Rosenheim/Traunstein/ Mühldorf – Die junge Generation will die Region verändern. In den vergangenen Wochen haben wir Volontärinnen und Volontäre von OVB und OVB24 uns mit jungen Menschen über das unterhalten, was sie am meisten beschäftigt und im Alltag direkt betrifft: ihre Heimat.
In fast 50 persönlichen Gesprächen haben sie uns erzählt, was ihnen in Rosenheim fehlt, was sich dringend ändern muss – und was richtig läuft. Aber auch über Social Media konnten sie sich bei uns melden und ihre Meinung kundtun. Zahlreiche Kommentare und Nachrichten haben uns auf Instagram, Facebook und Whatsapp erreicht.
Und das ist auch gut so. Denn die Meinung der Jugend zählt. Zum Tag des Lokaljournalismus am heutigen Dienstag wollten wir von der jungen Generation wissen, welche Themen ihr am Herzen liegen und was sie gesellschaftlich und politisch bewegt. Und zu guter Letzt wollen wir lokale Politiker wie Landräte und Bürgermeister damit konfrontieren.
Das sind die
wichtigsten Themen
Ein Thema war bei den Jugendlichen extrem präsent: Treffpunkte und konsumfreie Räume für die junge Generation fehlen. „Ich fände es cool, wenn es Orte gibt, an die man nach der Schule gehen kann. Auch wenn es mal regnet“, sagt etwa der 18-jährige Valentin aus Rosenheim. Amelie ist 16 Jahre alt und geht in der Stadt zur Schule. Sie wünscht sich deshalb „noch ein paar Plätze, an denen man ungestört als Gruppe lernen kann“.
Jacqueline (23) wünscht sich für Traunstein ebenfalls „mehr Orte, an denen man sich entspannt treffen kann“, wie sie uns über Whatsapp schreibt. „Angebote für junge Menschen“ fehlen der Instagram-Nutzerin „missamelli“, sie meint damit Clubs, Bars und Discos. Viele User sind überzeugt, dass in Traunstein für junge Leute nicht mehr viel geboten ist. „Traunstein ist einfach zum Einschlafen“, sagt etwa Carina Steinberger.
Nachtleben
überzeugt nicht
Auch in Mühldorf und Altötting ist der Wunsch nach Möglichkeiten zum Feiern groß. „Ich möchte in Mühldorf wieder eine Disco haben“, schreibt die 24-jährige Jasmin Wenzl aus Altmühldorf. „Für das Nachtleben sollte mehr gegeben sein“, sagt auch Jessi Starzl über Altötting.
Auch in Rosenheim ist das Feierngehen nicht mehr das, was es mal war. „Ich glaube, wir haben nur eintönige Clubs in Rosenheim. Da sollte ein bisschen mehr Variation rein“, sagt zum Beispiel Manuel (22) im Gespräch mit uns. Bessere Clubs wünscht sich auch der 19-jährige Aaron, den wir an der Berufsschule I in Rosenheim treffen – „und dass mir in den Clubs, in die ich momentan gehe, weniger Kokain angeboten wird“, betont er.
Die 16-jährige Antonia geht auf die Mädchenrealschule in Rosenheim und spricht im Gespräch mit uns einen weiteren wichtigen Punkt an, der vielen Jugendlichen am Herzen liegt: Kultur und Veranstaltung – auch für die junge Generation. „Ich würde mir für Jugendliche mehr Veranstaltungen wünschen“, betont die 16-Jährige. Ideen hat sie auch schon: Autokinos oder Konzerte speziell mit Künstlern, die bei Jugendlichen beliebt sind. „Traunstein ist einfach tot“, schreibt Sandy Amsterdam auf Facebook. Viele Nutzer sind sich einig, dass es auch hier an Veranstaltungen und Freizeitgestaltung für die jüngere Generation fehlt. „Mehr Veranstaltungen für jedes Alter“, wünscht sich Conny Huber.
Ursula Schneider wünscht sich für Mühldorf ein Open-Air-Kino, eine Strandbar am Inn, mehr Nachtflohmärkte und Feste in der Innenstadt.
Kulturvereine
haben es oft schwer
Kultur müsse in Rosenheim mehr gefördert werden, findet Anastasia. Die 22-Jährige spielt Theater beim Bühnenmosaik und wünscht sich zudem Unterstützung für regionale Musiker – „nicht für bekannte, sondern eher für kleine Künstler“, erklärt sie. Auch Flo (18) ist Teil des Bühnenmosaiks. Er weiß, dass es Kulturvereine schwer haben, Leute zu erreichen. „Ich wünsche mir mehr Förderung für den Bereich der Kultur, vor allem in Bezug auf die Werbung“, sagt er.
„Die Geschäfte in der Innenstadt lassen zu wünschen übrig“, schreibt Manuela Kammergruber auf Facebook. Auch den Traunsteinern fehlen Geschäfte in der Innenstadt, wie etwa Silvi Haushalter schreibt. „Interessantere Geschäfte, wie H&M und Zara“ hätte Stefanie Raupach gerne in Traunstein. Nutzer „dasatelierherb“ wünscht sich für Mühldorf „ein schönes Café“ oder ein bis zwei „kleine Fine-Dining-Restaurants“. „Ein schönes Café in der Stadt und einen Co-Working-Space“ hätte auch „carolin7m“ gerne.
„Es ist schade, dass Rosenheim so ausstirbt und ein Geschäft nach dem anderen zumacht“, sagt die 16-jährige Magdalena. Sie wünscht sich deshalb, dass die Stadt wieder aufblüht und zum Leben erwacht – vielleicht auch mit mehr Cafés oder einem Starbucks, wie Amelie (16) von der Mädchenrealschule in Rosenheim vorschlägt.
