44-Jähriger gesteht Kindesmissbrauch

von Redaktion

Vor dem Landgericht Traunstein hat der Prozess gegen einen 44-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 115 Taten des schweren Kindesmissbrauchs und der Vergewaltigung vor. Betroffen sind vier Mädchen aus dem Landkreis Rosenheim. Der Angeklagte legte ein Geständnis ab.

Landkreis Rosenheim/ Traunstein – Die Anzahl kann nur noch grob überschlagen werden, so viele Fälle von schwerem Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen dürften es gewesen sein: Insgesamt 115 Taten warf Staatsanwalt Florian Jeserer jüngst einem 44-Jährigen vor dem Traunsteiner Landgericht konkret vor. Betroffen waren vier Mädchen aus vier Familien im Landkreis Rosenheim. Genauer zu den Taten oder den Hintergründen wollte sich der Mann nicht äußern, aber: Er gestand die Anschuldigungen in vollem Umfang ein.

Alles spielte sich zwischen Anfang 2019 und Frühjahr 2024 ab. Das jüngste der Kinder war damals gerade mal acht Jahre alt. Heute sind die Mädchen zwischen 14 und 19. Wegen des Geständnisses bleibt ihnen eine erneute Vernehmung vor Gericht erspart. Erst vor gut einem Jahr kamen die Ermittlungen ins Rollen. „Der Vater eines Kindes erstattete Anzeige“, so ein führender Kripo-Beamter gegenüber Andreas Bartschmid, dem Vorsitzenden Richter.

So etwas wie
der „nette Onkel“

Der Fall zog dann immer größere Kreise: Familien und Nachbarn wurden befragt, immer mehr Opfer wurden bekannt.

Für die vier betroffenen Familien, die sich untereinander gut kannten, war der Angeklagte so etwas wie „der nette Onkel“: Er passte freiwillig auf die Kinder auf, beschenkte die Mädchen immer wieder mal, zahlte ihnen Nagelstudios, Friseurbesuche oder Shopping-Touren, berichtete der Kriminalpolizist. Später habe er sie auch mit Alkohol oder Zigaretten versorgt. „Die Eltern hatten volles Vertrauen in ihn“, so der Ermittler: „Niemand hatte sich etwas gedacht. Manche Eltern wollten es erst gar nicht glauben, als sie von dem Missbrauch erfahren hatten.“

Die Taten spielten sich beim 44-Jährigen daheim ab, aber auch im Zuhause der Mädchen. Der Missbrauch ging bis zum ungeschützten Geschlechtsverkehr, teils auch vor den Augen eines der anderen Mädchen. Immer wieder machte der Angeklagte Fotos vom Missbrauch mit seinem Handy. Angeklagt sind deshalb neben schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern und Vergewaltigung auch Kinderpornografie.

Trotz Alkoholproblemen
voll schuldfähig

Der Mann lebte zuletzt im südlichen Landkreis Rosenheim. Seit dem 11. August 2025 sitzt er in U-Haft. Er wuchs in Thüringen auf, schloss eine Maurerlehre ab und kam über Montageaufträge nach Oberbayern. Er habe große Probleme durch Alkohol und trinke über 20 Bier am Tag, sagte der Angeklagte über sich selbst. Auch wenn der psychiatrische Gutachter vor Gericht ebenfalls eine Entzugstherapie empfahl, schätzte er den Angeklagten als voll schuldfähig ein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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