Rosenheim – Für die FDP ist das ein Donnerschlag aus heiterem Himmel: Kreisrat Walter Pakulat hat überraschend seinen Austritt aus der Partei erklärt. Damit verliert die FDP im Rosenheimer Kreistag ihren einzigen Vertreter. Heinz Hilgendorf, Vorsitzender des Kreisverbands Rosenheim Land, unterrichtete das OVB gestern von der dramatischen Entwicklung. „Wir sind sehr überrascht und bestürzt“, sagte er auf Nachfrage des OVB.
Es war eine schnelle Scheidung, aber eine mit schrillen Misstönen auf offener Bühne. Die FDP des Landkreises Rosenheim war am vergangenen Donnerstag im Hotel Johannisbad in Bad Aibling zu einer Sitzung zusammengekommen. Auf der Tagesordnung stand ein kurzer Vortrag von Walter Pakulat, der über die Situation im Kreistag berichten sollte. Eine Routineangelegenheit. Pakulat ergriff dann auch das Wort. Allerdings nur, um seinem Unmut über die Partei und einzelne Funktionäre Luft zu machen. Pakulat habe auch vor persönlichen Angriffen nicht zurückgeschreckt, berichten Teilnehmer. Schließlich übergab er Heinz Hilgendorf seine schriftliche Austrittserklärung.
Eine Entwicklung
mit Vorzeichen
Was die FDP nun vollends in die Bredouille bringt: Pakulat will seinen Sitz im Kreistag partout nicht räumen. Hilgendorf bestürmte ihn bei besagter Sitzung, den Weg für den Nachrücker Stefan Schiffer freizumachen. Pakulat aber weigerte sich und verbleibt damit vorerst im Kreistag. Für Schiffer gibt es also keinen Platz zum Nachrücken.
Für die Liberalen ist das eine schockierende Entwicklung. Allerdings eine mit Vorzeichen. Denn schon bei der Kommunalwahl hatte Pakulat für Aufsehen gesorgt: Für den Marktgemeinderat seiner Heimatgemeinde Bruckmühl hatte er für die Bayernpartei kandidiert. Für den Kreistag war er weiterhin als FDP-Kandidat angetreten. Ein Aufreger im Landkreis Rosenheim – aber rechtlich zulässig, wie das Landratsamt auf OVB-Anfrage feststellte.
Auch für Pakulat selbst war der Spagat offenbar überhaupt kein Problem. Die FDP hatte keinen eigenen Wahlvorschlag für die Wahl des Marktgemeinderats unterbreitet. So machte sich Pakulat auf die Suche nach neuen Mitstreitern und wurde bei der Bayernpartei fündig.
Dort fühle er sich „sehr gut aufgehoben“, sagte Pakulat. „Mir als Liberalen ist das Prinzip ‚leben und leben lassen‘ der Bayernpartei sehr sympathisch.“ Es sei sowohl der FDP als auch der Bayernpartei ein Anliegen, „unnötige Schulden zu unterlassen, um den Menschen Mehrbelastungen zu ersparen“.
Pakulat äußerte seinen
Unmut erst spät
Hätte man bei so viel Anschlussfähigkeit nicht misstrauisch werden können? „Das kann man mir vorwerfen, klar“, sagt Hilgendorf. Allerdings hätten er und Pakulat stets eng zusammengearbeitet. „Wir haben sehr viel Aufwand betrieben für unsere kleine Partei“, sagt Hilgendorf. Den Spitzenkandidaten habe man begleitet, unterstützt und in der Region präsentiert, „da fiel nie ein negatives Wort“. Umso mehr fühlen sich die Liberalen im Landkreis nun vor den Kopf gestoßen.
Erneuter Wechsel
zur Bayernpartei?
Pakulat sei wohl genervt gewesen, weil er im Kreistag keine Ausschussgemeinschaft habe einrichten können, vermutet Hilgendorf. Eine solche Zusammenarbeit gestattet es kleineren Parteien, sich mit anderen Gruppierungen zusammenzutun, um schließlich gemeinsam einen Rat in einen Ausschuss schicken zu können.
Es gilt als wahrscheinlich, dass Pakulat nun auch im Kreistag zur BP wechselt. Die Partei ist dort bereits mit zwei Mitgliedern vertreten. Geht es Pakulat also nicht nur um die Unzufriedenheit mit der FDP, sondern auch um mehr Einfluss?
Auf Anfragen reagierte die Bayernpartei am Montag nicht, auch Walter Pakulat war wegen eines Notfalls zunächst nicht erreichbar. Hilgendorf bezeichnete die Stimmung im Kreisverband der FDP als bedrückt. Es gelte nunmehr, die Mitglieder der FDP in der Region Rosenheim wieder zu motivieren und zu mobilisieren.