscharbeiten leichte Verbrennungen an der Hand zu, die noch vor Ort behandelt werden konnten“, heißt es in der Pressemitteilung. Weitere Personen wurden laut Polizei nicht verletzt.
Der Stall brannte laut Polizei vollständig ab. Auch die angrenzende Fahrzeughalle wurde stark beschädigt. Der entstandene Sachschaden beträgt ersten Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Euro. Vor Ort waren mehrere Streifenwagen der Polizei Traunreut, die die ersten polizeilichen Maßnahmen durchführten. Noch am Abend übernahmen dann Beamte des Kriminaldauerdienstes die Ermittlungen für die Kriminalpolizei Traunstein. Diese werden unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein dort durch die Brandfahnder des Fachkommissariats 1 fortgeführt.
Zur Brandursache können die Ermittler derzeit noch keine Angaben machen. „Die Untersuchungen dazu stehen noch am Anfang“, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.