Ruhpolding – Wegen eines großflächigen Waldbrandes am Saurüsselkopf bei Ruhpolding hat das Landratsamt Traunstein am gestrigen Montag den Katastrophenfall ausgerufen. Die höchste amtliche Warnstufe wurde ausgelöst, um alle beteiligten Einsatzkräfte, Fachstellen und Behörden ab sofort zentral koordinieren zu können.
Bis zu sechs
Helikopter beteiligt
Der drastische Schritt der Kreisbehörde hat einen klaren Grund: Zentrales Schutzziel des massiven Großeinsatzes ist das sensible Trinkwasserschutzgebiet Laubau. Eine weitere Ausbreitung der Flammen in dieses für die regionale Wasserversorgung elementare Areal soll durch die Bündelung aller verfügbaren Kräfte und Mittel um jeden Preis verhindert werden. Unter der Einsatzleitung des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein kämpften am Montag bereits über 200 Helfer in einem topografisch äußerst schwierigen und steilen Terrain gegen das Feuer.
Seinen Anfang nahm das Brandgeschehen am Sonntagabend. Gegen 19.10 Uhr ging demnach bei der Polizei Traunstein die erste Meldung über ein Feuer im unwegsamen Gelände hinter dem Saurüsselkopf ein. Schnell wurde den eintreffenden Einheiten von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei klar, dass ein direkter Löschangriff in der anbrechenden Dunkelheit zu riskant wäre. Stattdessen richteten die Behörden einen Krisenstab ein. Die Einsatzzentrale blieb permanent besetzt, um die Lage durchgehend zu überwachen. Erste Schätzungen gingen zunächst von einer betroffenen Waldfläche von rund vier bis fünf Hektar aus. Im Laufe des Montags wurde deutlich: Die betroffene Fläche ist mit 50 bis 60 Hektar etwa zehnmal so groß.
Mit dem ersten Tageslicht begann am Montag gegen 7.30 Uhr die konkrete Lageerkundung aus der Luft, um das exakte Ausmaß des Brandes zu bewerten. Dass die Situation am Berg ernst ist, verdeutlichten auch Bilder einer Webcam an der rund 3,6 Kilometer entfernten Unternbergbahn, die am Morgen dichten Rauch und offene Flammen nahe des Gipfels zeigten.
Aufgrund der schweren Zugänglichkeit des Geländes verlagerten sich die Löscharbeiten rasch in die Luft. Gestern Vormittag befanden sich bereits zwei Hubschrauber der Landespolizei im intensiven Löscheinsatz, während ein dritter Helikopter angefordert wurde. Zwischenzeitlich waren bis zu sechs Maschinen in der Luft. Die logistische Herausforderung für die ehrenamtlichen Helfer der verschiedenen Feuerwehren sowie der Bergwacht am Boden ist immens: Ihr Hauptaugenmerk lag gestern darauf, die Infrastruktur aufrechtzuerhalten und die Hubschrauber kontinuierlich mit ausreichend Löschwasser zu versorgen. Löschmaßnahmen der Feuerwehr vom Boden aus sind nicht möglich – das Gelände ist zu steil. Um ein Ausbreiten des Feuers in tiefere Lagen zu unterbinden, bewässern Bodentruppen parallel präventiv die Wald- und Forstwege im Bereich Seekopf. Außerdem werden bereits Bäume entlang von Wegen gefällt, um das Übergreifen auf andere Bäume zu erschweren.
Hinweise an die
Bevölkerung
Trotz der Ausrufung des Katastrophenfalls betonen das Landratsamt und die Ruhpoldinger Gemeindeverwaltung, dass für die Bevölkerung nach derzeitigem Stand keine unmittelbare Gefahr besteht. Dennoch hat das Feuer spürbare Auswirkungen. Die Einsatzleitung rechnet damit, dass es durch die Rauchsäule zu leichtem Ascheregen kommt. Hiervon dürften besonders die Gebiete südlich und östlich der Chiemgau-Arena betroffen sein. Die Behörden raten den Anwohnern in diesen Sektoren, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Aufenthalte im Freien auf ein Minimum zu reduzieren.
Der Großeinsatz bringt laut Behörden zudem erhebliche Verkehrseinschränkungen mit sich. Die Bundesstraße B305 musste zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl auf einer Länge von rund 9,2 Kilometern komplett für den Verkehr gesperrt werden. Die Vollsperrung bleibt voraussichtlich bis zum Donnerstag, 7. Mai, bestehen, denn: Das Löschen des Feuers mitsamt der Glutnester könnte sich mehrere Tage hinziehen.
Weil für die Nacht auf Dienstag kein nachtflugtauglicher Helikopter zur Verfügung stand, wurden die Löscharbeiten gestern bei Einbruch der Nacht beendet. Die Einsatzkräfte sollten die Lage in der Nacht beobachten. Am Dienstagmorgen soll die Situation dann erneut aus der Luft erkundet werden: Dann wird sich zeigen, ob und wie sich die Flammen ausgebreitet haben. Für Dienstag wurden erneut über 200 Einsatzkräfte und noch mehr Helikopter, darunter von der Bundeswehr, eingeplant.
Das Landratsamt Traunstein appelliert eindringlich an alle Bürger und Schaulustigen, das Einsatzgebiet weiträumig zu meiden. Die Zufahrtswege müssen für die nachrückenden Rettungskräfte und Materialtransporte freigehalten werden. Die Behörde warnt: Jede zusätzliche Bewegung im Gebiet behindere die ohnehin schon hochkomplexe Arbeit der Einsatzkräfte.
Was das Feuer ausgelöst hat, ist derzeit noch völlig unklar. Die Ermittlungen der Polizei stehen noch am Anfang.