Manche Jugendliche fühlen sich nicht mehr sicher
Einige junge Menschen fühlen sich in ihrer Stadt nicht mehr sicher. So etwa der 18-jährige Semih aus Kolbermoor, der oft in Rosenheim unterwegs ist. „Vor fast einem Jahr bin ich an einer Gruppe vorbeigegangen und habe ,Hallo‘ gesagt. Dann wurde mir eine Bierflasche hinterhergeworfen“, erzählt er. Auch die 16-jährige Magdalena will als junge Frau abends nicht mehr durch Rosenheim gehen. „Du läufst einfach Gefahr, dass dir etwas passiert“, meint sie. Angst hat auch Tamara (17) immer öfter. „Es laufen so viele betrunkene Menschen herum“, sagt sie. Die 17-Jährige wünscht sich mehr Sicherheit.
Die Situation rund um öffentliche Verkehrsmittel scheint überall ausbaubar: Die junge Generation wünscht sich in jeder Stadt ein besseres und zuverlässigeres Angebot. Viele Jugendliche finden, dass der Radverkehr in Rosenheim sicherer werden sollte, etwa Natalie vom Jugendbeirat. Sie stört, dass viele Radwege direkt an der Straße liegen. „Ich wünsche mir weniger Autos in Rosenheim und dass die Fahrradwege besser werden“, betont die 17-Jährige.
„Radwege verbessern“, fordert auch Nutzer „satu_mkay“ für Mühldorf. Und eine bessere Fahrradinfrastruktur wünscht sich User „alexanderlosert“ für Altötting. Einen „ausgebauten Radweg nach Teisendorf“ hätte Stefanie Raupach gerne in Traunstein.
Auch das Thema Parkplätze bewegt alle Städte in der Region. Manche Nutzer kommentieren, sie seien zu teuer, andere schreiben, es gebe generell zu wenig Parkmöglichkeiten. „Parkplätze in der Stadt fehlen“, sagt Sabrina Soraya über Traunstein. Die Parkplatzsituation in der Innenstadt sollte auch in Mühldorf verbessert werden, sagt Nutzerin „su.sanne9961“. „Mehr kostenfreie Parkplätze“, fordert Tamina (26) im Gespräch mit uns für Rosenheim. Dass die Loretowiese kostenpflichtig wurde, ist in ihren Augen ein großer Rückschritt.
Junge Generation
bewegt sich gerne
Sport und Bewegungsmöglichkeiten spielen bei der Jugend ebenfalls eine große Rolle. Etwa in Rosenheim. „Ich fände es schön, wenn öffentliche Sportstätten auch außerhalb der Schulzeit für junge Menschen zugänglich sind“, sagt zum Beispiel Raphael (17). Leon (18) geht auf die Johann-Rieder-Realschule und wünscht sich mehr Sportmöglichkeiten. Sein Schulkamerad Lucius (16) schlägt vor, Fitnessparks im Freien besser auszubauen. Aaron (19), Felix (19), Benjamin (17) und Duncan (15) hätten gerne einen Calisthenics-Park, in dem draußen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht durchgeführt werden können.
Christine Kluge schreibt uns auf Facebook, dass sie in Traunstein gerne ein Outdoor-Sportzentrum hätte, ähnlich wie das Freilassinger Badylon. Stefanie Raupach wünscht sich eine Indoor-Schwimmhalle. Plätze, an denen man mit Freunden Sport machen kann, fehlen der 24-jährigen Jasmin Wenzl in Mühldorf. „Ein neues Hallenbad mit angrenzender Saunalandschaft“ wünscht sich Helena Dietrich für Altötting.
So individuell sind
die Wünsche
Abseits der großen Themenschwerpunkte haben die jungen Leute auch individuelle Wünsche geäußert. Mehr Kontakt zu regionalen Unternehmen bereits in der Schule, mehr Demokratiebildung im Unterricht fordern sie für Rosenheim.
Einfach eine Chance wünscht sich der 19-jährige Abdiaziz aus Bruckmühl. „Ich möchte hier nicht nur Zuschauer sein, sondern Teil der Gesellschaft“, betont er. Doch obwohl er gerne eine Ausbildung machen würde, erschwere die Bürokratie es ihm und seinen Freunden enorm, eine Stelle zu finden.
Dem 21-jährigen Manuel fehlt bezahlbarer Wohnraum in Rosenheim – „auch für junge Leute, die nicht studieren“, betont er. Bezahlbarer Wohnraum ist den Kommentaren auf Social Media nach zu schließen auch in Traunstein knapp.
Mehr Pflanzen und Blumen in Rosenheim wären auch schön, da sind sich die zwölfjährigen Mädels Rosalie und Emma einig. Traunsteiner sehen das ähnlich: „Grün, grün, grün“, hätte Facebook-Nutzer Rainer Kaiser gerne und stattdessen weniger „Zupflasterei“.
Die Stadt Rosenheim könnte sich außerdem mehr für die bayerische Sprache und Kultur einsetzen, sagt die 17-jährige Regina.
Wie geht es mit der
Aktion weiter?
Die Volontäre von OVB und OVB24 bedanken sich bei allen Jugendlichen, die ihre Meinung geteilt haben. Jetzt gilt es, mit den Aussagen etwas zu bewegen. In den kommenden Wochen werden die von den Jugendlichen angesprochenen Themen aufgegriffen, lokale Politiker und Entscheidungsträger damit konfrontiert und bestenfalls die Veränderungen angestoßen, die sich die junge Generation wünscht.