Rosenheim/Raubling – Man möchte losfahren – und plötzlich springt das Auto nicht mehr an. Ärgerlich! Vor allem dann, wenn man sich die Ursache auf den ersten Blick nicht erklären kann. Denn oftmals ist es nicht das Auto, das einfach so Zicken macht, sondern ein unliebsamer Mitbewohner, der es sich unter der Motorhaube bequem gemacht hat. Die Rede ist vom Marder. Und der ist in Rosenheim und der Region recht weit verbreitet. „Der Marder ist revierbildend – und bei uns sind alle Flächen flächendeckend mit Mardern besetzt“, erklärt Kammerjäger Matthias Geltinger aus Raubling.
In der Stadt sei die Marderdichte ein wenig höher als auf dem Land. Im Wald gibt es Geltinger zufolge so gut wie keine Steinmarder, da sie dort keinen Unterschlupf finden. Doch wie kann man nun verhindern, dass sich der Vierbeiner im eigenen Auto einnistet – und im schlimmsten Fall noch großen Schaden anrichtet? „Am Kfz kann man nur den Motorraum so verschließen, dass das Tier nicht mehr reinkommt“, sagt Geltinger. Seines Wissens nach sei das aber nicht ganz so einfach. „Sonst machen auch Elektroschock-, beziehungsweise Hochspannungsanlagen Sinn.“ Mit diesen wird dem Marder ein Stromschlag verpasst, der ihn verschrecken soll.
Was hingegen nicht erlaubt ist, sind Lebendfallen, erklärt der Kammerjäger. „Der Marder unterliegt dem Jagdrecht“, macht Geltinger deutlich. „Der Jäger darf aber nichts unternehmen, da in befriedeten Bezirken die Jagd ruht.“ Fängt man den Marder also mithilfe einer Lebendfalle, eigne man sich das Tier an, was dann wiederum als Wilderei gelte.
Um überhaupt frühzeitig zu erkennen, ob sich ein Marder im Auto eingenistet hat, rät der ADAC zu regelmäßigen Kontrollen – insbesondere in der Hochsaison von April bis Juni. „Am besten sollte man alle paar Tage unter die Motorhaube schauen, um typische Spuren frühzeitig zu erkennen und teure Folgeschäden zu vermeiden“, erklärt eine ADAC-Sprecherin auf OVB-Anfrage.
Um die Anwesenheit des Schädlings zu erkennen, muss man auch kein Kfz-Profi sein. „Typische Hinweise wie Bissspuren an Kabeln, Pfotenabdrücke, auslaufende Flüssigkeiten oder Warnleuchten können auch Laien auffallen“, so die Sprecherin. Dennoch blieben Schäden oft unentdeckt, da Marder oft an versteckten Stellen beißen. „Viele Autofahrer merken es erst beim Werkstattbesuch, wenn der Motor unruhig läuft oder das Auto gar nicht mehr anspringt.“
Selbst wenn das Auto in einer Garage steht, sollten Autobesitzer wachsam sein. „Garagen reduzieren das Risiko, bieten aber keine absolute Sicherheit“, so die ADAC-Sprecherin. Denn Marder können auch in Garagen gelangen. Selbst dann, wenn diese geschlossen sind. Oftmals sind kleine Öffnungen vorhanden, durch die die wendigen Tiere ins Innere gelangen können. Auch bei solchen Fahrzeugen, die vermeintlich sicher untergebracht sind, sind regelmäßige Kontrollen ratsam.
Der ADAC rät zudem zum Einsatz von Ultraschallgeräten. Bezeichnet sie sogar als Teil der „wirksamsten Maßnahmen gegen Marderbefall“. Die Geräte senden Töne aus, die den Marder letztlich verscheuchen sollen. „Einige Modelle arbeiten zusätzlich mit Blitzlicht oder LED-Lichtimpulsen, die den Störeffekt verstärken und Marder noch zuverlässiger vertreiben“, so die ADAC-Sprecherin.
Geltinger sieht diese Geräte allerdings deutlich kritischer. „Das ist reiner Betrug“, sagt er. „Es gibt zig Studien dazu mit den verschiedensten Schädlingen. Das wirkt überhaupt nicht und interessiert die Tiere auch gar nicht.“ Eine Investition in ein solches Gerät sei rausgeworfenes Geld. Manche Autobesitzer schwören beim Kampf gegen den Marder hingegen auf „Hausmittel“, die stark riechen und so den Marder verschrecken. Also beispielsweise Klosteine oder Hundehaare, die unter der Motorhaube platziert werden. „Manche Marder kann das schon stören“, sagt Geltinger. „Aber zuverlässig funktioniert diese Methode nicht. Marder haben ihre eigenen Vorlieben und ihren eigenen Charakter.“