Wirbel um Ken Jebsen

von Redaktion

Der umstrittene Redner Ken Jebsen trat in der Region auf. Während der genaue Ort unter Verschluss gehalten wurde, wuchs der Druck auf den Vermieter. Experten warnen deutlich vor den Inhalten des Ex-Journalisten.

Wasserburg – Wo er auftritt, sorgt er für Schlagzeilen. Darf er auftreten? Darf er nicht? Gibt es Proteste oder Demos? Wenn sich Kayvan Soufi-Siavash ankündigt, sind Diskussionen zu erwarten. Soufi-Siavash dürfte den meisten Menschen besser bekannt sein unter dem Namen Ken Jebsen, den er inzwischen allerdings abgelegt hat. Nun tritt er wieder unter seinem bürgerlichen Namen in ganz Deutschland auf. So auch demnächst in der Nähe von Wasserburg am Inn.

Vonseiten des Ticketverkäufers wird der genaue Veranstaltungsort erst nach Kauf eines Tickets bekannt gegeben. Dem OVB lag der Veranstaltungsort vor. Doch warum die Geheimniskrämerei?

Vermutlich, um genau das zu verhindern, was nun doch geschehen ist: Der Vermieter des Veranstaltungssaals wurde mit Kritik an seinem Gast konfrontiert. Eine anonyme E-Mail erreichte ihn, wie er berichtet. Zu Details will er sich nicht äußern.

Immer wieder kommt es bei Auftritten von Soufi-Siavash zu Protesten vor den Veranstaltungsräumen. So erst vor wenigen Tagen in der Gemeinde Nordhastedt in Schleswig-Holstein. Dort versammelten sich rund 50 Menschen zu einer Gegendemonstration, wie der NDR berichtete.

Dem OVB liegt das Schreiben vor, welches der Vermieter nahe Wasserburg erhalten hat. Darin versucht das Bündnis gegen Verschwörungsideologien den Veranstalter über seinen Gast aufzuklären. „Es ist gut möglich, dass Ihnen diese Einordnung bei der Buchung nicht in diesem Umfang bekannt war. Umso wichtiger ist aus unserer Sicht der Hinweis auf die öffentliche Wahrnehmung und die mögliche Wirkung solcher Veranstaltungen über den lokalen Rahmen hinaus“, heißt es in dem Schreiben. Weiter erklärt das Bündnis, dass Kayvan Soufi-Siavash seit Jahren in der öffentlichen Debatte im Zusammenhang mit verschwörungsideologischen Narrativen diskutiert und in diesem Kontext von Medien, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Stellen kritisch eingeordnet wird.

„Dabei wird insbesondere auf Inhalte verwiesen, die als anschlussfähig an antisemitische Verschwörungsmythen bewertet werden.“ Das Bündnis empfiehlt dem Vermieter, „sich im Vorfeld der Veranstaltungen anhand öffentlich zugänglicher Quellen sowie entsprechender Einordnungen durch Medien und zuständige staatliche Stellen ein umfassendes Bild der angekündigten Akteure und Inhalte zu verschaffen.“

Eine dieser staatlichen Stellen, die immer wieder um Aufklärung bemüht ist, ist die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. Dem Berater Florian Rieder ist Kayvan Soufi-Siavash gut bekannt – noch besser unter seinem Namen Ken Jebsen. „Er ist ein zentraler Akteur der deutschen Verschwörungs- und rechtsoffenen Szene“, erklärt Rieder gegenüber dem OVB.

Er sei ein Multiplikator für antisemitische, rassistische und verschwörungsideologische Inhalte. „Seine Positionen überschneiden sich oft mit der extremen Rechten und er tritt regelmäßig mit Rechtsextremen auf rechtsextremen Veranstaltungen auf und kooperiert mit Akteuren wie Compact oder der AfD.“Zudem pflegt Soufi-Siavash gute Kontakte in die Region.

„Seinen Verein, ‚Soufisticated‘, hat er gemeinsam mit Erich Hambach in Altenmarkt gegründet“, sagt Rieder. Hambach beschreibt er als „zentralen Akteur für Veranstaltungen der Szene“. Doch was kann man vom Auftritt des höchst umstrittenen Redners nun erwarten?

„Er untergräbt demokratische Werte, Institutionen, Wissenschaft und Medien“, erklärt Rieder. Er versuche nicht mehr, sich als seriöser Journalist zu geben. „Jebsen bespielt seine Zielgruppe und hat keinerlei Berührungsängste mit der extremen Rechten mehr.“

Daher appelliert das Bündnis gegen Verschwörungsideologien an den Saalvermieter, „solchen Formaten keinen Raum für Verschwörungstheorien, rechtsextreme Narrative und antisemitische Verschwörungsmythen zu bieten“.

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